Europa isst Somalia das Essen weg

Die französische Königin Marie Antoinette soll angeblich mal gesagt haben: "Wenn das Volk kein Brot mehr hat, soll es doch Kuchen essen." Die Hungersnot in Somalia ist so ein Fall. Das Land mit dem geringsten CO2-Ausstoß in der Welt leidet darunter, dass die von uns Industrieländern verursachte Klimaerwärmung ihnen auch dieses Jahr zuviel Sonne und zuwenig Regen schickt. Aber auch sonst würde auf den dortigen Äckern nichts wachsen. Nach Jahren des Naturraubbaus durch schlechte Landwirtschaft und dem nicht nachhaltigen Export von heimischen Holz in den nahen Osten wächst selbst bei bestem Klima auf den Äckern nichts mehr.

Im Falle von Hunger bleibt dem Somali also eigentlich nur, sich die Boote zu schnappen und vor der Küste fischen zu gehen.

Wenn nicht, wenn nicht...

... illegale europäische und asiatische Fischereiflotten seit Jahrzehnten den Somalis den Fisch vor der Nase wegfischen. In großen, industrialisierten Fangbooten. Oder die Industrieländer dort sogar Giftmüll verklappen, der die Fische und die lokale Bevölkerung tötet. Was bleibt dem Somali mit seinem kleinen, ursprünglich von Fischerei lebenden Familienunternehmen da noch übrig, wenn der große Hunger kommt? Richtig! Mit der Knarre die ausländischen Boote bedrohen und "Lizenzgebühren" für das illegale Fischen und das Passieren ihrer Gewässer zu verlangen.

Europa isst Somalia das Essen wegDeshalb noch einmal: Europäische Fischkonsumenten geben Geld dafür, dass die Menschen in Somalia verhungern oder den Jack Sparrow machen. Und demnächst steigen noch einmal die Ausgaben für Fisch und die deutsche Verwaltung, weil die Bundespolizei private Sicherheitsfirmen zertifizieren wird, die unsere Fischtrawler und andere Handelsfische dort vor den somalischen Piraten schützen werden. Die Wertschöpfungskette wird nun also noch umfangreicher!

Wir bezahlen für den Fisch, den wir den Somalis wegnehmen. Wir spenden für das Brot, das die Somalis von uns jetzt bekommen. Wir bezahlen für die Sicherheitskräfte, damit wir die Somalis nicht für den Fisch bezahlen müssen.

Doch das schafft dann Investitionen und Arbeitsplätze und Wirtschaftswachstum und Steuereinnahmen in unserem, achso friedlichen Land. Und dass wir satt werden. Das ist alles, was zählt.

Noch mehr Aufschluss über den schlechten Zustand in Somalia gibt das tolle ARD-Radio-Feature "Die Macht der Warlords von Mogadischu". (Gibts auch zum Lesen als PDF.)

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