Essai 99: Über den Umgang mit intoleranten Ignoranten

Gestern habe ich mich über die intoleranten Ignoranten ereifert, die anderen Leuten völlig grundlos verbieten wollen, zu heiraten. Ein Kommentar auf meiner Facebook-Seite hat mich nun in eine Art moralisches Dilemma versetzt: “Ich meine, dass die Kunst in der Demokratie darin besteht, unterschiedliche Meinungen stehen zu lassen und Kontroverses kontrovers diskutieren zu können, ohne sich gegenseitig als Ignorant zu bezeichnen. Sonst ist das intolerant”.

Da dachte ich, verdammt, das stimmt. Indem ich religiöse Fanatiker als intolerante Ignoranten und Vollidioten verurteile, zeige ich mich ihnen gegenüber ebenfalls intolerant. Auf der anderen Seite schaffe ich es beim besten Willen nicht, deren Meinung widerspruchslos zu akzeptieren und zu sagen, kein Problem, dann sehen die das halt anders. Ich kann mir nicht helfen, ich finde das einfach hochgradig borniert und unendlich dämlich, wenn man völlig frei von vernünftigen Argumenten anderen Menschen unnötig das Leben schwer macht. Das kann ich doch nicht einfach so tolerieren oder etwa doch? Und macht mich das dann automatisch zu einer antidemokratischen, scheinheiligen Faschotussi wenn es mir nicht gelingt, religiöse und andere Fanatiker weiter ihre Hasstiraden salontauglich unter die Leute bringen zu lassen, ohne mich darüber aufzuregen?

Wie also geht man mit Intoleranz um? Gewalt erzeugt Gegengewalt, das wissen nicht nur die Die Ärzte mit ihrem Schunder-Song. Da Intoleranz auch eine Form von Gewalt ist, möchte ich mal behaupten, ist es also ganz natürlich, dass ich darauf mit Gegenintoleranz reagiere? Dann wäre ich aber nicht so vernünftig denkend, wie ich es mir einbilde, wenn ich einfach instinktiv reagiere. Das kratzt ganz schön an meinem Selbstverständnis, das muss ich mal ganz ehrlich zugeben.

Muss man sich denn  im Namen der Toleranz jeden Scheiß gefallen lassen? Aber wenn man so anfängt und jeder hält irgendetwas anderes für “Scheiß” dann regiert hier bald die allumfassende Intoleranz und das kann ja nun auch nicht das Ziel sein. Aber alles stillschweigend ertragen und erdulden, alles hinnehmen und nichts sagen, das hat ja nun noch nie irgendwem irgendwas genützt. Im Gegenteil. Solche Mitläufer tragen eine menschenverachtende Dikatur mit und reden sich hinterher damit heraus, dass sie ja von nichts gewusst hätten.

Was soll man dann tun, um bornierte Schwachköpfe zum Nachdenken zu bringen? Wenn vernünftige Argumente, gutes Zureden, friedliches, freundliches Bitten nichts ändern? Allerdings bringt es auch nichts, sich über sie aufzuregen. Was man auch tut, die sind so gefangen in ihrer Gedankenwelt, wo es nur “richtig und falsch”, “Schwarz und Weiß”, “gut und böse” oder eben “Homo und Hetero” gibt und wo diese Dichotomien absolut unvereinbar sind, dass man mit allem was man tut, ob pazifistisch oder nicht, auf Granit beißt. Und, es tut mir leid, aber ich schaffe es einfach nicht, da ruhig zu bleiben und zu denken, sollen sie mal machen und ich kümmer mich derweil um meinen Kram und gut ist. Da sträuben sich mir die Nackenhaare, kräuseln sich die Zehennägel, platzen mir Hutschnur und Kragen. Erst recht, weil ich weiß, dass das überhaupt nichts bringt, sich aufzuregen. Auf solche Pattsituationen, die man weder mit gesundem Menschenverstand noch mit sonstwas auflösen kann, komme ich nicht klar.

Also, halten wir fest: Man kann nichts gegen Idioten, die dumme Parolen durch die Gegend krakeelen, tun. Sie denken so oder so nicht nach, ob man sich nun ereifert, oder sie einfach machen lässt. Vermutlich wäre man also besser dran – vorausgesetzt, man möchte seine Ruhe haben – sie schlichtweg zu ignorieren und sich nicht über sie aufzuregen und sie einfach weiter lauthals Quatsch verzapfen zu lassen. Damit lässt man den Schreihälsen aber viel mehr Raum, als für das friedliche Miteinander gut ist. Das will man ja nun auch nicht. Und das ist die Stelle, wo sich die Katze in den Schwanz beißt und ich nicht weiterkomme. Sobald man die fanatischen Querulanten nämlich in ihre Schranken weist und ihnen nicht den Raum gibt, den sie für sich beanspruchen, verhält man sich nicht mehr hundertprozentig demokratisch und tolerant und das will man sich doch auch nicht zuschulden kommen lassen. Aber wie kann man denn Intoleranz mit Toleranz begegnen und wie kann man antidemokratische Meinungen mit demokratischen Mitteln im Zaum halten? Ich weiß es nicht. Denn wenn man das Gegenteil tut, ist man schwuppdiwupp in einer Gewaltspirale drin, die noch mehr Schaden anrichtet, als die Idioten allein. Keine Ahnung, wie man aus diesem Dilemma wieder herauskommt.


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