Filmkritik ‘In Time’ (Kino)

Erstellt am 6. Dezember 2011 von Filmfreek @Filmfreek

In Time
© 2011 Twentieth Century Fox


Justin Timberlake, Sänger oder Schauspieler? Je näher der Kinostart von “In Time” rückte, desto lauter wurde eben diese Frage. Und wie sollte es anders sein, mal wieder scheiden sich die Gemüter. Aber gibt es denn wirklich eine objektive Beurteilung?! Zumindest was die Musik angeht, so sind Geschmäcker nun mal unterschiedlich.

Ganz anders bei der Schauspielerei: entweder man kann es, oder eben nicht. Ob “In Time” nun der so sehr erhoffte, endgültige Durchbruch Timberlakes als Schauspieler war, lasse ich an dieser Stelle erst nochmal offen.

Justin Timberlake spielt Will Salas, der in einer Zukunft aufwächst, in der jeder Mensch genetisch bedingt nur 25 Jahre zu Leben hat. Danach läuft ein eiskalter Countdown, den es gilt durch das Hinzuverdienen von Zeit hinauszuzögern. Denn Zeit ist nicht mehr nur in der Redewendung kostbar, sondern stellt die kostbarste aller Währungen dar und bestimmt so nicht nur die Lebensdauer jedes einzelnen Menschen, sondern regelt auch die gesamte Geschäftswelt. Will Salas erhält durch eine Zufallsbekanntschaft über 100 Jahre gutgeschrieben, die er nun nutzen möchte, um sich und seiner Mutter ein besseres Leben zu verschaffen. Doch alles kommt ganz anders und auch die Timekeepers sind bereits auf ihn aufmerksam geworden und wollen ihm die geschenkte Zeit wieder abnehmen.

Deutscher Trailer zu “In Time”

Filmkritik zu “In Time”

In Time” hat es über die Wochen vor Kinostart geschafft, bei mir durchaus große Erwartungen aufzubauen, was in der Regel für das finale Erlebnis eines Films von Nachteil ist. So auch im Falle von “In Time”. Die Erwartungen waren vielleicht doch ein bisschen zu groß und trotz stimmigen Gesamtpakets kann der Film nicht zu 100% überzeugen.

Ich habe es in meinen Ankündigungen zuvor schon öfters erwähnt und auch nach der Sichtung des Films, halte ich an dieser Aussage immer noch fest: “In Time” bietet nach langer Zeit endlich mal wieder eine erfrischende Abwechslung durch eine Story, die mal kein Remake oder Reboot, keine Romanverfilmung oder Fortsetzung ist.
Trotz der ersten “Euphorie” über diese Tatsache, kann man Andrew Niccols, den Drehbuchautoren von “In Time”, vielleicht aber doch einen kleinen Vorwurf des Ideenklaus machen. Denn einzelne Elemente des Films erinnern stark an Michael Endes “Momo” und die zeitstehlenden Grauen Herren. Beide haben sie die Kostbarkeit der persönlichen Zeit zum Thema und in beiden Filmen gibt es eine Organisation, die versucht die Zeit eines jeden einzelnen zu kontrollieren und einige wenige die versuchen die “geklaute” Zeit wieder zu beschaffen.

Andrew Niccols selbst war bereits als Drehbuchautor für “Die Truman-Show” verantwortlich und überzeugte mit dieser Arbeit bereits Millionen von Zuschauern. Für “In Time” schrieb er dieses Mal nicht nur das Skript, sondern produzierte den Film auch und nahm selbst auf dem Regiestuhl Platz.

Etwas verwirrend ist die Tatsache, dass nach dem 25. Lebensjahr die Protagonisten nicht weiter altern, sondern für den Rest ihres Lebens weiterhin wie 25 aussehen. Ein Effekt, an den man sich als Zuschauer erst einmal gewöhnen muss, der aber auch im Film nicht einfach übergangen wird, sondern ähnlich zum Empfinden des Zuschauers thematisiert wird.
Aufgrund dieser Begebenheit handelt es sich bei den Darstellern in “In Time” um ein Sammelsurium an Jungschauspielern, auch wenn alterstechnisch einige Ausreißer darunter sind, wie Cillian Murphy mit seinen 35 Jahren. Die Leistungen sind aber durchweg solide und fallen in keinsterweise negativ auf.

Zwei allgemeinere Punkte, die meine Beurteilung des Films eher negativ beeinflusst haben, will ich euch nun an dieser Stelle nicht vorenthalten.
Regisseur Andrew Niccol hatte nach ungefähr einem Drittel des Films die Wahl, entweder Justin Timberlake in einen Actionreißer mit Rachethriller-Touch in Szene zu setzen oder die anbahnende Liebesgeschichte weiterzuverfolgen. Soviel sei verraten, er hat sich für den zweiten Weg entschieden, was dem Film leider ein paar Längen einbringt.
Darüber hinaus kommt “In Time” zwar mit einer tollen Grundidee und einer richtig gelungenen und spannenden Einführung in eine Welt, die man sich so, gar nicht richtig vorstellen kann, daher, er rutscht mit der Zeit jedoch immer mehr in ein altbekanntes, wenn auch bewährtes Thrillermuster ab. Das besondere Setting gerät etwas in den Hintergrund und als Zuschauer verfolgt man das Thriller-übliche Katz-und-Maus-Spiel zwischen Guten und Böse, das man so oder so ähnlich schon des öfteren gesehen hat.

Mit “In Time” ist Justin Timberlake wohl definitiv in Hollywood angekommen. Auch wenn es sich nicht um eine überragende schauspielerische Leistung handelt, nimmt man ihm die Rolle dennoch jederzeit ab und kann sich voll und ganz auf die Ereignisse des Films konzentrieren.

7 von 10 Freeks
Dartsteller:
Justin Timberlake, Amanda Seyfried, Cillian Murphy
Regie:
Andrew Niccol