Filmkritik zu ’30 Minuten oder weniger’

Filmkritik zu ’30 Minuten oder weniger’

Am 28. August 2003 betrat Pizzalieferant Brian Douglas Wells mit einer Bombe umgeschnallt eine Bank in Erie, im Bundesstaat Pennsylvania. Als die Polizei eintraf und Wells festnehmen wollte, detonierte die Bombe und tötete den Bankräuber. Sowohl Regisseur Ruben Fleischer als auch Schauspieler Jesse Eisenberg – beide haben bereits für den 2009er Film ‚Zombieland’ zusammen gearbeitet – bestreiten jede Ähnlichkeit zu ihrem neuesten Film ‚30 Minuten oder weniger’. Hier ist ‚The Social Network’-Darsteller Eisenberg als Nick zu sehen, der in einer Kleinstadt als Pizza-Lieferant arbeitet. Sein Leben ist eintönig, bis er eines Tages auf zwei Möchtegern-Kriminelle (Danny McBride & Nick Swardson) trifft. Das Duo kidnappt Nick und zwingt ihn dazu, eine Bank zu überfallen. Weil ihm nur wenige Stunden bleiben, bittet er seinen ehemals besten Freund Chet (Aziz Ansari) um Hilfe. Während die Uhr tickt, müssen sich die beiden mit der Polizei, Auftragskillern, Feuerwerfern und ihrer eigenen gestörten Beziehung zueinander herumschlagen.

Filmkritik zu ’30 Minuten oder weniger’

Jesse Eisenberg

Man hätte vermuten können, dass das ‚Zombieland‘-Erfolgsduo bei einer Laufzeit von gerade einmal 79 Minuten eine kurzweilige, knackige Geschichte hinlegt, die als Buddy-Komödie neue Maßstäbe hätte setzen können. Dabei ist die Grundidee auch gar nicht so sehr zu verachten: Immerhin hat sich Ruben Fleischer mit dem Jesse Eisenberg/Aziz Ansari-Duo und dem Danny McBride/Nick Swardson-Team an einer Doppelung des Buddy-Motivs versucht. Denn wirklich böse ist hier nur Michael Peña als Gangster Chango, während die übrigen Figuren nur versuchen ihren Lebensstil oder ihr Leben zu sichern. Allerdings wird den Zuschauern ein Film serviert, bei dem sogar 30 Minuten oder weniger noch zu viel des Guten sind.

Trotz einiger angenehmer Sequenzen, die zumeist mit schnellen Autofahrten zu tun haben, gelingt es dem Film nicht seine Belanglosigkeit abzuwerfen. Der Einstieg ist prägnant: Der Pizza Delivery Boy heizt durch die Stadt, nimmt keine Rücksicht auf seine Umwelt, seine Augen nur auf sein Pizza-Tacho fixiert, welches ihm sagt wie viel Zeit ihm noch bleibt die Bestellung pünktlich bei seinem Kunden abzuliefern. In einer späteren Verfolgungsjagd traut sich Fleischer sogar, das aus dem Film ‚Beverly Hills Cop‘ bekannte Lied „The Heat is On“ anzuspielen und seine beiden Protagonisten damit durch die Kleinstadt zu jagen. Leider sind diese beiden Sequenzen die einzigen Indizien für das schnelle Tempo, dass ein Film unter dem Titel ‚30 Minuten oder weniger‘ haben sollte. Darüber hinaus beschränkt man sich lieber auf Witze, die unter der Gürtellinie angesiedelt wurden und niemals so cool herübergebracht werden, wie es Woody Harrelson in ‚Zombieland‘ gelungen ist. Hier wirkt es nicht lustig, sondern eher affig – wofür man Danny McBride und Nick Swardson dann sogar unter Affenmasken versteckt hat.

Fleischer hätte viel mehr auf die Parallelität dieser beiden Loser-Teams eingehen sollen. Der Pizzabote und sein genervter Freund, der sich als Grundschullehrer von Kindern das Leben schwer machen lässt steht lediglich durch ihre legale Lebensweise im Kontrast zu dem bei Papa schnorrenden Danny McBride und seinem unterbelichteten Kumpel Nick Swardson. Wo der Film zu Beginn diesen parallelen Ablauf noch befolgt, bricht er schon bald damit und stellt die langatmigen und ohne jegliche Dramatik inszenierten Versuche Eisenbergs in den Mittelpunkt, die Bombe die ihm umgeschnallt wurde wieder loszuwerden.

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Danny McBride & Nick Swardson

Aber wenn nicht einmal das Internet dabei helfen kann eine Bombe zu entschärfen, gibt man sich lieber den Forderungen hin und startet den Versuch eines Bankraubs. In der Theorie mag das alles überzeugend klingen, in der Praxis allerdings wurde es mehr als enttäuschend umgesetzt. Eisenberg hat die unheilvolle Aufgabe eine uncharmante Figur als Titelheld zu etablieren, Ansari muss als Sidekick die schlechten Witze ausformulieren, McBride und Swardson werden als die „bösen“ Spiegelbilder der Helden inszeniert – hinzu noch einen wirklich bösen Gangster, der alle in die Bredouille bringt und eine Frau (Dilshad Vadsaria), die für die romantischen Handlungsstränge zu Verfügung stehen muss.

‚30 Minuten oder weniger‘ bietet eine oberflächliche Story, mit halbherzigen Darstellern, die sich durch unlustige, nicht relevante Dialoge arbeiten müssen um irgendwann das lang ersehnte Ende zu erreichen, welches leider nicht so schnell kommt, wie der Titel es verspricht.

Denis Sasse

Filmkritik zu ’30 Minuten oder weniger’

’30 Minuten oder weniger‘

Originaltitel: 30 Minutes or less
Altersfreigabe: ab 16 Jahren
Produktionsland, Jahr: USA, 2011
Länge: ca. 79 Minuten
Regie: Ruben Fleischer
Darsteller: Jesse Eisenberg, Danny McBride, Aziz Ansari, Nick Swardson, Dilshad Vadsaria, Michael Peña, Fred Ward


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