Fast 1 Jahr SeitenBlicke - Was hat sich verändert?

Von Seitenblicke

Vor Kurzem ist mir aufgefallen, dass dieser Blog demnächst bereits ein Jahr lang existiert. Man sagt es ja immer wieder, aber es stimmt einfach auch: Wahnsinn, wie schnell die Zeit vergeht! Diesen Blog zu eröffnen ist aus einer ganz spontanen Idee spät abends entstanden, während ich durch mein Bücherregal geguckt und festgestellt habe, dass ich mich nur noch an den Inhalt der wenigsten Bücher erinnern kann. Und das fand ich schade!  Ich wollte irgendetwas ändern, damit ich mehr von den Büchern mitnehme, die ich lese und nicht direkt alles wieder vergesse, sobald ich das Buch ausgelesen ins Regal an seinen Platz stelle. Über Bücher schreiben war das erste, was mir in den Sinn kam. Ich lese gerne, ich schreibe gerne, warum bin ich auf die Idee nicht schon früher gekommen?! Und so entstand dieser kleine aber feine Blog und es fühlt sich an, als wäre es gestern gewesen, dass ich nach dem Erstellen des Blogs spät nachts total aufgeregt im Bett lag und nicht schlafen konnte. Mein Kopf schwirrte vor Ideen für den Blog und ich wollte am nächsten Tag alle in die Tat umsetzen.
Und auch ein Jahr später bin ich immer noch ein bisschen aufgeregt beim Veröffentlichen eines Artikels und schreibe immer noch genauso gerne, wenn nicht sogar mit noch mehr Freude. Das Lesen und Schreiben über Bücher war die perfekte Ablenkung und Entspannung für mich während ich meine Magister-Arbeit geschrieben habe, und auch jetzt in der Hardcore-Prüfungsphase entspannt es mich vollends mich mit einem Buch ins Bett zu setzen. 
Als mir letztens aufgefallen ist, dass der Blog fast ein Jahr alt ist, habe ich mich gefragt, ob sich in diesem Jahr an meinem Leseverhalten etwas verändert hat.
Und ich muss sagen, da hat sich wirklich Einiges getan, was ich in Form von ein paar Fragen mal notiert habe.
Lese ich seit dem Bloggen mehr? Eindeutig ja. Während ich früher pro Monat vielleicht 3 Bücher gelesen habe, komme ich jetzt schon locker auf 6, wenn nicht mehr.
Aber das liegt nicht daran, dass ich für den Blog lese und mich selbst unter Druck setze, dass ich mehr lesen muss, damit ich Stoff zum Bloggen habe. So geht es mir überhaupt nicht und so würde mir das Ganze auch gar keinen Spaß mehr machen.  Das Bloggen hat vielmehr eine riesengroße Lust am Lesen wieder aufgeweckt. Gelesen habe ich schon immer viel und gerne, aber trotzdem war es meistens einfacher, mich vor den Fernseher zu setzen und eine Serie anzuschauen. Vorm Schlafen habe ich im Gegensatz zu früher auch kaum noch gelesen. Der Mann liest gar nicht und ein bisschen habe ich mich von ihm anstecken lassen, abends im Bett lieber noch etwas anzugucken als zu lesen und dann dabei einzuschlafen.  Durch das Bloggen und das damit verbundene Kennenlernen vieler neuer Bücher und Blogs lese ich viel lieber, als mich vor den Fernseher zu setzen. Leseflaute? Kenne ich nicht. Ich möchte alle Bücher lesen und das am liebsten sofort. Das hat aber auch mit dem nächsten Punkt zu tun...

Habe ich jetzt mehr ungelesene Bücher zu Hause stehen? Äh, ja. Ganz klar. Mehrere ungelesene Bücher hatte ich immer rumstehen, allerdings nicht in dem Ausmaß wie jetzt. Das waren vielleicht höchstens 6 ungelesene Bücher, die ich früher hatte. Jetzt reden wir da von einem zweistelligen, fast dreistelligen Bereich.  Ich finde es nicht unbedingt schön so viele Bücher zu Hause stehen zu haben, die ich noch nicht gelesen habe. Aber die Kaufsucht ist größer, das Gefühl, dass man das Buch jetzt unbedingt haben muss. (Dazu muss ich aber sagen, dass ich die meisten Bücher gebraucht kaufe und daher nicht ganz so viel Geld für Bücher ausgebe, wie man vielleicht meint.) Positiv an den vielen ungelesenen Büchern ist aber, dass sie mich motivieren. Ich stehe immer wieder vor dem Regal und schaue mir die Bücher an und denke immer wieder "Ich will die alle lesen! Jetzt! Sofort!"  Aber da ich nicht gerne mehrere Bücher auf einmal lese, geht das nicht. Und daher lese ich automatisch mehr, damit ich ganz schnell die vielen tollen Bücher von meinem Sub lesen kann.

Lese ich jetzt andere Bücher als früher? Durch das Bloggen habe ich das Genre Jugendbuch für mich entdeckt. Klar, Harry Potter und Twilight kannte ich schon vorher und habe ich geliebt. Die Hunger Games und andere Dystopien für Jugendliche habe ich auch vor dem Bloggen gelesen. Aber insgesamt habe ich vor dem Blog mehr Literatur für Erwachsene gelesen, zum Beispiel Thriller, Historisches oder Frauenromane (allerdings nicht so gerne Chick-Lit), in denen es um irgendein verruchtes Familiengeheimnis geht. (Kate Morten ist hier ganz groß!) Das lese ich auch immer noch gerne, allerdings greife ich inzwischen wirklich häufiger zum Jugendbuch. Und wenn man sich den Sub mal anschaut, besteht er auch wirklich hauptsächlich aus Jugendbüchern.  Schlimm finde ich das nicht. Ich freue mich, dass ich das Genre für mich entdeckt habe und so wirklich viele tolle Bücher gelesen habe, auf die ich ohne den Blog vielleicht nicht gekommen wäre. Und nur weil das Buch eigentlich für Jugendliche ist, heißt nicht, dass es schlecht geschrieben ist. Das nur mal am Rande, denn ich werde immer wieder gefragt, warum denn ausgerechnet Jugendbücher, ich als Germanistin, bla bla. Weil's Spaß macht, darum.

Achte ich bei einer Geschichte jetzt mehr auf die Details? Ja und nein. Ich schreibe im Gegensatz zu früher Rezensionen und da sollte man ja schon ein bisschen auf den Schreibstil Acht geben. Da habe ich vorher zum Beispiel überhaupt nicht drauf geachtet. Beim Lesen habe ich eigentlich nur Wert auf den Inhalte gelegt und das ist jetzt nicht mehr ganz so. Wenn ich mit dem Stil des Autors ein großes Problem habe, kann es jetzt auch ein toller Inhalt vielleicht nicht mehr ganz rausreißen.  Aber trotzdem ist mir der Inhalt natürlich auch sehr wichtig. Ich bewerte Bücher letztendlich danach, wie viel Spaß ich beim Lesen hatte. Denn wenn ein Buch mies geschrieben ist, beeinflusst es ja irgendwo automatisch den Lese-Spaß. Und wenn der Inhalt stimmt und spannend ist, macht es ja auch direkt viel mehr Spaß als ein langweiliges Buch, in dem rein gar nichts passiert oder mit einer Story, die es schon zehn mal gab.

Bin ich pingeliger geworden, was Bücher angeht? Auch diese Frage muss ich ganz klar mit ja beantworten.  Früher sahen Bücher bei mir immer gelesen aus, Leserillen waren mir wurscht. Ich habe es sogar gemocht, wenn Bücher etwas ramponierter aussahen. So sieht man ihnen wenigstens an, dass sie gelesen und geliebt wurden.  Und jetzt? Jetzt kann ich Leserillen gar nicht mehr haben. Das Regal soll bitte ordentlich aussehen und da passt ein zerknicktes und zerfleddertes Buch nicht rein. Das hat sich bei mir aber auch erst in den letzten paar Monaten entwickelt. In der ersten Zeit des Blogs war mir das auch noch ziemlich egal.  Früher habe ich übrigens auch nur Taschenbücher gelesen, ich hatte kaum Hardcover im Regal. Jetzt kommen immer mehr Hardcover hinzu, da ich die im Regal doch schöner finde.

Und nun die finale Frage: Behalte ich den Inhalt der Bücher jetzt tatsächlich besser im Kopf?
Ich würde sagen ja. Ich setze mich jetzt mit einem gelesenen Buch viel mehr auseinander, ich stecke mehr Überlegung in die Bewertung bei Goodreads und schreibe nun mal Rezensionen. Die Bücher werden nicht einfach wieder ins Regal gestellt und fertig. Nein, ich setze mich hin und schreibe darüber Ich fasse den Inhalt noch einmal zusammen und überlege ganz genau, was mir gefallen hat und was nicht. Schon allein deswegen bleibt mir ein Buch jetzt viel besser im Gedächtnis.
Und daher würde ich sagen, Operation BUMVBZHASNZLUIRSZH (Bloggen-um-mehr-von-Bücher-zu-haben-als-sie-nur-zu-lesen-und-im-Regal-stehen-zu-haben) ist gelungen.

Das letzte Jahr hat mir wirklich viel Spaß gemacht und ich denke immer wieder, dass SeitenBlicke eine meiner besten Ideen war. Ich habe so viel Spaß daran! Die Veränderungen, die sich durch den Blog ergeben haben, sind ja eigentlich alle positiv.
Hat noch jemand große Veränderungen im Leseverhalten seit dem Bloggen beobachten können?