Fernsehen vs. Internet

Von Klabund

Das Fernsehen wächst weiter. Glaubt man den Statistiken.
Hier findet man sowas:

http://www.ard-zdf-onlinestudie.de/index.php?id=353

Dann schaut man in die Fußnote. Zahlen erhoben durch “AGF/GfK”. Okay, was sind denn das für komische Abkürzungen.
AGF ist die Abkürzung für “Arbeitsgemeinschaft Fernsehforschung”. Gibt es schon lange. Die dient allen deutschen Sendern, die bundesweit empfangbar sind (also sowohl den privaten, wie auch den öffentlich rechtlichen) dazu, ihre Quoten zu messen.
Grundsätzlich kann es einem Sender egal sein, wie viele Leute tatsächlich zuschauen. Wichtig ist nur, das die Einnahmen stimmen. Von Mitarbeitern öffentlich rechtlicher Anstalten hört man darum auch mal “was könnte die Arbeit Spaß machen, wenn wir das Programm nicht machen müssten…”.
Nach dem Motto wird die Arbeit auch gemacht.
Vor langer Zeit, als ich noch regelmäßig Fernsehen geschaut habe, dachte ich auch noch, das ich Einfluss auf die Quote habe. Das stimmt leider nicht.
Gemessen wird die Einschaltquote bei 5000 Haushalten in Deutschland. Diese Leute wurden gefragt, ob sie daran teilhaben wollen, die Einschaltquoten in Deutschland zu messen. Wenn sie einwilligen, bekommen sie ein zusätzliches Gerät, welches sie an ihren Fernseher anschließen müssen. Die gehören dann zu erleuchteten Kreis derer, die als einer von 5000 an der Quote teilhaben dürfen.

Natürlich sagt die AGF, das sie die Teilnehmer repräsentativ auswählen. Das würde ich auch sagen, wenn ich die Aufgabe hätte. Aber ganze ehrlich: Wer macht bei sowas freiwillig mit? Es sind natürlich Leute, die ein sehr positives Verhältnis zum Medium “Fernsehen” haben. Jemand, der das ganze TV-Programm schlecht findet und jede Minute vor dem Gerät für Zeitverschwendung hält, aber trotzdem ab und zu mal rein schaltet um sich auf dem laufenden zu halten, der wird bei einem Anruf der AGF den Hörer auflegen. Darum ist es selbstverständlich eine sehr eingeschränkte Zielgruppe, die für die AGF da die Quoten macht. Eine große Affinität zum Medium muss also gegeben sein. Das erklärt auch die guten Quoten für so manch zweifelhafte Sendung und die angeblich steigende Zahl der Fernsehnutzung.

Ich glaube darin liegt auch ein Teil der Wahrheit (andere hab ich hier im Blog ja schon erklärt), warum das Fernsehen so häufig gegen das Internet wettert. Die hätten es leicht, ihr komplettes Programm einfach online zu bringen – als Mischung zwischen kurzen Videos und Textbeiträgen. Machen sie auch teilweise, aber immer noch mit großem Bezug zum TV-Programm. Denn: Online kann man – weltweit einmalig – seine Werbeerfolge ganz genau messen.  Man sieht die exakten Views, die Anzahl der Leute die sich wirklich für die Werbung interessieren und auf die Website vom Werber gehen wollen… einfach alles.
Dann würde sich rausstellen, das nach der “Wetten Dass…?” – Ausstrahlung nur 5 Leuten den neuen Audi (oder was auch immer da für ein Auto beworben wird, keine Ahnung, hab ich vor 20 Jahren zum letzten mal gesehen die Sendung) gekauft haben, und ob die das vielleicht auch ganz unabhängig davon gemacht haben, und das gar nichts mit der Sendung zu tun hat.
Quoten im TV sind also voraussehbar und im Grunde nicht viel wert. Das Internet ist jedoch messbar. Darum wird Politik und Print / – Fernseh – Medium dagegen weiter wettern.