Eva Menasse: Lässliche Todsünden.

Eva Menasse: Lässliche Todsünden.
Hmmmm. Tja. Schwieriger Fall, das.
Lässliche Todsünden von Eva Menasse ist eine Kurzgeschichtensammlung, deren Einzelteile nach den biblischen Todsünden Trägheit, Gefräßigkeit, Wollust, Zorn, Hochmut, Neid und Habgier benannt sind. Eine Idee, die mir grundsätzlich gefällt, die mich jedoch sofort an David Finchers Film "Sieben" erinnert  und damit eine gewisse Erwartungshaltung erzeugt hat. Entsprechend gespannt war ich auf die Lektüre.
Wie soll ich sagen: etwa in der Mitte der zweiten Geschichte fühlte ich mich deutlich abgekühlt, um nicht zu sagen, gelangweilt. Zu öde fand ich Handlung und Figuren, zu blass, zu wenig prägnant. Weitergelesen habe ich trotzdem, aber das ist halt mein Job hier.
Denis Scheck vom ARD-Magazin "Druckfrisch" (Video hier), dessen Empfehlungen ich normalerweise mit Interesse verfolge, vertritt hingegen eine ganz andere Meinung, nämlich diese: "Der Schauplatz ihrer sechs großartigen und gleichermaßen erbarmungslosen Kurzgeschichten ist Wien. Die Protagonisten, deren gebrochene Biographien im Mittelpunkt der Erzählungen stehen, stammen allesamt aus dem Kulturbetrieb. Sinnlose Affären und ungewollt gezeugte Kinder, gescheiterte Ehen, absurde standesgemäße Verbindungen und pseudo-niveauvolle Existenzen – ironisch seziert Menasse verfehlte Lebensläufe und liefert ein entlarvendes Porträt ihrer eigenen Generation."
Das heißt wohl, dass ich Lässliche Todsünden in seiner Intention nicht verstanden habe. Weder habe ich seine Herangehensweise noch seine Protagonisten verstanden. Wenn ich mich hinsetze und über das Buch nachdenke, dann verstehe ich aber, was Scheck meint – eine gewisse elegante Subtilität baut Eva Menasse hier auf. Todsünden: diesen Begriff setzen wir mit Apokalypse, mit Drama, mit Donnerschlägen gleich, und kaum mit nicht gelebtem Leben bürgerlicher Kulturveteranen. Von Geschichten über Todsünden erwarten wir ordentlich Rumms und atemlose Unterhaltung. Da ist es quasi ein Stilmittel an sich, wenn diese Erwartungshaltung mit einer nüchternen Gesellschaftsanalyse brüskiert wird.
Wahrscheinlich ist dies der Coup der Eva Menasse; ihre Figuren ohne jede Aussicht auf Erlösung strampeln zu lassen, ohne jede Aussicht auf wahre Selbsterkenntnis. Das ist nämlich, vielleicht will uns das die Autorin fühlen lassen, die eine echte Todsünde: das eigene Leben als gigantischer Selbstbetrug. Überflüssig zu erwähnen, dass der Leser mit keiner einzigen Figur zu sympathisieren vermag. Das empfinde ich in meiner grenzenlosen leserischen Naivität normalerweise als verstörend, aber hier muss es sein, das verstehe ich, denn hier findet eine Autopsie statt.
Es bleibt mir am Ende nichts zu sagen als dies: Auf intellektueller Ebene ist Lässliche Todsünden ein großer Wurf, das ist keine Frage. Das Buch beschäftigt nachhaltig, sofern man sich darauf einlassen mag, denn es fordert auch zum in Frage stellen des eigenen Werte- und Beurteilungssystems auf. Das Nachdenken, das nach der letzten Seite eingesetzt hat, ist für mich der eigentliche Wert des Werkes.
Unterhalten hat es mich nicht.

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