Experiment: Eine siebentägige Arbeitswoche

Im Sommer 2016 begann Deian die Suche nach einer Möglichkeit, seinen Arbeitstag zu optimieren. Der nachfolgende Artikel informiert euch über ein kleines Experiment, das bei uns mehr als ein Jahr lang lief.

Um seine Produktivität zu steigern, begann Deian, jeden Euro zu notieren, den er durch die Content-Erstellung für seine Kunden verdiente. Alle Daten fanden ihren Weg in eine mit Apple Numbers1 erstellte Tabelle, in der er seine tägliche Leistung dokumentiert; letztendlich entstand auch ein kleines Projekt: die siebentägige Arbeitswoche.

Die Tabelle enthält folgende Daten:

Umsatz Arbeitsstunden Spreadsheet 2017

  1. Datum
  2. Kunde
  3. Umsatz pro Tag
  4. tägliche Arbeitsstunden
  5. Tagessatz (in Euro)

Wenn ihr den Screenshot genauer betrachtet, werdet ihr etwas Besonderes feststellen: Deian hat praktisch täglich gearbeitet. Ist eine siebentägige Arbeitswoche nicht wahnsinnig?

Nicht unbedingt.

Die siebentägige Arbeitswoche – wie es dazu kam

Lasst uns einen Punkt klären: Eine siebentägige Arbeitswoche funktioniert nicht für jeden digitalen Nomaden. Deian ist eine Ausnahme, da er seinen Lebensstil an seine Arbeitsweise anpassen konnte – und Alina hat es letztendlich auch getan.

Als digitaler Nomade kann man sein Leben so optimieren, dass es zur persönlichen Tätigkeit passt. Viele Kunden, die Deian betreut, geben ihm Projekte; andere schicken ihm täglich Artikel, die er schreiben soll. Es gibt Tage, an denen er nur zwei Stunden arbeitet; an anderen Tagen sind ist er fünf Stunden lang beschäftigt. Hin und wieder kann er sich sogar einen Tag freinehmen.

Wenn gerade Mal eine Flaute herrscht, können wir die Stadt erkunden, in der wir uns gerade befinden. Wir schießen Fotos, erstellen Inhalte für unseren Blog lifesimply.rocks, schalten ein wenig ab und freuen uns über einen erholsamen Tag.

A good way to spend the end of the year: At the seaside. Ammoudara Beach in Heraklion is accessible both by bus and on foot. We chose to walk. Nearly five kilometres away, we stopped for a hot coffee and for a beautiful view.⠀ ⠀ #lifesimplyrocks #digitalnomads #remotework #locationindependent #nomad #backpacking #digitalnomad #olympus #olympusinspired #olympusomd #olympusuk #colourfulnature #travel #travelphotography #abroad #wanderlust #travelgram #naturephotography #traveltheworld #seetheworld #livinglikealocal #heraklion #crete #ammoudara #beach #beachlife #islandlife #vitaminsea #liveauthentic #iamtb

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Als Deian seine 7-Tage-Arbeitswoche begann, musste sich Alina der Veränderung anpassen. Sie erstellt den Content für unseren Blog, schreibt täglich Artikel bearbeitet Fotos.

Einer Frage können wir nicht entkommen: Seid ihr nicht müde und braucht eine Pause?

Nein.

Was viele Menschen nicht begreifen ist die Tatsache, dass wir nicht acht Stunden arbeiten, wie diejenigen, deren Arbeitstag von neun bis fünf Uhr läuft.

Schauen wir erneut auf die obige Tabelle: Im März 2017 hat Deian rund 46 Stunden gearbeitet. Der Monat März hat 31 Tage, sodass Deian im Schnitt 1,5 Stunden täglich gearbeitet hat. Den größten Arbeitsaufwand hatte er im September 2016, als er 125 Stunden schuftete – das war eine sehr stressige Zeit und er gönnte sich deshalb eine einwöchige Auszeit. Wenn man nachrechnet, arbeitete er im Schnitt aber nur 5,2 Stunden pro Tag.

Klingt nicht so schlimm.

Ihr solltet nicht vergessen, dass der September 2016 eine Ausnahme war. Wir haben nachgerechnet, wie viel Deian seit der Erstellung der Tabelle gearbeitet hat. Das Ergebnis:

Monat Gearbeitete Stunden gesamt Stunden pro Tag

September 2016 125,5 4,2

Oktober 2016 72,9 2,4

November 2016 83,2 2,8

Dezember 2016 44,3 1,4

Januar 2017 41,5 1,3

Februar 2017 51,2 1,8

März 2017 45,7 1,5

April 2017 32,9 1,1

Durchschnitt 2,1

Deian hat für seine Kunden im Schnitt etwas mehr als zwei Stunden pro Tag gearbeitet.

Hinweis: Die Monate Dezember und April/Mai sind meist weniger ausgelastet, weil die zwei großen Feiertage (Weihnachten und Ostern) stattfinden; Januar ist auch entspannter, bis die Leute aus dem Urlaub zurückkehren.

Natürlich arbeitet Deian nicht nur für seine Kunden, sondern kümmert sich auch um unseren Blog. Für diese Arbeit haben wir keine Tabelle erstellt, sodass wir den Zeitaufwand nur schätzen können; wir gehen von etwa zwei Stunden pro Tag aus. Das würde bedeuten, dass er insgesamt vier Stunden pro Tag beziehungsweise 28 Stunden pro Woche arbeitet – weitaus weniger als die klassische 40-Stunden-Arbeitswoche.

Selbst wenn er 40 Stunden arbeiten würde, wären es über den Tag verteilt weniger als bei einem klassischen Arbeitnehmer, der von Montag bis Freitag schuftet.

Echte Arbeitsstunden vs. 9-to-5-Arbeitsstunden

Was wir Menschen in Bezug auf unsere 7-Tage-Arbeitswoche immer wieder erklären, ist die Tatsache, dass wir produktive Menschen sind. Wir konzentrieren uns auf die Arbeit, die wir in jenem Moment erledigen müssen. Alle gemessenen Arbeitsstunden wurden für produktiv verbrachte Zeit erfasst. Wenn wir uns dazu entscheiden, auf 9GAG zu surfen, ist das Teil unserer Freizeit. Wir könnten natürlich Stunden vor unseren Notebooks verbringen und Zeit vergeuden, aber diese nehmen wir nicht in unsere Tabelle auf.

Wenn ihr also produktiv sein wollt, müsst ihr Dinge eliminieren, die Zeit verschwenden. Schaut nicht ständig nach, was eure Freunde auf Facebook posten und lacht nicht so oft über Katzenvideos auf YouTube. Diese Dinge könnt ihr euch ansehen, wenn ihr nichts Besseres zu tun habt, zum Beispiel, wenn ihr auf einen Bus oder ein Flugzeug wartet.

Wir möchten keinesfalls sagen, dass alle Menschen ihre Zeit auf der Arbeit verschwenden. Studien haben aber gezeigt, dass die Produktivität keinesfalls acht Stunden anhält. Einer Untersuchung von vouchercloud.com2 zufolge liegt sie bei zwei Stunden und 53 Minuten.

Die Top 10 der unproduktivsten Aktivitäten

Aktivität Zeitaufwand in Minuten

1. Soziale Netzwerke prüfen 44

2. Nachrichtenseiten lesen 65

3. Arbeitsunabhängige Aktivitäten mit Kollegen diskutieren 40

4. Heiße Getränke zubereiten 17

5. Raucherpausen 23

6. SMS und Sofortnachrichten versenden 14

7. Knabberzeug essen 8

8. Essen im Büro zubereiten 7

9. Freunde und Partner anrufen 18

10. Neuen Job suchen 26

Natürlich spielen die Ablenkungen des modernen Arbeitsplatzes eine große Rolle. Der Zugang ins Internet leistet den größten Beitrag. Digitale Nomaden und Reisende lassen sich gerne vom World Wide Web verführen. Deshalb müsst ihr Selbstdisziplin zeigen, wenn ihr produktiv sein wollt und weniger arbeiten möchtet.

Zeitverschwender eliminieren und Arbeitstag optimieren

Es spielt keine Rolle, ob ihr ein Texter, Programmierer oder Berater seid – Zeitverschwender gibt es in jeder Branche.

Bis vor Kurzem war der größte Zeitverschwender das Internet. Videos auf YouTube ansehen oder auf 9GAG ziellos surfen verschwendet jeden Monat unzählige Stunden eurer wertvollen Zeit. Nun befindet sich dieses kleine Gadget in eurer Hosentasche, das Smartphone. Jetzt könnt ihr nicht nur am Laptop Zeit verschwenden, sondern an jedem Ort zu jeder Zeit.

Die einfachste Möglichkeit, Zeitverschwender zu eliminieren, ist der Verzicht auf die Installation der Apps für Facebook, Twitter, Instagram und Co. Loggt euch natürlich auch nicht über den Webbrowser bei den Diensten ein.

Am Notebook solltet ihr Apps installieren, die den Zugang zu sozialen Netzwerken verhindern:

Name Operating System Website

SelfControl macOS selfcontrolapp.com

Focus macOS heyfocus.com

freedom macOS, Windows, iOS freedom.to

Cold Turkey Blocker macOS, Windows, Android getcoldturkey.com

FocusMe macOS, Windows, Android focusme.com

Mit Sicherheit werdet ihr versuchen, die Apps auszutricksen oder gar
auszuschalten. Gönnt euch deshalb jeden Tag einige Minuten zum Ausruhen und geht jeder beliebigen Tätigkeit online nach. Deian zum Beispiel verbringt gelegentlich einige Minuten auf Reddit oder NeoGAF.

Dabei verschwendet er nicht unbedingt wertvolle Zeit, da er hilfreiche Informationen für unsere Nomad-Gaming-Kategorie sowie andere Teile unseres Blogs findet, indem er die Subreddits r/digitalnomad, r/ NintendoSwitch, r/travel besucht. Auch für die Konten auf sozialen Netzwerken findet er immer wieder relevante Inhalte. Dennoch gilt: Eine Auszeit ist hilfreich, um sich auf die Hauptaufgaben zu kümmern; sie eliminiert auch das Risiko, Zeit zu verschwenden.

Hat sich die siebentägige Arbeitswoche gelohnt?

Mit diesem Experiment wollten wir euch demonstrieren, dass man sieben Tage die Woche arbeiten kann, wenn man Zeitverschwender eliminiert und einen flexiblen Arbeitstag besitzt. Digitale Nomaden, die eine strenge Anwesenheitspflicht zu bestimmten Zeiten haben, können womöglich nicht täglich arbeiten.

Seit wir das Experiment gestartet haben, hat die 7-Tage-Arbeitswoche nicht immer geklappt. Natürlich ist es hilfreich, wenn man einen Reiseblog hat, da er uns stets Arbeit macht, wenn unsere Kunden gerade keine Projekte parat haben. Dennoch haben wir lifesimply.rocks in den letzten Monaten etwas vernachlässigt, weil wir unsere Freizeit genießen wollten. Deshalb können wir nicht mit gutem Gewissen sagen, dass eine 7-Tage-Arbeitswoche langfristig machbar ist.

Es bleibt aber die Frage übrig: Ist man produktiver, wenn man sich für die siebentägige Arbeitswoche entscheidet? Schwer zu sagen. Wir waren definitiv flexibler. An einem Montag gingen wir vier Stunden wandern, ruhten uns anschließend aus und arbeiteten bis spät in die Nacht, um die verlorenen Stunden wieder gutzumachen; an einem Dienstag schliefen wir morgens aus, arbeiteten einige Stunden an einem Projekt und gingen anschließend Kaffee trinken.

Letztendlich kommt es darauf an, was für eine ortsunabhängige Person ihr seid, welcher Arbeit ihr nachgeht und welche Hobbys ihr habt.

Jetzt seid ihr dran. Seid ihr bereit, die siebentägige Arbeitswoche auszuprobieren? Schreibt uns über eure Erfahrungen.


  1. An alternative to Microsoft Excel ↩︎
  2. https://www.vouchercloud.com/blog/office-worker-productivity/ ↩︎

unsplash-logoEstée Janssens

Der Artikel Experiment: Eine siebentägige Arbeitswoche erschien zu erst auf Life Simply Rocks.