Feminismus und "Healthy Living"

In letzter Zeit beschäftige ich mich immer mehr mit dem Thema Emanzipation und Feminismus. Ich möchte jetzt auf Details gar nicht eingehen, werde diesen Artikel nicht gendern und auch nicht auf eine Frauenquote eingehen. Dennoch finde ich es wichtig, hier mal über das Thema zu sprechen, denn in der Healthy-Living-Szene scheint die Emanzipation teilweise noch nicht angekommen zu sein.
Feminismus Viele Blogger fahren nämlich immer noch voll auf dem Beute-Schema mit. Da sollen Frauen entweder durch Sport und gesunde Ernährung abnehmen, um möglichst attraktiv zu sein oder ihre Kurven trainieren, um sinnlich und weiblich zu wirken (über das Thema des wortwörtlich starken Mannes könnte ich hier auch ewig sinnieren - aber nicht jetzt). Es werden Pülverchen und Tees verkauft, mit denen der Stoffwechsel angekurbelt wird oder besondere Wäsche, die überschüssige Pfunde wegmogelt.
Natürlich stimme ich dem zu, dass es tatsächlich auch dem eigenen Selbstbewusstsein hilft, wenn man zufrieden mit dem eigenen Aussehen ist. Aber bei den meisten habe ich das Gefühl, dass es dennoch nur darum geht, die (insbesondere männliche) Außenwelt zu beeindrucken. Mal ganz abgesehen davon, dass unser Idealbild einer Frau ja leider aus einer paternalistischen Perspektive stammt.
Feminismus Etwa bis zum Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts war die gewünschte Frauenfigur etwas, was wir heute als übergewichtig bezeichnen würden. Der wohlbekannte Grund dafür war, dass diese Üppigkeit Wohlstand repräsentierte - diese Frauen hatten genug Geld, um sich die Menge an Essen zu leisten, die zu einer solchen Figur führten. Spätestens seit den Sechzigern ist jedoch ein völlig unrealistisches Frauenbild in: Frauen sollen große Brüste und einen runden Po haben. Gleichzeitig soll die Taille möglichst schmal sein, so wie der restliche Körper - am besten mit Thigh oder Bikini gap. Unrealistisch ist diese Figur, da Brüste und Po nun mal unter anderem aus Fett bestehen. Wer nicht künstlich nachhilft oder besonders gute Gene für die Fettablagerung hat, kann dieses Ideal kaum erreichen. Und Wunder über Wunder - die prominenten Merkmale einer Frau sollen ausgerechnet die sekundären Geschlechtsmerkmale sein. Da bleibt ja kaum ein Zweifel daran, von wem dieses Ideal kommt.
Feminismus Das schlägt sich jedenfalls auch in den Motivationssprüchen und Memes nieder. Armer Ryan
Gosling, der für so viele "Hey Girl"-Memes missbraucht wird. Überspitzt gesagt fordern diese Sprüche jede Frau auf, sich für ihren Mann bzw. die Männer runterzuhungern und gleichzeitig mit Sport ihre Kurven zu bewahren. Auch wenn ich jedem freistellen möchte, für welchen "Lebensweg" er sich entscheidet, glaube ich, dass hier die falsche Motivation hintersteckt. Denn die Männerwelt wird nicht auf einmal applaudierend auf die Knie fallen, wenn man sein Ideal erreicht hat. Ich gebe zu, dass ich in meinen dünnsten Zeiten wohl am meisten Aufmerksamkeit von der Männerwelt erhalten habe -allerdings war ich da auch ziemlich selbstbewusst und scheinbar zufrieden mit mir. Wer weiß, woran es wirklich lag.
Trainiert und esst jedenfalls, wie ihr wollt - aber denkt darüber nach, wofür ihr es tut. Stichwort extrinsische und intrinsische Motivation: Letztere ist oft weitaus schwieriger aufzubauen, dafür aber viel langlebiger und mächtiger. Strengt euch nicht für "die Männer" an, sondern für eure eigene Zufriedenheit und Gesundheit.

Bildquelle: Oberes Bild: picjumbo.com; Mittleres Bild: Helga Weber via VisualHunt / CC BY-ND; Unteres Bild: Carrie_Baughcum via Visualhunt / CC BY