Filmkritik zu ‘Happy Feet 2′

Von Denis Sasse @filmtogo

Sie leben in der Antarktis, verbringen ihre Tage mit dem fressen von Fisch, watscheln fröhlich im Wrack vor sich hin, kuscheln sich in Gruppen zusammen und ab und an sieht man sie munter tanzen und singen – so zumindest vor fünf Jahren als Warner Bros. mit ihrem Animationsfilm ‚Happy Feet‘ eine unterhaltsame und emotionale Inszenierung der Königspinguine und ihren nicht ganz so bekannten Musikfreuden aufleben ließ. Mit einer Mischung aus Rock Klassikern und R’n’B Songs konnte der Film von Regisseur und Co-Drehbuchautor George Miller (‚Mad Max‘) den Oscar als bester Animationsfilm gewinnen. In der Fortsetzung ‚Happy Feet 2‘ tanzen die Pinguine nun gemeinschaftlich mit See-Elefanten und Krill – nur auf die 2009 verstorbene Schauspielerin Brittany Murphy, die im ersten Teil noch als Pinguindame Gloria zu hören war, muss die ‚Happy Feet‘-Welt verzichten. Diese Lücke wird von Alicia Moore gefüllt, die vielen besser als Sängerin Pink bekannt sein dürfte.

Gloria und Stepptalent Mumble sind inzwischen mit der Erziehung ihres kleinen Sprösslings Erik beschäftigt, der allerding nicht so recht weiß, zu welchem Zweck er singen und tanzen soll. Weil sein Pinguinvolk aber ein Auge auf ihn wirft und von ihm erwartet, dass er mit den anderen den traditionellen Pinguin-Späßen nachgeht, reißt er kurzerhand aus und begegnet dem Exoten Sven, einem fliegenden Pinguin. Mit diesem neuen charismatischen Vorbild kann Mumble natürlich nicht konkurrieren. Aber gemeinsam mit seinem Sohn und vielen Freunden, ganz gleich ob See-Elefanten, kleines Krill oder dem verrückten Adéliepinguin Ramon, muss Mumble sein Pinguinvolk retten, als sich ein Eisberg verschiebt und das Tal der Königspinguine von der Außenwelt abgeschnitten wird.

Pinguinsprössling Erik

Mit der Fortsetzung zu ‚Happy Feet‘ beschreiten die Macher keine neuen Wege, denn bereits im ersten Teil war Mumble der Außenseiter, der zu sich selbst und seinen verborgenen Talenten finden musste. Schon 2006 durchlebte die jetzige Vaterfigur ihre Adoleszenzgeschichte, die nun auf den Sohnemann übertragen wird – wie der Vater, so der Sohn. Da im zweiten Teil aber alles ein wenig größer daherkommen sollte, wurde das Motiv der Selbstfindung auf fast alle Hauptfiguren des Filmes übertragen. Wo Mumble seine Vater-Fertigkeiten und sein Sohn Erik sein tänzerisches Talent anzweifeln, sind da noch ein angeberischer Papageientaucher der aus lauter Einsamkeit vorgibt ein Pinguin zu sein, ein See-Elefant der seinen Prinzipien untreu wird und zwei Schwarmgesteuerte Krill, die ihre Individualität entdecken. Im Original gesprochen von Brad Pitt und Matt Damon, entwickeln sich die beiden Krill zu den amüsantesten Neuerungen von ‚Happy Feet 2‘. Sie sind das Äquivalent zu der Urzeitratte Scrat aus den ‚Ice Age‘-Filmen, die episodenhaft ihre eigene Geschichte zum großen Ganzen beitragen. Der rote Faden spinnt sich hier vom Verlassen des Krill-Schwarms, über die Erkenntnis ihres bisherigen Lebenssinns als Walfutter bis hin zum letzten, entscheidenden Tanzschritt. Es wäre wenig verwunderlich, wenn die beiden Krill-Individualisten Bill und Will in Zukunft noch einige Abenteuer ohne den ‚Happy Feet‘-Bezug erleben würden.

Leider bleibt die Gesamthandlung aber vorhersehbar. Positiv dürfen die antarktischen Landschaftsbilder, das Zusammenspiel mit den menschlichen Figuren – wenn auch nicht sehr relevant – und die teilweise erfolgreichen Versuche gewertet werden, auf die Tränendrüse zu drücken. Allerdings ist das dem Vorgänger weitaus besser gelungen. Ansonsten wird man schon beim ersten Ansehen des Filmes wissen, dass am Ende nicht nur die Pinguine wichtig sein werden. Schon früh verspricht der See-Elefant Bryan, dass er Mumble für eine lebensrettende Hilfestellung jeden Gefallen erfüllen wird, den der Pinguin ihm abverlangt. Natürlich wird der Zuschauer genau wissen, dass dieser Gefallen noch eine größere Rollen spielen darf. Ebenso wie, dass der vorlaute Papageientaucher nicht so toll ist, wie er vorgibt zu sein und das die Krill sich sicherlich nicht auf eine lange Reise begeben um hinterher nicht ihren Teil zum erfolgreichen Happy End beitragen zu können.

Die Krill-Freunde Will und Bill

Das Element mit dem ‚Happy Feet‘ sich von anderen Animationsfilmen abheben möchte: die Tanz- und Gesangseinlagen der Pinguine, wird wiederum beeindruckend in Szene gesetzt. Auch wenn hier kein Andy Serkis hinter den Bewegungen der Pinguine steckt, sondern der Tänzer Savion Glover, darf man sich als Zuschauer an der ein oder anderen gut choreographierten Musiknummer erfreuen. Spätestens beim großen Finale, wo Pinguine und See-Elefanten auf einem Berg versammelt stehen und im Meer die rot leuchtenden Krill als Disco-Lichter fungieren, bekommt man auf der visuellen Ebene einen Höhepunkt des Animationsfilms 2011 zu sehen. ‚Happy Feet 2‘ befolgt sein eigenes Zitat, welches im Film verlauten lässt, dass alles auf dieser Welt, egal wie groß oder klein es ist, in irgendeiner Form miteinander verbunden ist – oftmals in Formen, die wir niemals erwartet hätten. Der Film verbindet auf dieser Grundlage eine Reihe von einzelnen Episoden zu einer Fortsetzung, die mit dem Krill Bill und Will ebenso episodenhaft amüsant ist, wie die übrigen Teilgeschichten oberflächlich emotional inszeniert wurden um mit ein wenig aufgepeppter Dreidimensionalität die erfolgreiche Handlung des ersten Teils mehr schlecht als recht zu wiederholen.

Denis Sasse


‘Happy Feet 2‘

Originaltitel: Happy Feet Two
Altersfreigabe: ohne Altersbeschränkung
Produktionsland, Jahr: AUS, 2011
Länge: ca. 99 Minuten
Regie: George Miller
Synchronstimmen: Elijah Wood, Alicia Moore, Ava Acres, Sofía Vergara, Robin Williams, Benjamin Flores Jr., Common, Hugo Weaving, Brad Pitt, Matt Damon, Hank Azaria, Richard Carter