Farben und Farbräume in der Bildbearbeitung Teil 2: Wer braucht welche Hardware?

Nachdem im ersten Teil dieser Reihe bereits die Unterschiede der zwei Farbräume AdobeRGB und sRGB behandelt wurden, geht es jetzt um die Wahl der Hardware, deren Konfiguration und die Frage, wer mit einem Monitor für 200,-€ arbeiten kann, und wer eher einen Monitor im vierstelligen Eurobereich benötigt. Ich möchte vorab jedoch erwähnen, dass dieser Artikel ausschließlich auf meinen persönlichen Einschätzungen beruht und deswegen nicht als allgemein gültiger Ratgeber gesehen werden darf. Auch richtet er sich nicht an Profis, sondern an Einsteiger, die sich einen kleinen Überblick über die Thematik verschaffen wollen. Deswegen kann ich auch ruhigen Gewissens sagen, dass das ganze Gerede über Monitore mit großer Farbraumabdeckung (kurz: Wide Gamut) für den Durchschnittsanwender ziemlich uninteressant ist. Es bringt nämlich gar nichts, einen Wide Gamut Monitor für 2.000,-€ zu besitzen, wenn man letztendlich nur ganz normale Fotoabzüge bei den typischen Bilderdiensten bestellt. Einen so teuren Monitor benötigt man nur, wenn man ganz genau weiß, was man tut.

Man muss hier einfach zwischen Theorie und Praxis unterscheiden können. In der Theorie ist nämlich auch das Klangbild einer CD eine Katastrophe. Dass man jedoch Profiequipment und ein gutes Gehör benötigt, um in der Praxis überhaupt einen Unterschied zwischen einer CD und einer höherwertigen Aufnahme wahrzunehmen, wird seltsamerweise oft verschwiegen. Und ein Foto besteht ja aus weit mehr als nur Farbwerten. Meines Erachtens zählen Moment, Perspektive und Komposition in einem Foto weit mehr als der verwendete Farbraum.

Fit für sRGB

Wie bereits festgestellt, ist der Farbraum sRGB der kleinste gemeinsame Nenner, wenn es um die Darstellung von Farben auf Monitoren geht. Wer also auch privat Wert darauf legt, dass die Farben und Kontraste der Ausbelichtungen von Pixum und Co. auch so aussehen wie beabsichtigt, sollte sich einen Monitor aussuchen, der den Farbraum sRGB zu 100% abdeckt. Hilfreich bei der Suche ist die Webseite prad.de! Dort gibt es sehr viele Testberichte inkl. Farbraumvergleich, wo man genau sehen kann, welche Farben die Monitore darstellen können. Für ca. 200,-€ bekommt man übrigens schon ein ausreichend gutes Modell, wenn man mit ein paar Kompromissen (z.B. Auflösung) leben kann. Meistens besitzen diese günstigen Monitore sogar einen sRGB-Modus. Da nicht jeder sRGB-Modus auch tatsächlich brauchbar ist, sollte man sich auf jeden Fall ein paar Testberichte durchlesen, um sich abzusichern. Wer mit sRGB arbeiten möchte, braucht z.B. unter Windows oder Linux nichts weiter einstellen, da sRGB der Standardfarbraum für diese Betriebssysteme ist.

Kalibrieren und Profilieren

Hat man einen Monitor zuhause, der einen weiteren Farbraum als sRGB abdecken kann oder nur einen bedingt brauchbaren sRGB-Modus hat, fangen die Luxusprobleme an. Bevor man nun anfängt, am Monitor und an den Farbeinstellungen des Betriebssystems zu fummeln, sollte man sich über folgende Dinge klar werden:

  • Nach Augenmaß zu kalibrieren ist sehr viel schwerer als man denkt, kann aber für den Amateurbereich zunächst ausreichend sein.
  • Man kalibriert einen Monitor nicht auf einen Farbraum, der Farbraum wird ausschließlich durch die Bildbearbeitungssoftware vorgegeben.
  • Selbst wenn man alles richtig gemacht hat, wird man auf Darstellungsprobleme im Normalbetrieb stoßen, weil nur wenig Software das Farbmanagement des Betriebssystems auch tatsächlich berücksichtigt.
  • Unbearbeitete Fotos weisen in der Regel kaum Farben erweiterter Farbräume auf, da solch intensive Farben in der Natur eher selten vorkommen.

Um für den Monitor ein Profil zu erstellen, benötigt man ein Gerät, das die Fähigkeiten des Monitors misst. Ein ausreichend gutes Gerät für diesen Zweck ist zum Beispiel der X-Rite Colormunki Display. Natürlich ist der Preis von 130,-€ nicht gerade gering, aber dafür bekommt man auch eine Menge geboten. Freunde der Bastelstunde können alternativ auch die ab Januar 2012 erhältliche OpenSource-Lösung ColorHug (inkl. Software für Linux) testen, die man bei Materialkosten um die 20,-€ selber zusammenlöten kann. Natürlich gibt es das Messgerät für ca. 50,-€ auch in bereits fertigem Zustand zu kaufen. Da es zu ColorHug bisher keine Testberichte gibt, sollte man schon ein wenig Pioniergeist mitbringen und noch keine Perfektion erwarten. Wer kein Linux-System zuhause hat, kann sich kostenlos eine Live-DVD (z.B. Ubuntu) herunterladen und bei Systemstart von dieser DVD ein Linux-Testsystem starten. Das nach der Messung erstellte ICC-Profil kann man dann z.B. auch unter Windows verwenden.

Die Profilierung des Monitors läuft im Prinzip immer gleich ab: zunächst stellt man den Monitor in den “Custom”-Modus. Der Name dieses Modus kann von Monitor zu Monitor unterschiedlich sein – wichtig ist dabei nur, dass man volle Kontrolle über die Farb-, Kontrast- und Helligkeitsregler erhält. Am besten setzt man vor der Messung alle Regler in den Werkszustand zurück. Anschließend klebt man das Messgerät in die Mitte des Monitors und startet die beigelegte Software. Diese wird einem zunächst sagen, wie man Helligkeit, Kontrast, Gamma (z.B. 2,2 unter Windows) und Weißpunkt direkt am Monitor einstellen muss. Dann beginnt die Farbmessung und ein entsprechendes ICC-Monitorprofil wird erstellt, das dann in den Monitoreinstellungen des Betriebssystems hinterlegt werden muss. Mit Hilfe dieses Profils wissen Bildbearbeitungsprogramme, dass bei der Darstellung des im Farbraum sRGB gespeicherten RGB-Farbwerts [255-0-0] z.B. letztendlich nur ein [198-0-0] an den Monitor geschickt werden muss.

Ernüchterung

Was dann spätestens nach den ersten bearbeiteten Bildern folgt, ist die Ernüchterung. Da hat man die tollsten und knackigsten Farben verwendet und möchte diese natürlich auch im Web präsentieren. Man speichert die Bilder als JPGs mit AdobeRGB-Farbraumkennzeichnung ab und muss dann feststellen, dass Webbrowser wie Chrome oder Internet Explorer die knackigen Farben gar nicht richtig darstellen. Die Bilder wirken flau und leblos, weil die Webbrowser das AdobeRGB-Profil ignorieren und davon ausgehen, dass sRGB verwendet wird. Dies wird an die Grafikkarte weitergegeben, die das AdobeRGB-Rot mit RGB-Wert [247-0-0] nun für ein sRGB-Rot mit dem Wert [247-0-0] hält. Und jetzt passiert das Katastrophale: die Grafikkarte guckt im Monitorprofil nach und stellt fest, dass das vom Webbrowser als sRGB-Rot deklarierte nur dem Rotwert [192-0-0] des Monitors entspricht und stellt dementsprechend ein viel schwächeres Rot als eigentlich beabsichtigt dar. Und nicht nur Webbrowser ignorieren Farbräume, sondern auch Bildbetrachter-Software wie IrfanView (Windows) oder Googles Picasa gehen strikt von sRGB aus.

Frustriert sucht man nach einer Alternative und exportiert fortan die bunten Bilder als JPGs mit sRGB-Farbraum. Mit anderen Worten: man wirft die ganzen Farben der größeren Farbräume über Bord, weil die meisten Internetnutzer sie eh nicht oder nur verfälscht sehen können. Wer sich also sicher ist, dass er lediglich für’s Web fotografiert und mit der Qualität der typischen Bilddienstleister im Consumerbereich zufrieden ist, braucht auch nur sRGB. So einfach ist das.

Wer braucht mehr als sRGB?

Mehr braucht derjenige, der wirklich das letzte Stück Qualität aus seinen Fotos herausholen möchte. Dabei muss man dann in Kauf nehmen, mehr Geld pro Abzug und Fotobuch zu bezahlen und mehr Geld für einen Monitor und Messgerät auszugeben. In Foren wird ja gern über sRGB gelästert und alle sRGB-Nutzer als “unprofessionell” dargestellt. Meiner Meinung nach sollte man sich von dem ganzen Buzzword-Bingo nicht einschüchtern lassen. Es geht immer hochwertiger, feiner, klarer, toller – nicht nur in der Fotografie. Man muss einfach schauen, womit man selbst zufrieden ist.

Und wer es genau wissen will, sollte sich vom Druckdienstleister mal ein Beispiel für AdobeRGB- und sRGB-Farben zuschicken lassen, um sich ein eigenes Urteil zu bilden.


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