Euro unser, der du bist

Georg Kreisler, der Gottvater des Wiener Schmäh, konnte auch ernst, man glaubt es kaum. Mitten in der gewaltigen Krise, die droht, nicht nur die gemeinsame Währung, sondern gleich den ganzen gemeinsamen Kontinent in einen Abgrund zu reißen, von dem noch niemand sagen kann, wie tief er ist, hat der in der vergangenen Woche verstorbene Amerikaner mit österreichischen Wurzeln die letzten Stunden seines Lebens genutzt, ein vehementes Plädoyer für die vielgeschmähte Währung einzusingen. Vom Stil her ein klassisches Couplet, klingt aus der launigen Weise eine Warnung an alle Europäer, den Euro zu wahren und zu schützen, egal, was es kostet.
Das Jahrhundertalent Kreisler, das schon etliche Währungen hat kommen und gehen sehen, prophezeit, dass alles andere untergehen wird, nicht aber das stolze Zahlmittel, das Griechenland und Italien, Spanien und Portugal deutsche Zinssätze und Deutschland eine Verschuldung von Größe und Wucht einer griechischen Tragödie gebracht hat. "Und er kriecht mit Humor aus der Asche hervor", prophezeit er für die Stunde, in der alles andere fort und vergessen sein wird. Ein flammendes Plädoyer für Eurobonds, ein glühenes Werben für die grenzenlose Übernahme aller Schulden aller durch alle. "Nur der Euro wird leb'n, nur den Euro wird's geb'n, nur der Euro wird zeig'n, was er kann".
Man kann nicht umhin zu sagen, daß Wien
Eine herrliche Stadt voller Charme ist
Auch London ist schön und Paris an der Seine
Sogar Oslo macht Spaß wenn's dort warm ist.
Aber nix bleibt stabil
Weil die Zeit ändert viel
Die Zeit ändert überhaupt alles
Im nächsten Jahrhundert bleibt nix, wie's halt ist
Ich bin kein Prophet, aber eins weiß ich g'wiß
Einmal wird der Eiffelturm nicht mehr sein
Und wo jetzt der Louvre steht, wachst der Wein
Nur der Euro, der bleibt
Weil den nix mehr vertreibt
Der wird all's überleb'n, der allein
Unser Wiener Stephansturm, der fallt um
Und wo jetzt die Oper ist, dort san's stumm
Nur der Euro bleibt stehn
Von Berlin bis Athen
Tanzt der Euro um alle herum
Den Prater werdn's vernichten
Der Rhein wird gestaut, lorenz wird verbaut
Auf'n Petersdom werdn's verzichten
Wenn der Papst protestiert, wird er g'haut
Auf die Champs-Élysées wird kein Wert g'legt
Und das Tivoli wird unter d' Erd g'legt.
Aus Warschau wird Schutt, die Schweiz ist kaputt
Die Grachten erfriern, die Schweden emigriern
Dann werd'n militant alle Häuser verbrannt
Und als Waren- und Bürohäuser neu eingespannt
Nur der Euro wird leb'n
Nur den Euro wird's geb'n
Nur der Euro wird zeig'n, was er kann
Und er kriecht mit Humor
Aus der Asche hervor
Und fangt immer von vorn wieder an
Mozart verraucht, weil man'n net braucht
Gleich hinter Mozart raucht Goethe.
Bach wird verjazzt, Rembrandt zerkratzt
Und Shakespeare hat auch seine Nöte
Goldoni und Moliere krieg'n ein neu'n Regisseur
Nur findet auch der kein Theater
Denn Theater san g'schlossen, die Museen stehen leer
Und Buchläden gibt es schon lang keine mehr
Was braucht ein moderner Mensch Literatur
Auch von Philharmonikern keine Spur
Nur der Euro bleibt stark
Den legt niemand in Sarg
Hast du Euro, dann hast du Kultur
Der kann Kunst imitiern
Der kann die Politiker schmiern
Der baut Banken zu den Sternen
Baut McDonald's, baut Kasernen
Der schmückt's Fernsehn mit ein'm Glorienschein
Man ist stolz, Europäer zu sein
Für den Euro sterb'n die Poeten
Und zum Euro lernt man beten
Euro unser, der du bist
Und dann merkt auch der letzte Tourist
Was Europa ist


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