Es braucht mehr Engagement und Kreativität für Energieeffizienz

Foto: pixabay.com

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Es gab in den letzten Wochen mehrere Ereignisse, die mich dazu gebracht haben nachzudenken wie Energieeffizienz attraktiver werden kann und was nötig ist, damit Energieeffizienz zu einer tragenden Säule der Energiewende werden kann. Trotz des großen wirtschaftlichen Potentials, vom rein technischen Potential rede ich erst gar nicht, bewegt sich seit vielen Jahren nur wenig im Bereich der Energieeffizienz. Der Effizienz-Markt kommt seit vielen Jahren nur wenig voran und das trotz Energiewende, Klimaschutz und steigenden Energiepreisen.

Wer übernimmt Verantwortung für mehr Energieeffizienz in der Energiewende?

Jeder schiebt die Verantwortung für mehr Energieeffizienz auf andere. Die Effizienz-Branche, die damit verdienen kann, hat jede Menge technische Innovationen, wartet aber für die Durchsetzung auf dem Markt auf politische Entscheidungen (siehe Energieeffizienz-Branchenmonitor der DENEFF). Die Politik wiederum hat scheinbar Angst vor anderen Bereichen der Industrie und einer Kostensteigerung, bewegt sich also lieber gar nicht oder nur sehr zaghaft.

Und für die Verbraucher? Die sind völlig verunsichert, denn sie haben auf der einen Seite Angst vor dem Verlust ihrer geliebten Glühbirnen oder dem lauten Staubsauger, weil ihnen die böse EU alles verbieten möchte. Auf der anderen Seite haben sie mit steigenden Energiekosten zu kämpfen.

Was tun, wie kann man das Potential der Energieeffizienz für den Klimaschutz durchsetzen? Mit Zwangsmaßnahmen vielleicht, wie vor einigen Wochen ein Journalist meinte? Nein, bitte nicht, das verschlechtert das Ansehen von Energieeffizienz noch weiter, das ist ohnehin medial schon sehr schlecht.

Auf die Politik zu warten kann auch keine Lösung sein. Ich habe mir kürzlich im Fernsehen die Debatte im Bundestag zum Antrag von Bündnis90/ Die Grünen angesehen. Vor fast leerem Plenum wimmelte es nur so von Worthülsen und inhaltsleeren Phrasen. Engagement und Leidenschaft für das Thema war nur bei wenigen Rednern zu spüren

Energieeffizienz muss über Gesetze und Verordnungen hinaus

Ist Energieeffizienz nur ein Thema für Gesetze, Verordnungen usw.? Ein Thema, das nur in Sonntagsreden angesprochen wird? Kein Thema für das man sich leidenschaftlich engagiert wie für die Förderung der Photovoltaik?

Energieeffizienz ist doch auch Bürgerenergie, die jeden Bürger betrifft und für die jeder Bürger etwas tun kann.

Energieeffizienz fängt doch bei jedem selbst an. Jeder, auch die Industrie ist hier gefragt. Technische Innovationen alleine reichen nicht aus. Es braucht auch mehr Kreativität um energieeffiziente Produkte am Markt attraktiv zu platzieren.

Die Nutzer der Technologien, also die Menschen im Privathaushalt und in Unternehmen, müssen mehr einbezogen werden. In einem Artikel des US Magazins Wired heißt es schön, dass es nicht die Technologie alleine ist, die wir brauchen um die Ziele beim Energiesparen zu erreichen.

Man muss mehr offen zeigen wie attraktiv Energieeinsparung und Energieeffizienz sind. Erst wenn es gelingt die Potentiale mit viel Freude und Leidenschaft zu erschließen, dann wird Energieeffizienz seinen Beitrag zur Energiewende und zum Klimaschutz leisten können. Es werden neue Wege im Marketing und Vertrieb mit innovativen Geschäftsmodellen nötig sein, um zeigen zu können wie attraktiv Energieeffizienz ist.

Da ist es schade, wenn eigentlich so schöne Kampagnen, wie “Energieeffizienz gefällt mir”, so restriktive Nutzungsbedingungen haben und damit verpuffen. Würden die Materialien für alle freigegeben zur Nutzung, wäre sie mit Sicherheit viel bekannter und könnte mehr Menschen erreichen. Doch HEA und BdEW wollen die Informationen lieber für sich behalten.

Positive Beispiele von attraktiven Geschäftsmodellen für Energieeffizienz

Auch in Deutschland gibt es gute Beispiele von Unternehmen, die Energieeffizienz attraktiver machen. Mir fallen eine ganze Reihe von Startups ein, die kreativ ans Werk gehen und Energieeinsparung attraktiv verkaufen, einige davon sogar mit großem Erfolg.

Als erstes muss ich bettervest nennen, das Crowdfunding-Portal für Energieeffizienz-Projekte im Mittelstand. Einfacher kann man es nicht zeigen wie attraktiv ist. Für Investitionen wird die Crowd bislang mit Renditen zwischen 5 und 10% belohnt und trägt noch zur Reduzierung von CO2-Emissionen bei. Den mittelständischen Unternehmen wird gleichzeitig die Umrüstung auf energiesparende Beleuchtung oder andere Verbraucher leicht gemacht. (zur Info: Ich bin im fachlichen Beirat von bettervest)

Das Musterbeispiel für Smarthome und Energiesparen ist tado°. Vor nicht mal zwei Jahren sind sie an den Markt gegangen mit der ortsabhängigen Steuerung der Heizung über eine Smartphone-App und schon weltweit bekannt. Inzwischen steht das nächste Produkt mit der Steuerung von Klimaanlagen in den Startlöchern. Wahrhaft attraktive Produkte zum Energiesparen.

Ein weiteres Beispiel ist der Online-Shop für energiesparende Produkte von Grünspar, der aufzeigt was alles an Möglichkeiten gibt zum Energiesparen. Ich teste jetzt einmal im Monat für den Grünspar-Blog Produkte aus dem Shop – vielleicht spricht man so mehr über diese Produkte.

Auch für das Sanierungs-Portal energieheld.de, die Angebote von Handwerkern vermitteln, schreibe ich jetzt im Blog. So kann die Sanierung einfach in Angriff genommen werden.

Einfach zur neuen Heizung geht es mit thermondo, dem Handwerksbetrieb aus dem Netz, die einen Online-Konfigurator zur Angebots-Erstellung inklusive der Montage anbieten. Die Finanzierung der neuen Heizung gehört auch gleich dazu.

Was fehlt in der Auflistung sind Konzepte zur Finanzierung neuer hocheffizienter Haushaltsgeräte. Doch da gibt es ein ganz junges Startup aus den Niederlanden. Bei wasbundles wird statt der teuren, aber hocheffizienten Waschmaschine die Nutzung der Maschine verkauft. Nach dem Prinzip pay-per-use bezahlt nur noch in Abhängigkeit von der Nutzung der Maschine – fehlt nur noch die Stromkosten gleich einzupreisen.

Was braucht es noch, um die Attraktivität von Energieeffizienz zu steigern?

Gestern habe ich bei Twitter gefragt, was andere meinen, was Energieeffizienz braucht, um attraktiver zu werden.

Für Energieblogger Kilian Rüfer ist es “die Entwicklung eines ökonomischen Bewusstseins/Unternehmerkultur”, aber auch die Selbstorganisationdurch Anreize, Druck und Kommunikation. So hatte er gleich ein paar gute Beispiele parat:

@LEENnetzwerke @energynet Selbstorganisation durch Anreize, Druck oder Kommunikation. RKW Impulsgespräche, Ökoprofit,..das sind gute Anfänge

— Kilian Rüfer (@KilianRuefer) June 30, 2014

Aus der Sicht des Erfolgsmodells der LEEN Netzwerke gehört das Theme Effizienz ebenso in den Fokus wie die Art der Energie:

@KilianRuefer @energynet Volle Zustimmung. Das Theme Effizienz muss ebenso in den Fokus rücken wie die Art der Energie. — LEEN (@LEENnetzwerke) June 30, 2014

Was braucht es noch, damit Energieeffizienz zu einer tragenden Säule der Energiewende werden kann? Wie ist Eure Meinung?

Es braucht mehr Engagement und Kreativität für Energieeffizienz

Über Andreas Kühl

Energieblogger aus Leidenschaft mit großem Faible vor allem für effiziente Energienutzung im Strom- und Wärmebereich. Aber auch die kostenlose Energie, die uns die Natur zur Verfügung stellt ist faszinierend und Herausforderung zugleich.

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