Filmkritik zu ‘Shanghai’

Der schwedische Regisseur Mikael Håfström vertrieb sich zuletzt seine Zeit mit Inszenierungen im Horrorfilm-Genre. So dirigierte er im vergangenen Jahr Sir Anthony Hopkins durch ‚The Rite – Das Ritual’ und 2007 schickte er Schauspieler John Cusack in das ‚Zimmer 1408’. Direkt im Anschluss an diese Verfilmung einer Kurzgeschichte des Autors Stephen King, arbeitete Håfström erneut mit John Cusack zusammen. Ihr gemeinsamer Ausflug nach China in den 40er Jahre trägt den Titel ‚Shanghai’ und entstand zwischen den beiden Horrorprojekten und kommt jetzt dann auch in die deutschen Kinos.

Der Film siedelt seine Handlung im Jahre 1941 kurz vor den Angriffen auf Pearl Harbor an. Der amerikanische Geheimagent Paul Soames (John Cusack) ist gerade erst in Shanghai angekommen, um den Mord an seinem besten Freund (Jeffrey Dean Morgan) aufzuklären. Prompt findet er sich in einem Netz von Verschwörung und Lügen wieder, das die ganze Stadt zu überdecken scheint. Bei seinen Nachforschungen nimmt er den charismatischen chinesischen Gangster Anthony Lan-Ting (Chow Yun-Fat) und dessen schöne Frau Anna (Gong Li) ins Fadenkreuz, wird aber gleichzeitig von dem japanischen Geheimdienstoffizier Tanaka (Ken Watanabe) beschattet. Es dauert nicht lange und Soames und Anna finden sich in einer Affäre wieder, die sie alles riskieren lässt.

Filmkritik zu ‘Shanghai’

Ken Watanabe

Der Film startet in einer großen, leer stehenden Lagerhalle, die in dunkle Schatten gehüllt den Protagonisten – John Cusack – zeigt, wie er auf einem Stuhl sitzend zusammengeschlagen wird. Aus dem Off erzählt er seine Misere, die Schatten der beteiligten Personen ziehen die Aufmerksamkeit auf sich. Man möchte meinen, Regisseur Mikael Håfström möchte sich am Film Noir orientieren, jenem filmischen Genre, welches in den 40er und 50er Jahren, also auch etwa die Zeit, in der ‘Shanghai’ angesiedelt ist, seine Blütezeit erlebte. Diese erste Szene, die dem Film sogleich seinen Tonus verschafft, versetzt den Zuseher in die richtige Stimmung: Es wird brutal werden. Zugleich ist diese Szene ein Vorausblick. Es wird gezeigt wo der Held dieser Geschichte enden wird, seine Off-Stimme erklärt wie es so weit kommen konnte.

Daraufhin sieht alles ganz anders aus. „Willkommen in Shanghai“ heißt es in einer Stadtkulisse, die vor schönen Kostümen, herum wimmelnden Menschenmassen und Übersichtslosigkeit den Atem raubt. In all dem Chaos dauert es auch nicht lange, bis die nächste Schießerei beginnt. Und kurz danach bleibt sich der Film in seinen Noir Bemühungen treu: Der Auftritt einer Femme Fatal. Beim Glücksspiel lernt Paul Soames sein Verderben kennen: Gong Li (‘Der Fluch der goldenen Blume’) als verführerische Anna Lan-Ting. Sie ist dafür verantwortlich, dass der Geheimagent mehr Probleme bekommt, als er ohnehin schon zu bewältigen versucht. Hier verstrickt er sich in seinen Ermittlungen an den Mord an seinem Freund und einer Liebesgeschichte mit einer Frau, die bereits die Liebe eines anderen Mannes genießt, der wiederum mit dem Mord zu tun haben könnte. Soames wird ohne Gnade in eine Netz aus Verbrechen verstrickt, aus dem es am Ende nur einen Ausweg geben kann: Er muss Shanghai verlassen, die Flucht aus diesem Sündenpool.

Filmkritik zu ‘Shanghai’

Chow Yun-Fat & Gong Li

John Cusack passt sich gut in dieses Bild ein. Er ist der rauchende Smokingträger. Man könnte vom Type-Casting sprechen – den Smoking trägt er selbst in Weltuntergangsfilmen wie Roland Emmerichs ’2012′. Er treibt sich in finsteren Spelunken herum und ermittelt in den Schatten der Stadt. Er bekommt die klassischen Hinweise: ein Stück Papier mit einem Code darauf, eine verräterische Streichholzschachtel am Tatort, die zum nächsten Ermittlungsort führt. ‘Shanghai’ erfindet sich nicht neu, sondern lässt klassische Stilmittel wieder aufleben.

Dann treffen sich alle Darsteller zum Showdown auf einer verregneten, dunklen Straße, nur die Lichter von zwei Autos erhellen die Szenerie und das große Niederschießen darf beginnen. Das hätte das eigentliche Ende des Filmes sein sollen, aber Håfström lässt die Handlung zum Leidwesen des Film Noirs noch ein Stück weitergehen. So erlebt Cusack noch sein Happy End, endet nicht zusammengeschlagen auf einem Stuhl oder niedergeschossen auf der Straße. Die Bösen werden zurückgelassen, die Frau gerettet, Shanghai verlassen. Das ist dann ganz und gar nicht mehr Noir.

Denis Sasse

Filmkritik zu ‘Shanghai’

’Shanghai’

Originaltitel: Shanghai
Altersfreigabe: ab 16 Jahren
Produktionsland, Jahr: USA, 2010
Länge: ca. 104 Minuten
Regie: Mikael Håfström
Darsteller: John Cusack, Gong Li, Chow Yun-Fat, David Morse, Ken Watanabe, Franka Potente, Jeffrey Dean Morgan

Deutschlandstart: 15. September 2011
Offizielle Homepage: shanghai.senator.de/


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