Ferien vor der Filmkamera

Ferien vor der FilmkameraDie einen machen Skandale, die anderen Filme. Grünen-Politikerin Claudia Roth, die nicht nur große Sympathien für, sondern auch ein Ferienhaus in der Türkei besitzt, von dem nicht bekannt ist, wer seinerzeit der Kreditgeber für den Kauf war, hat die Feiertage wie immer zu einem umweltverträglichen Flug in den Süden genutzt. Statt aber in Bodrum nur herumzuhängen, philosophische Bücher zu lesen und Kantaten auf die Schlechtigkeit der Welt zu komponieren, wie das das ganz normale Volk oft tut, startete die 56-jährige Zahnarzttochter unter der Regie von Yüksel Aksu ihre Kinokarriere: In „Entelköy Efeköy’e karşi“ ("Entelköy gegen Efeköye") spielt Roth eine temperamentvolle Tänzerin, die mit Hilfe einer senfbunten Bluse mit grüngelbem Pokemon-Jäckchen die deutsche Politikerin Claudia Roth darstellt.
Ein faszinierendes Spiel mit Identitäten, das die wortgewaltige Alt-Internationale der Ex-Alternativpartei beinahe überfordert hätte. „Ich war schockiert, denn es gibt nicht Schwereres als Claudia Roth zu spielen“, verriet sie den Deutsch-Türkischen Nachrichten, wobei der Begriff „Schwereres“ stellvertretend für „Schwierigeres“ steht. Sie habe es deshalb „sehr schwer“ gefunden, sich selbst zu spielen, räumt die Jungschauspielerin ein, die mit ihrem Leinwandengagement auf den Spuren so großer Politdarsteller wie Christian Wulff wandelt, der vor Jahren eine vielbeachtete Vorstellung in Dieter Wedels ZDF-Film „Mein alter Freund Fritz“ gab.
Roth schwebt ähnliches vor. Das schauspielern habe ihr „großen Spaß“ gemacht, räumte sie ein, der Film werde allerdings sogar noch besser, wenn man die Szenen, in denen sie zu sehen sei, „mit geschlossenen Augen gucke“. Die Botschaft des Werkes aber kommt in jedem Fall rüber: Es geht um bürgerschaftliches Engagement für die Verhinderung des Baus eines schmutzigen Kohlekraftwerkes, das niemand braucht, der in der Türkei nur ein Ferienhaus hat. Der türkische Premier Erdogan, so Roth, solle sich den Film ruhig mal anschauen. Sie hoffe, sagt sie bescheiden, aber überzeugt von der Überzeugungskraft ihrer Darstellerkunst, dass er danach auf die weitere Nutzung der Kernenergie verzichten werde.

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