Filmkritik “My Old Lady” (Blu-ray)


My Old Lady

My Old Lady


Schon klar, man sollte auf Cover-Marketing-Slogans nicht zu viel geben, aber ich muss dies doch als Aufhänger für die Filmkritik zu “My Old Lady” nehmen. Dort steht nämlich auf dem Blu-ray Cover “Eine charmante Komödie – lachen und weinen garantiert”. Klingt doch eigentlich ganz nett. Vor allem, wenn unabhängig davon, auch der Trailer ähnliches erwarten lässt. Das Ergebnis sieht jedoch anders aus. Weder gewinnt, noch gelacht hab ich. Ich war nicht mal den Tränen nahe. Wenns hoch kommt, hab ich mal geschmunzelt – und zwar genau bei den Szenen, die der Trailer bereits vorweggenommen hat.

Mathias Gold hat sein letztes Geld dafür verwendet, einen One-Way-Flug nach Paris zu bezahlen. Denn dort hat ihm sein kürzlich verstorbener Vater eine Wohnung vererbt. Vor Ort kommt jedoch alles ganz anders, als Mathias es sich ausgemalt hatte. Anstatt die Wohnung schnellstmöglich zu verhökern, Paris den Rücken zu kehren und sich auf einen Trip durch Europa zu machen, sieht er sich mit einer alten Dame konfrontiert, die aktuell eben diese Räumlichkeiten zusammen mit ihrer Tochter bewohnt. Nicht nur, dass diese beiden nicht so leicht loszuwerden sind, es tuen sich dann auch noch Geheimnisse auf, die vielleicht besser verborgen geblieben wären.

Deutscher Trailer zu “My Old Lady”
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Filmkritik “My Old Lady”

Ich hatte es ja oben bereits angedeutet und würde nun gerne etwas näher auf die Enttäuschung eingehen, die “My Old Lady” bei mir hinterlassen hat. Denn Regisseur Israel Horovitz, der mit diesem Film sein Kinoregie-Debut gibt, hat sich ohne Wenn und Aber für ein astreines Drama entschieden. Das wäre auch nicht weiter schlimm, wenn nicht alle Vorzeichen etwas ganz anderes erwarten lassen würden. Ich möchte nicht verleugnen, dass es durchaus den ein oder anderen schlagfertigen Dialog gibt, der mir ein Schmunzeln abgerungen hat, aber “My Old Lady” als Komödie zu bezeichnen, ist ziemlich daneben gegriffen.

Wer auf den “charmanten” Teil des Films aus ist, sollte sich den Trailer anschauen und es dann auch dabei belassen. Der Film selbst schlägt eine Richtung ein, die, wie ich finde, fast schon als “schwere Kost” bezeichnet werden kann. Der zunächst charmant erscheinende Mathias Gold, zugegebenermaßen gut gespielt von Kevin Kline, stellt sich schnell als gescheiterte Existenz mit tiefen Abgründen heraus. Und auch die anderen Protagonisten stehen dem in nichts nach und haben so ihre Geheimnisse.

Im Großen und Ganzen entsteht im Laufe des Films ein Story-Geflecht, das mich nicht selten an eine Daily-Soap-Opera erinnert hat. Denn auch hier jagt zu Hochzeiten im Minutentakt eine Familientragödie die nächste. Leider grenzt das ganze zum Finale hin immer mehr an Unglaubwürdigkeit. Vielleicht hätte Horovitz als vielfach ausgezeichneter Bühnen- und Drehbuchautor einfach beim Schreiben bleiben sollen. Denn in dem vorliegenden Falle können die Darsteller sich noch so sehr ein Bein ausreißen, um die Emotionen auf die Leinwand zu bringen, irgendwann ist es eben einfach zu viel Drama, um es irgendwie einzufangen.

Durchaus positiv zu verzeichnen sind die Momente, in denen immer mal wieder der Charakter einer guten, französischen Komödie durchscheint. Diese sind rar gesät, denn schnell übernimmt der Einfluss aus Hollywood wieder das Ruder und am Ende hat man dieses Konstrukt, von dem zumindest ich nicht genau weiß, wie ich es einordnen sollte.

Erwartet nicht zu viel von “My Old Lady“, beziehungsweise erwartet das Richtige. Vielleicht bleibt euch die Enttäuschung dann erspart und ihr könnt dem Film weitaus mehr abgewinnen, als ich es tue.
Nachdem der Film auf dem diesjährigen Toronto International Film Festival seine Weltpremiere feierte, ist er nun seit dem 05.05.2015 auf Blu-ray und DVD erhältlich.

4 von 10 Freeks

Darsteller:
Kevin Kline, Kristin Scott Thomas, Maggie Smith
Regie:
Israel Horovitz

VN:F [1.9.22_1171]Deine Filmbewertung:Danke für deine BewertungRating: 0.0/10 (0 votes cast)

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