Erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt

Von Lesterschweine

Liebe Hanna,

Wie versprochen gibt es jetzt noch die volle Überraschung die Kati schon vor hüstl… einem Monat angekündigt hat. Dieser Beitrag über eine unvergessliche Radtour wird nämlich vom Jungkind höchst persönlich geschrieben. Das gab’s noch nie!

Jeder der das Lesterschwein und mich kennt weiß, dass egal wie sehr wir einen Urlaub durch planen es im Endeffekt dann eh immer ganz anders kommt. Aber das ist doch eigentlich auch das Schöne am Leben. Und es gibt mir die Möglichkeit diesen Blogbeitrag zu schreiben;).

Lange Rede kurzer Sinn, ich komme jetzt mal zum wesentlichen Teil:

So wie jedes Jahr packen wir Spegelweiber also unsere Radtaschen , schwingen uns auf die Räder und radeln zum Bahnhof. Bahnhof bei einer Radtour? Ich weiß das klingt erstmals ein bisschen seltsam aber es gibt kein schöneres Land für Radtouren als … Tschechien! Das einzige „Problem“, bis man in Tschechien ist muss man 2 1/2 Stunden mit dem Zug durch Niederösterreich fahren und wofür ist Niederösterreich bekannt? Genau! Schienenersatzverkehr!. Aber…haha dieses Mal wissen wir davon und haben voll geplant, dass wir die Strecke zwischen „Ziersdorf“ und „Sigmundsherberg“ einfach radeln, weil Doppeldeckerbusse und Räder vertragen sich bekanntlich nicht so gut.

Ist soweit alles noch nach Plan gelaufen nur haben wir den Anschlusszug, der gleichzeitig auch der letzte Zug des Tages nach „Ceske Velenice“ ist, um 1 Minute verpasst. Ich sage nur der Wind der Wind das himmlische Kind! Aber nur nicht ärgern! Wer Spegel heißt ist auch spontan, also ändern wir einfach unser Reiseziel und fahren  mit dem nächsten Zug nach „Gmünd“. Dort schlagen wir uns erstmal die Bäuche voll und um ca. 21 Uhr beschließen wir uns doch noch auf den Weg nach „Suchdol nad Lužnicí“, 30 km weiter, zu machen da wir wissen, dass es dort einen super Campingplatz in der vollen Idylle gibt. Musst du unbedingt auch mal hin! Also radeln wir mit Stirnlampen und Radlichtern gewappnet los, als ein paar Kilometer  vorm Ziel ein Schild für Umleitung steht. Uns natürlich egal. Und dann, ein paar Kilometer weiter, stehen wir tatsächlich, in Tschechien kann man ja nie wissen, vor einer Baustelle wo ein 5 Meter breiter und 4 Meter tiefer Graben vor uns ist.

Eigentlich kein Vorbeikommen, aber wir wären nicht wir wenn wir es nicht trotzdem probierten. Und wie von Gott herbestellt kommt uns ein Radfahrer entgegen. Mitten in der Nacht, auf einer Baustelle. Der hatte wohl auch keine Lust hatte die Umleitung zu nehmen. Und wir sehen wie dieser dem Graben ganz elegant über einen Treppelweg im Wald ausweicht. Also ist dieses Problem auch aus der Welt geschafft und um 23 Uhr sind wir dann nach insgesamt 9 Stunden, die wir zum Glück nicht alle mit Radfahren verbracht haben, an unserem Ziel angekommen. Zumindest für heute.

Am nächsten Tag frühstücken wir noch ganz gemütlich bis wir dann unser Zelt wieder einpacken und uns auf den Weg nach „Hamr“ machen, wo es einen wundervollen Campingplatz geben soll. Geben soll sage ich ganz bewusst, denn als wir dort ankommen finden wir heraus, dass es dort zwar keinen Campingplatz gibt, aber dafür ein Gasthaus.

Also entschließen wir uns dort einzukehren und uns dann zu überlegen wo wir stattdessen hinwollen;). Ich sag’s immer wieder gern, egal wie viel wir planen, es ist eh nie so wie geplant, haha. Nach der Stärkung haben wir uns entschieden einen Campingplatz 10 km weiter anzusteuern. Der Weg führt zwar über einen Wanderweg aber wenn’s sonst nichts ist, kein Problem. Im Endeffekt war es ein 30 cm schmaler Weg, der durch einen Brennesselwald mit 100.000 Gelsen als Bewohner und weiter an einigen Getreidefeldern vorbei mit…einem wunderschönen Sonnenuntergang… führt.

Nach diesen abenteuerlichen 10 km sind wir aber am schönsten Campingplatz den ich je gesehen hab angekommen. Am schönsten auch deshalb, weil wir das einzige (!) Zelt waren. Fast wie wildcampen…

Den dritten Tag halte ich kurz. Zusammenfassend kann man sagen das wir in der ärgsten Mittagshitze 30 km zu einem Ort geradelt sind, wo dann alles außer einem Kaffeehaus geschlossen hatte und wir am Ende des Tages dann am selben Campingplatz gelandet sind, wo wir an dem Tag losgefahren waren. War aber nicht schlimm, weil ich da eigentlich eh nicht mehr weg wollte.

Der 4. Tag hatte dann wieder einiges zu bieten ;).

Ich als Frankreichfan musste natürlich das WM- Finale der Fußballweltmeisterschaft 2018 sehen und wo hat man da im südlichen Tschechien die beste Chance? Im wunderschönen Trebon natürlich! also machen wir uns auf den Weg dorthin und direkt als wir ankommen müssen wir uns natürlich einen legendären Baumkuchen kaufen.

Soooo guuuut! Nacher fragen wir in der Touristeninformation nach, ob irgendein Lokal das Finale zeigt und tatsächlich, ein Sportclub zeigt die Übertragung. Gott sei Dank! Als wir dort ankommen, wollen wir natürlich auch was zu essen bestellen, nur das bringt wie immer ein bisschen Rätselraten mit sich. Wir sind zwar zum 10. mal in Tschechien auf Urlaub, sprechen aber noch immer keine 10 Worte tschechisch, also ist das Kartenlesen mal wieder eine Kunst für sich. Und wenn man dann Schwein statt Huhn bekommt ist man selbst schuld. Ich könnte die Basics der Sprache ja auch mal lernen…ist aber alles gut gegangen, das Finale und das Essen waren super!

Das war auch schon der letzte Tag bevor wir wieder zurück nach Wien sind. Der Weg hat sich zeitweise im ärgsten Regen abgespielt, was dazu geführt hat das wir auch bei der Rückfahrt unseren Zug verpasst haben, aber erst mit Unerwartetem wird ein Urlaub richtig lustig.

Wer den Blog verfolgt weiß, dass einem eher davon abgeraten wird ironisch und ohne bestimmtem Ziel zu kochen. Ironisch zu reisen ist vielleicht auch nicht jedermanns Sache, aber mit Sicherheit mit Abenteuer und Spaß verbunden!

Also hier ein kurzes Rezept für einen unvergesslichen Mutter-Tochter-Urlaub:

Man nehme:

2x Räder

4x Radtaschen mit beliebigem Inhalt

2x Schienenersatzverkehr

2x verpasster Zug

1x Zelt

2 EL Spontanität

1 TL Gewitter

2x Spielkarten

2x Buch

1x Geld

Und…

VIEL ESSEN ;)

Wer will kann das Ganze noch mit ein paar nicht vorhandenen Zeltplätzen verfeinern und e voila die Reise kann beginnen!

Ich hoffe ich kann mal eine genauso coole Radtour mit meiner Tante erleben!

Bussi & bis bald,

dein Jungkind