Filme ohne Farbe: NOSFERATU (1922) von Friedrich Wilhelm Murnau

In seinem Horrorfilm in fünf Akten gelingt es Regisseur Friedrich Wilhelm Murnau bereits zu Stummfilm-Zeiten eine bedrückend-gruselige Atmosphäre aufkommen zu lassen, sobald nur von dem Vampir namens Graf Orlok die Sprache ist – und das ganz ohne Worte. Das dürfte die Genialität begreiflich machen, mit der Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens den klassischen Horror-Stoff nach Bram Stoker aufgreift, obwohl es sich um eine unautorisierte Verfilmung des Dracula-Mythos handelt.

Besagter Graf Orlok beauftragt den Immobilienmakler Knock, ihm ein Anwesen in dem beschaulichen Städtchen Wisborg zu suchen. Knock wiederum schickt seinen Mitarbeiter Hutter in die Karpaten, um den Grafen persönlich das verfallene Haus gegenüber von Hutters eigener Wohnung anzubieten. Bereits vor der Abreise reagiert Hutters Ehefrau Ellen voller Sorge auf das Vorhaben.

Hutter begegnet vor Orloks Schloss einigen Menschen, die vor Angst erschaudern, wenn sie nur an die seltsame Gestalt denken. Als der junge Mann dann selbst die Begegnung des abgeschieden lebenden Mannes macht, begegnet er einer hageren und recht gruselig dreinschauenden Figur. Es bedarf etwas Überzeugungskraft, Orlok von dem verfallenen Haus zu überzeugen, als er aber das Foto von Hutters Ehefrau zu sehen bekommt, bricht er sofort mit einem Schiff in Richtung Wisborg auf, während Hutter bereits um die Gefahr weiß, die von dem Vampir ausgeht und mit dem Buch der Vampyre unterm Arm zur Rettung eilt.

Filme ohne Farbe: NOSFERATU (1922) von Friedrich Wilhelm Murnau

Nosferatu

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Gustav von Wangenheim als Thomas Hutter und Greta Schröder als seine Frau Ellen.

Der Vampir wird unfassbar schaurig von Max Schreck gespielt, der mit seiner Performance Willem Dafoe dazu brachte, den Nosferatu-Darsteller in Shadow of the Vampire als geheimnisvollen Mann in einer fiktiven Entstehungsgeschichte des Murnau-Klassikers zu spielen. Derweil zeugte Regisseur Tim Burton dem Schauspieler seinen Tribut, als er Christopher Walkens Bösewicht in Batmans Rückkehr den Namen Max Shreck gab.

Völlig zu Recht hat sich nicht nur Max Schreck als Nosferatu, sondern auch der Mann selbst in die Horrorfilm Hall of Fame gespielt. Sein Vampir – oder hier: Vampyr – ernährt sich recht klassisch von Menschenblut, beißt mit seinen spitzen Zähnen in nacktes Fleisch, saugt und trinkt zu seinem eigenen Genuss. Er schläft tagsüber in Särgen, die mit Erde von den Feldern des Schwarzen Todes gefüllt sind, während er von Ratten umschwirrt wird, wohin er nur geht.

Nosferatu wird von einer mysteriösen Aura umgeben, die auf uns übergreift. Der Vampir ist klar und deutlich als das Böse markiert, wirkt dennoch wie die interessanteste Figur des Films, über die wir immer noch ein bisschen mehr erfahren möchten. Murnau standen nicht viele technische Mittel zur Verfügung, aber allein die Präsenz Schrecks, die schattenhafte Inszenierung und die beeindruckend düsteren Landschaften reichen aus, damit dieser Film einen maximalen Effekt von Horror – auch heute noch – erzeugt.

Allein der Immobilienmakler Knock und seine langsame Verwandlung in den Fliegen fressenden Lakaien des Grafen ist schauderhaft anzusehen. Bereits zu Beginn begegnen wir ihm mit zerzausten Haaren und angespitzten Zähnen. Er ist ein Bild des Unwohlseins, das als Mix aus dem weitaus harmloseren Fledermaus-Reiter in Michael Endes Die Unendliche Geschichte und Jim Carreys und/oder Neil Patrick Harris’ Performance als Graf Olaf in Lemony Snicket erinnert.

Filme ohne Farbe: NOSFERATU (1922) von Friedrich Wilhelm Murnau

Nosferatu

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Hutter (Gustav von Wangenheim) entdeckt Nosferatu (Max Schreck) in seinem Sarg.

Ein wenig Lemony Snicket kommt auch auf, wenn eine kleine Skelettfigur mit einem Hämmerchen auf die Uhr haut und so den entsprechenden Gong auslöst. Das genügt Nosferatu dann aber auch an niedlichen Elementen, je nachdem wie man die Aussage des Grafen deuten möchte, wenn er Hutter ins Gesicht sagt, dass seine Frau einen liebreizenden Nacken hätte. Ein eher zweifelhaftes Kompliment.

Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens besticht somit durch die Intensität seiner Inszenierung, bleibt aber zugleich auch recht einfach in seiner Umsetzung. Das Schloss des Grafen ist kein pompös-verschnörkeltes Anwesen, sondern ein dunkles Gemäuer, dass an eine alte, verlassene Ritter-Behausung erinnert, die eher pragmatisch als ästhetisch errichtet wurde (es wurde auf der Arwaburg in der Slowakei gedreht).

Friedrich Wilhelm Murnau ist ein Meisterwerk gelungen. Ein Begriff, den man nicht allzu oft in den Mund nehmen sollte, um die Glaubhaftigkeit zu wahren. Aber durch Kostüme, Maske, Performances (die grotesk geradlinigen Bewegungen Schrecks sind Gänsehaut erregend) und Bildgestaltung ist Nosferatu ein Horrorfilm, der vermutlich niemals wirklich alt erscheinen wird – eben wie ein Vampir.


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