Evolution folgen oder Ziele setzen?

Von Lukas Röthlisberger @Adekagabwa

Wenn man früher in ein naturhistorisches Museum ging, so waren da überall grosse Kommoden, deren Deckel man aufklappen konnte, und darunter waren – unter einer Scheibe natürlich – hunderte von ähnlichen Schneckenhäusern. Oder Käfern. Oder Schmetterlingen.  Alles machte dumpfe Geräusche, man musste vorsichtig sein und der Duft der Wissenschaft umgab einen. Ich liebte das. Heute sind die Museen interaktiv und Besucherfreundlich, das ist auch ok.

So funktioniert die Natur

Trotzdem: diese vielen selbstähnlichen Naturobjekte haben mich gelehrt, wie die Natur funktioniert: Sie produziert unglaublich viel vom gleichen, und was sich gut an die Umgebung anpasst, kann sich eifrig verbreiten, der Rest verschwindet wieder. So entwickelt die Evolution eine grossartige, künstlerische Originalität. Sie überlegt nicht angestrengt, sie macht einfach. Milliarden von Muscheln über Jahrmillionen in allen Ozeanen. Und zwangsläufig sind dann entzückende Exemplare dabei.

Die Natur hat keine Absicht damit außer: Leben. Und vielleicht ist selbst das keine Absicht, sondern einfach der Charakter der Wirklichkeit. Da sein, spüren und – sich den Umständen anpassen!

Wir sind uns heute gewohnt, dass sich die Umstände uns anpassen sollen. Wir setzen uns Ziele, und erreichen die dann. Aber weder sind unsere Ziele besonders originell, noch die Methoden, sie zu erreichen.

Manchmal würde man wohl besser etwas naturhafter leben: viel Ähnliches machen, schauen was bleibt, sich am Gelungenen erfreuen!
Als Künstler steckt man da tief drin.

BILD
Im Wal des Lebens / 66cm x 46cm / Acryl und Glasmalfarben auf Papier 2013, N°12-034; Ganz unten im Bild sind Silhouetten von Menschen. Im gleichen Rhytmus und Gesetz wie alles übrige auch. Das Bild kostet 250.- CHF.