FAQ – Warum zählt mein Fitness Tracker die Schritte falsch

Alle Fitness Tracker und Smartwatches zählen Schritte. Doch wie funktioniert die Schrittzählung eigentlich und was kannst Du tun, wenn falsch gezählt wird.

Wie funktioniert die Schrittzählung

Jeder moderne Fitness Tracker ist mit winzigen Sensoren ausgestattet, die sämtliche Aktivitäten des Nutzers aufzeichnen. Während der Bewegungssensor die linearen Bewegungen in allen drei Ebenen aufzeichnet, erfasst das Gyroskop sämtliche Drehbewegungen.

Die dabei aufgenommenen Messwerte werden anhand aufwändiger und komplizierter Algorithmen ausgewertet, wobei versucht wird bestimmte Bewegungsmuster zu identifizieren, die als Schritte interpretiert werden können.

Die Genauigkeit der Schrittzählung ist damit von der Qualität der angewendeten Algorithmen und Methoden der Mustererkennung abhängig. Obwohl die Hersteller eine Menge Zeit und Geld in die permanente Weiterentwicklung und Verbesserungen der Funktion investieren, sind Fehlzählungen nicht vermeidbar.

So kann es durchaus vorkommen, daß bereits das einfache Händeklatschen, diverse Hausarbeiten oder das Lenken eines Fahrzeuges als Schritte erkannt wird. Ebenso kann das Schieben eines Kinderwagens oder Einkaufswagens wie auch das Tragen schwerer Gegenstände dazu führen, daß aufgrund der ruhenden Arme und Hände absolvierte Schritte nicht gezählt werden.

Üblicherweise wird bei der Schrittzählung auch die dabei zurückgelegte Distanz gemessen. Fälschlicherweise wird in diesem Zusammenhang immer wieder angenommen, daß dabei das GPS zum Einsatz kommt. Tatsächlich wird aber über eine statistisch erfasste durchschnittliche Schrittlänge, die abhängig von Geschlecht, Alter, Größe und Gewicht des Nutzers ist, die absolvierte Strecke errechnet. Es handelt sich also dabei nur um Annäherungswerte.

FAQ – Warum zählt mein Fitness Tracker die Schritte falschSchrittzähler von Fitbit, Garmin und Polar (v.l)

Was kannst Du tun, um die Schrittzählung zu verbessern

Leider sind Deine Möglichkeiten sehr beschränkt, um genauere Ergebnisse bei der Schrittzählung zu erhalten.

Einer der bekanntesten Maßnahmen ist der Wechsel auf die “Dominante Hand”. Grundsätzlich empfehlen alle Hersteller den Fitness Tracker oder die Smartwatch auf der nicht dominanten Hand zu tragen. Bist Du also Rechtshänder, solltest Du das Gerät links tragen. Als Linkshänder natürlich auf der anderer Hand.

Beim Wechsel auf die dominante Hand passiert Folgendes.

In den entsprechenden Geräteeinstellungen hältst Du fest, daß Du ab sofort Deinen Fitness Tracker auf der dominanten Hand trägst. Tatsächlich verbleibt das Gerät aber dort wo es schon immer war. Durch die neue Konfiguration wird aber die Sensibilität der Sensoren gedämpft, wodurch weniger Bewegungen registriert und damit auch weniger Schritte gezählt werden.

Für den Fall, daß sich Dein Fitness Tracker täglich um mehrere tausend Schritte verzählt, hilft sehr oft ein kompletter Neustart und die Synchronisation des Gerätes.

Eine weitere Möglichkeit ist das Ablegen der Uhr. Immer wieder wird davon berichtet, daß selbst in eher passiven Phasen wie zum Beispiel beim Arbeiten am PC Schritte gezählt werden. Solltest Du in Deinem Job hauptsächlich sitzen, macht es ohnehin keinen Sinn, dabei einen Fitness Tracker zu tragen. Die wenigen Schritte, die Du eventuell zum Kopierer oder in die Kaffeeküche machst, müssen nicht unbedingt protokolliert werden.

Ebenfalls möglich – zumindest bei den Geräten von Fitbit – ist das Löschen von falsch gezählten Schritten. In diesem Beitrag aus dem Fitbit Forum wird erklärt, wie Du Schritte, die über einen längeren Zeitraum falsch gewertet wurde, wieder löschen kannst.

Sollten diese Maßnahmen keine wesentliche Verbesserung bringen und es werden noch immer deutlich falsche Ergebnisse geliefert, empfehle ich Dir das Gerät an den Hersteller oder Händler zurück zu geben oder zu tauschen.

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Zu viele Schritte wirklich so schlimm?

Wie bereits oben erklärt, ist die Erkennung und Zählung von Schritten ein sehr komplizierter Prozess, bei dem es fast zwangsläufig zu Abweichungen und Fehlern kommen kann.

Um es an dieser Stelle klar zu sagen – Es gibt aktuell keinen Fitness Tracker, der permanent Schritte richtig zählt.

In den meisten Fällen werden von den Geräten zu viele Schritte gezählt und die Fehlerquote kann täglich bis zu 10% der Gesamtschrittzahl ausmachen.

Das klingt im ersten Moment nach sehr viel, denn gemessen am üblichen Tagesziel von 10.000 Schritten, würde das eine Fehlzählung von 1000 Schritten bedeuten.

Berücksichtigt man nun, daß die gemachten Schritte Indikator für unser tägliches Aktivitätspensum aber auch neben anderer Leistungswerten Basis für die Berechnung unseres Kalorienverbrauchs ist, wünschen sich Nutzer verständlicherweise eine präzisere Zählung.

Doch wie schwer wirken sich 1000 zuviel gezählte Schritte wirklich aus?

Dazu ein kleinen Beispiel

Bei einem einstündigen Spaziergang werden durchschnittlich (natürlich abhängig von Größe und Gewicht) zwischen 5000 – 6000 Schritte zurückgelegt. Gleichzeit werden dabei (wieder abhängig von Alter, Geschlecht, Größe und Gewicht) zwischen 200 – 300 Kalorien verbrannt.

Das bedeutet 1000 zuviel gezählte Schritte entsprechen einer rund 10 minütigen Aktivität, bei der maximal rund 50 Kalorien verbrannt werden. Meines Erachtens handelt es sich dabei um zu niedrige Werte, die keine nennenswerte Bedeutung in den Gesamtstatistiken eine Tages haben.

Wird es bald keine Schrittzählung mehr geben

Da es bei der Schrittzählung immer wieder zu Fehlmessungen kommt, werden branchenintern inzwischen andere Methoden angedacht um das tägliche Aktivitätspensum zu messen und darzustellen.

In diesem Zusammenhang hat Polar eine neue Methode entwickelt, die bei den Modellen Vantage V,
Vantage M und Ignite bereits umgesetzt werden.

Über die bereits oben erwähnten Sensoren werden sämtliche Bewegungen in Ihrer Häufigkeit, Intensität und Regelmäßigkeit aufgezeichnet und in eine von fünf verschiedenen Aktivitätsgruppen kategorisiert.

  • Ausruhen (schlafen und ausruhen, liegen)
  • Sitzen (Sitzen oder anderes passives Verhalten)
  • Niedrig (Steharbeit, leichte Hausarbeit)
  • Mittel (Gehen und andere moderate Aktivitäten)
  • Hoch (Joggen, Laufen und andere intensive Aktivitäten)

Zusätzlich spielt auch die dabei gemessene Herzfrequenz und persönliche biometrische Daten eine wesentliche Rolle. Umso intensiver die Aktivitäten eines Tages sind umso schneller wird auch das Tagesziel erreicht.

Bei dieser Methode spielen als die absolvierten Schritte nur noch eine untergeordnete Rolle, weil tatsächlich sämtliche Aktivitäten erfasst werden.

Eine weitere und sehr einfache Methode ist PAI, die momentan bei den aktuellen Modellen von Amazfit zum Einsatz kommt. PAI bedeutet Personal Activity Intelligence und funktioniert ähnlich wie die oben vorgestellte Methode von Polar.

Auch bei diesem Tracking werden alle Aktivitäten gemeinsam mit dem Puls aufgezeichnet. Je nach Intensität der Aktivität werden Punkte vergeben und Ziel ist eine Gesamtpunkteanzahl von 100 zu erreichen wobei nicht nur der aktuelle Tag sondern die letzten sieben Tage sozusagen als Beobachtungszeitraum herangezogen werden.

Die Sinnhaftigkeit und die Vorteile der PAI-Methode konnte mit der HUNT Studie bewiesen werden. Die Untersuchung ergab, daß PAI das Risiko einer Herz-Kreislauf-Erkrankung um 25% senkt und die Lebenserwartung um durchschnittlich 5 Jahre steigert

Fazit

Natürlich ist es ärgerlich und lästig, wenn der eigene Fitness Tracker permanent die Schritte falsch zählt. Jedoch haben selbst deutliche Fehlmessungen weit weniger Konsequenzen als üblicherweise angenommen wird.

Abgesehen davon ist die Schrittzählung nur eine bedingt geeignete Methode um das gesamte Aktivitätspensum eines Nutzers zu messen und darzustellen.

Das erkannten inzwischen auch schon einige Hersteller und entwickelten neue Methoden des Aktivitätstrackings, die bereits im Einsatz sind.

Ich bin überzeugt davon, daß Fitness Tracker auch in Zukunft noch Schritte zählen. Doch zusätzlich werden weitere wichtigere Messdaten erfasst um so ein detailliertes und realistisches Bild unserer Tagesaktivitäten wiederzugeben.