Filme ohne Farbe: CLERKS (1994) von Kevin Smith

Das filmische Gefühl der Generation X setzt sich immer wieder mit der Belanglosigkeit der eigenen Existenz auseinander. Es geht um irgendwelche Figuren, die sich gelangweilt und perspektivlos durch ihr Leben schlagen. Die Realität suckt, dass wusste schon Ben Stiller mit seinem Reality Bites, Richard Linklater nannte es gleich Rumtreiber (Slacker) und bei Kevin Smith geht es um diese sinnsuchende Generation sowohl in seinem 1995er Mallrats und in dem ein Jahr zuvor erschienenen Clerks.

Clerks, der von Kevin Smith geschrieben wurde, für den er Regie geführt und den er Co-produziert hat, erzählt von einem Tag aus dem Leben von Dante Hicks (Brian O’Halloran), ein 22 Jahre junger Angestellter in einem Mini-Markt irgendwo in New Jersey. Dante verbringt einen Tag in seiner ganz persönlichen Hölle (passend zum Namen), als er ausgerechnet an seinem freien Tag von seinem Chef zur Arbeit geordert wird, um für einen kranken Kollegen einzuspringen.

Mit dem Stress von all den durchgeknallten Kunden gänzlich von seinem Tag angenervt, verbringt Dante möglichst viel Zeit mit seinem Kumpel Randal (Jeff Anderson), der eigentlich in der Videothek nebenan arbeiten sollte, aber seine eigenen Kunden lieber ignoriert, um mit Dante über belanglose Dinge zu philosophieren, während vor den beiden Läden Jay (Jason Mewes) und Silent Bob (Kevin Smith) herumlungern und erfolglos ihrem Drogenhandel nachzugehen versuchen.

Filme ohne Farbe: CLERKS (1994) von Kevin Smith

Clerks

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Jay (Jason Mewes, links) und Silent Bob (Kevin Smith, rechts)

Mit Clerks holt Kevin Smith nicht nur die Generation X vor die Kamera, sondern inszeniert sich selbst als größten Vertreter dieser treibenden Jugend. Wo andere Filmemacher Actionhelden und Science-Fiction Welten zum Leben erwecken, geht Smith in einen scheinbar belanglosen Alltag und zeigt uns, wie viele Merkwürdigkeiten sich in diesem verstecken können.

Dante und Randal haben mehr miteinander zu bereden als man denken mag. Auch wenn diese Unterhaltungen nur von Todessternen und den armen Arbeitern handeln, die mit dem Angriff und der Zerstörung durch die Rebellen in Die Rückkehr der Jedi-Ritter ihr Leben lassen mussten.

Der Vergleich liegt nahe. Auch Dante und Randal arbeiten für – in ihren Augen – bösartige Bosse auf ihren eigenen, kleinen Todessternen, so dass sie sich nur allzu gut mit den harmlos-unparteiischen Arbeitern im Krieg der Sterne identifizieren können, die sowohl vom Imperium als auch von den Rebellen schlicht übersehen worden sind. Hier findet Kevin Smith also sogar noch eine Belanglosigkeits-Metapher im Star Wars-Universum.

Immer wieder versetzt er seinem Clerks aber eine Huldigung auf diese Helden des unscheinbaren Alltags. Wenn er sie mit harter Musik im Hintergrund zu Rock ‘n’ Roll-Cowboys ihrer eigenen Welt erhebt oder sie mit seinen schwarzweißen Bildern zu Film Noir-Figuren werden lässt. Einzig ein farbenfrohes Cartoon-Intermezzo in der Mitte des Films reißt etwas aus dieser stimmigen Atmosphäre heraus.

Filme ohne Farbe: CLERKS (1994) von Kevin Smith

Clerks

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Dante Hicks (Brian O’Halloran, links) und sein Kumpel Randal (Jeff Anderson, rechts)

Ebenso wie uns Kevin Smith vorführt, wie unscheinbar und doch interessant ein dröger Alltag gestaltet werden kann, so gut weiß er mit seiner Umgebung umzugehen. Obwohl wir uns hauptsächlich im kleinen Mini-Markt aufhalten, Abschweifer nur kurz in die Videothek und auf die Straße vor den Läden stattfinden, fühlen wir uns niemals durch die limitiert-beschränkte Auswahl von Locations gelangweilt. Immer wieder gelingt es Clerks, uns durch die Figuren und ihre Unterhaltungen vor neuer Kulisse – so ein Laden hat viele verschiedene Ecken – an die Story zu fesseln.

Manches Mal erinnern die Unterhaltungen allerdings an die sinnierenden Philosophen-Teenager aus Dawson’s Creek, die viel zu jung über viel zu abstrakte und komplexe Dinge gesprochen haben. Und so bekommen wir auch in Clerks überaus selbstreflexive Tweens, die viel zu intelligent für ihr eigenes Leben erscheinen, als seien sie gestrandete College-Absolventen, die sich dazu gezwungen fühlen, das Leben der Generation X anzunehmen, ganz gleich ihrer eigentlichen Fähigkeiten.

Trotz manch ausschweifender Dialoge ist Kevin Smith mit Clerks ein unfassbar komischer, zugleich aber auch authentischer Film gelungen, der über die 90er Jahre und dem Gefühl der belanglosen Alltags-Schwerelosigkeit bis in das heutige Jetzt aktuell geblieben ist. Wirklich Schade ist nur, dass auch ein Kevin Smith irgendwann Erwachsen werden musste und wir solcherlei Filmstoffe von ihm nur noch selten – oder eher gar nicht – zu sehen bekommen.  


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