Facie prima

Heute: Die Suggestion, der wirtschaftliche Aufschwung


Facie prima

Hat die Presse zur Aufgabe, über wirtschaftlichen Niedergang, Abschwung und Krise zu berichten, so umrahmt sie ihre Artikel m it Fotographien, die die Verwitterung unterstreichen, untermauern sollen. Verödete Baustellen werden gezeigt, großräumige Arbeitsstätten, auf denen nur ein Angestellter zu sehen ist, womit die brachliegenden Arbeitsstellen evident werden, die hier wuchern könnten, wenn es wirtschaftlich besser ginge. Keine Bilder von anpackenden Handwerkern, keine laufenden Fließbänder - alles ist still, alles ruhig, emsiges Nichtstun. Es scheint, als habe die Republik der Stillstand ereilt - es soll ja auch so scheinen. Denn die Abbildung muß abbilden, was der dazugehörige Artikel vorbringt. Der kräftige Arbeiter kommt erst dann zum Einsatz, wenn man sich entschließt, die relativ traurige Realität auf dem Arbeitsmarkt, mit all seinen Fängen um Niedriglohn und Scheinbeschäftigung, zu einen Aufschwung zu verklären. Dann braucht es Bilder von stemmenden Kerlen, die dann auch vor der Landesflagge posieren dürfen, um eine nationale Stoßrichtung zu deklamieren.

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Schreibt man vom Aufschwung, darf es funken und sprühen, muß es stieben und spritzen. Seht her, sollen solche Bildnisse rufen, jetzt wird wieder gearbeitet, malocht, geschafft! Jetzt geht wieder was! Bilder von verrichteter Arbeit umsäumen die frohe Botschaft aus Aufschwungserbauungsschriften. Wo noch vor einiger Zeit Ödnis herrschte, da glüht es heute, da glimmt es arbeitsam. Das Foto soll animieren, soll einstimmen, muß Gefühle einpendeln und regulieren. Die Leser etwaiger Aufschwungsberichte, diese oft mehr als trockene Texte, brauchen etwas fürs Auge, etwas zur schnellen Sinnerfassung.

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Daher einst Brachen auf dem Bau und in Werkshallen - daher nun Baustellen, die einem Ameisenhaufen gleichen oder Werkshallen, wo die Roboter und Maschinen nur so ranklotzen - überall prall gefüllte Arbeitsstätten, von Einsamkeit in Werkstätten keine Spur mehr. Man macht bildlich, was textlich langatmig, wenig attraktiv ist. Schwitzende Arbeiterheere, ratternde Maschinen, Blitze und Glut, ansehnlicher Funkenflug, volle Regale oder Parkplätze - alles zielt darauf ab, die Vitalität, den Schwung, die Dynamik zu versinnbildlichen. Alles ohne Anspruch auf Wirklichkeit, ohne Wahrheitsgehalt - alles nur als Metapher, als Suggestion.

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Wie sehr solche flankierenden Fotographien als Sinnbilder herhalten müssen, demonstrieren jene Bilder von zugeparkten Parkplätzen diverser Autohersteller. Die Üppigkeit solcher Abbildungen soll den Fleiß illustrieren, soll den Produktionsmarathon suggerieren - hier wird wieder so viel gearbeitet, dass der Parkplatz kaum mehr ausreicht!, soll ausgedrückt werden. Ob er aber etwa deshalb überbelegt ist, weil produziert und wenig verkauft wird, steht gar nicht zur Debatte. Denn es sind Bilder, die Gefühle anfachen sollen - nicht die Wahrheit dokumentieren. Selbst in Zeiten des Abschwungs findet sich in einer Massengesellschaft wie der diesen, keine absolute Ödnis - sicher verwaisen Baustellen oder Firmen, aber um die nächste Ecke wird weiterhin gearbeitet. Das Bild ist nur ein Ausschnitt, der aber im Kontext zum Bericht zur Ganzheit, zur Allgemeingültigkeit emporsteigt. Andersherum gilt es ebenso: in wirtschaftlich besseren Zeiten, werden zwangsläufig immer dennoch brachliegende Arbeitsstätten vorzufinden sein. Brache hat durchaus volkswirtschaftlichen Schaden zur Folge - aber so ohne weiteres im Alltag ist sie nicht immer erkennbar; die Krise, die auf Bildausschnitten spielend erkannt werden kann, ist in der Realität selten auf den ersten Blick zu erfassen.
Das Bild, das man den Berichten um Krise und Aufschwung zugesellt, es ist eines ohne Wirklichkeitsanspruch - es bildet nicht ab, es bildet aus: nämlich die Empfindung, mit der der Leser seine Zeitung zur Seite legen soll. Dergleichen kommt immer wieder vor, wenn beispielsweise bestimmten Politikern eine Tendenz anfotographiert wird - so drastisch wie im Falle des Auf- oder Abschwungs ist es jedoch nirgends.


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