Erlebnisbericht

Von Wunderblume
Laaange habt ihr nun nichts mehr von mir gelesen, entschuldigt dies bitte, aber unser kleiner Mann hat mich so in seinen Bann gezogen,das ich zu nichts Anderes so richtig Lust hatte.
Heute möchte ich euch dafür, mir einem Geburts-...nein ! nennen wir es Erlebnisbericht entschädigen.
Angefangen hat das ganze ja schon am Dienstag, den 21.01., da bekam ich Nachts die ersten Wehen ohne zu wissen, das es welche sind. Sie waren sehr unregelmäßig und nur vereinzelt, aber dennoch unangenehm.
Am Mittwoch stand dann ja die Krankenhausbesichtigung an ( das könnt ihr hier nochmal nachlesen), auch an diesem Tag hatte ich hin und wieder Wehen, immer noch unregelmäßig und nur vereinzelt.
Am Donnerstag den 23.01. hat sich mein Freund frei genommen um alles für die bevorstehende Geburt vorzubereiten, denn am Freitag sollte die Geburt eingeleitet werden.
Wir putzten also nochmal das komplette Heim und gingen danach nochmal in die Stadt.
An diesem Tag hatte ich schon viel mehr Wehen, welche auch ganz schön zwiebelten. Das hielt mich aber nicht davon ab, nochmal eine Runde durch Rossmann, Jeans Fritz & Co. zu drehen. Im Rossmann ging es Wehen-mäßig ganz schön rund, aber irgendwie hatte ich diese immer noch nicht für voll genommen.
Als wir wieder zu Hause waren, hat mein Freund dann alles so vorbereitet, das wir am nächsten morgen einfach nur die Taschen schnappen müssen und ins Krankenhaus fahren können. Wir sollten ja gleich morgens da sein.
Am Abend nahm ich nochmal ein ausgiebiges, heißes Entspannungsbad und trank eine groooooße Tasse Himbeerblättertee (beides Wehen anregend).
Man sagt ja, wenn die Wehen in warmen Wasser stärker werden bzw. nicht aufhören, sind es 'echte' Wehen. Nun was soll ich sagen, sie verschwanden nicht.
Das war aber immer noch kein Grund für mich, zu glauben, das es  losgehen könnte. Ich war einfach der Meinung
"Morgen früh gehts ins Krankenhaus, dann bekomme ich die Einleitung und in den nächsten Tagen geht dann wohl irgendwann die Geburt los..."
Nun, der Abend verlief wie folgt:
Nach dem heißen Bad, gingen wir ins Bett und schauten noch fern. Ich hatte dann aller 30Minuten Wehen, gegen 23Uhr sagte ich dies auch meinem Freund.
Prompt als ich sagte "huch, ich habe punktgenau aller 30Minuten Wehen" bekam ich sie aller 10Minuten!
Mein Freund war sofort in Alarmbereitschaft und drängte mich dazu, im Krankenhaus anzurufen. Ich weigerte mich, denn "morgen gehts ja eh ins Krankenhaus, bis dahin wirds schon nicht losgehen..."
Wir einigten uns dann darauf, das ich gegen 0Uhr anrufen werde, wenn bis dahin die Wehen immer noch aller 10Minuten sind.
Tja, und das waren sie!
Ich rief also im Krankenhaus an und die Hebamme meinte ich solle doch mal vorbei kommen.
Ich sags euch! ich war Hundemüde und wollte eigentlich nur noch schlafen.
Wie gut, das Schatz alles soweit vorbereitet hatte und alles nur noch ins Auto schmeißen musste.
Gegen 0:30 fuhren wir dann los.
Natürlich fing es genau an diesem Tag fürchterlich an zu schneien und so tuckelten wir mit 60km/h ins Krankenhaus...für den Weg brauchten wir eine knappe Stunde.
Die Wehen verkürzten sich dann auf punktgenaue 9 Minuten und waren schon sehr schmerzhaft, sodass ich nicht mehr antworten konnte während der Wehen.
Im Krankenhaus angekommen, wurde ich an das CTG angestöpselt und siehe da : Schööööne Wehen. Nur leider noch nicht ausreichend. Wir wurden dann gegen halb drei Nachts, noch ein bisschen spazieren geschickt (ganz prima!) wir holten uns im Foyer einen Kaffee bzw. Kakao und dazu gab's eine Bifi.
Im Schneckentempo watschelten wir dann durch die Nacht. Nach unzähligen Stufen ,die Schatz mich hochjagte, und knapp eineinhalb Stunde später, ging es wieder in den Kreißsaal.
Wieder CTG. Immer noch Wehen, aber leider immer noch nicht ausreichend für eine Geburt.
Wir durften dann im Kreißsaal auf einem Entbindungsbett platz nehmen und für 2 Stunden schlafen (da war es fast 5 Uhr).
Nun, schlafen war für mich absolut nicht drin, die Wehen waren einfach zu schmerzhaft und mussten teilweise ordentlich veratmet werden. Auch Schatz konnte nicht wirklich schlafen und döste somit nur vor sich hin.
Gegen 7 kam dann eine Ärztin,welche mir einen Zugang legte und mich über die Einleitung (welche ich trotz der vorhandenen, eigenen Wehen bekam) aufklärte.
Ich bekam die geringste Dosis als Kapsel verabreicht.
Dann ging es wieder ans CTG (wo man mich für knapp 2 Stunden vergaß). Als man mich dann endlich wieder vom CTG abstöpselte, kam die Diensthabende Hebamme zu uns, stellte sich vor und brachte mich auf mein Zimmer (eigentlich wollten wir ein Familienzimmer, aber leider waren alle belegt und so ging es auf ein 2 Bettzimmer). Zudem Zeitpunkt bekam ich nochmal ein ordentliches Tief, was dran lag das wir die komplette Nacht durchgemacht hatten (wir somit mehr als 24h wach waren), die Wehen mich schon weich kochten und ich einfach nicht allein sein wollte.
Wir freuten uns so sehr auf ein Familienzimmer und dann sah es so aus, als müsste mein Freund wieder nach Hause fahren (eine Fahrt dauert 1h), da er im Krankenhaus ja nirgendwo schlafen konnte, sich aber auch mal hinlegen musste, genauso wie ich.
Hebamme und Schatzi sprachen mir gut zu und bauten mich wieder auf.
Wir entschlossen uns dann noch ein wenig spazieren zu gehen (um die Wehen weiter anzuregen) und mir dann gegen 12Uhr die nächste Einleitungskapsel abzuholen.
Wir mummelten uns ein und wollten gerade losgehen, nur leider schaffte ich gerade mal ein paar Meter auf dem Flur bis eine richtig gemeine Wehe mich überrollte.
Nein! so wollte ich das Krankenhaus definitiv nicht verlassen!
Also wieder ab aufs Zimmer. Gegen 11:30 waren die Wehen dann mittlerweile bei 4 Minuten und die Schmerzintensität nahm stetig zu.
Wie mit der Hebamme abgesprochen, ging es dann um 12Uhr wieder in den Kreißsaal um wieder Mal ein CTG zu schreiben und die nächste Kapsel einzunehmen.
Das CTG zeigte regelmäßige, stärkere Wehen und so musste ich keine weitere Kapsel einnehmen und durfte gleich im Kreißsaal bleiben.
Im Kreißsaal wechselte ich zwischen Liegen auf dem Entbindungsbett, sitzen auf einem Gymnastikball (der aussah wie ein Minion oO) und umherlaufen.
Leider lag ich aber vielmehr auf dem Entbindungbett, denn ich musste regelmäßig ans CTG.
Grund dafür war, das bei jeder Wehe die Herztöne unseres Schatzes in den Keller gingen und das musste überwacht werden. Ganz kurz stand ein Kaiserschnitt im Raum,aber nachdem sich 2 Oberärzte die  Situation angeschaut hatten und feststellten, das der kleine Mann sich immer wieder sehr schnell erholte, entschieden sie sich dagegen und gaben mir weiterhin die Möglichkeit auf eine natürliche Geburt.
Ich muss ja ehrlich sein, das zu diesem Zeitpunkt (13:30Uhr) die Wehen schon so fies waren (da wusste ich noch nicht, wie sehr sich die Intensität noch steigern würde :D ), das ich einen Kaiserschnitt wohl dankend angenommen hätte.
Nun, also ging es weiter wie gehabt. Ich war also die meiste Zeit am CTG, durfte aber auch zwischen durch mal ohne CTG die Wehen verarbeiten, denn im liegen sind Wehen m.E. einfach viel schlechter zu ertragen.
Ich empfand umherlaufen als sehr angenehm.
Als Unterstützung war ja mein Freund bei mir. Mit zunehmen der Wehen, neigte ich dazu die Wehen nicht mehr richtig zu veratmen, da war er mir eine prima Hilfe und wies mich super an, wenn die Hebamme gerade für ein paar Minuten nicht bei uns war.
Hin und wieder schickte sie ihn dann auch  mal aus dem Kreißsaal. Mal sollte er einen Labello für mich holen, mal etwas zu Essen, mal meinen MP3 Player.
Sinn der Sache war einfach, das er sich nicht ganz so unnütz fühlte (denn er konnte nicht viel machen, als mir zuzusehen wie ich Schmerzen hatte), beschäftigt war und mich nicht mehr während der Wehen unwichtige Dinge fragte ...das tat er einige Male, worauf hin ich ganz schön schroff wurde :D
Gegen 14/14:30Uhr fragte mein Freund dann die Hebamme, ob er nochmal nach Hause fahren solle/kann. Die Antwort von ihr verblüffte uns beide:
"Du bleibst jetzt schön hier, die Geburt hat angefangen"
Bitte was!? ich war erstaunt. Irgendwie hatte ich trotz der fiesen, regelmäßigen Wehen immer noch nicht das Gefühl, das es nun wirklich losgeht. In welcher Traumwelt ich da schwebte - keine Ahnung!
Weitere Stunden vergingen. Die Wehen wurden immer schmerzhafter. Ich fing nun auch an zu tönen und lauter zu werden (was ich ja nie wollte, da ich dachte es ginge auch so...). Meine Hebamme und mein Freund unterstützten mich wunderbar und leiteten mich super an, sonst hätte ich wohl einfach die Luft angehalten und mich verkrampft.
Stunde um Stunde verging und die Schmerzintensität steigerte sich auf ein Ausmaß, was ich mir nie erträumt hätte.
Irgendwann gegen 17Uhr begann dann die ganz heiße Phase.
Die Wehen kamen nun wirklich in super kurzen Abständen und ließen mich kaum verschnaufen. Die Schmerzen steigerten sich immer weiter und ich flehte mittlerweile um Schmerzmittel bzw. um Hilfe bei der Geburt. Ich war sowas von dankbar, das mein Freund bei mir war. Ich krallte mich an ihm fest.
Er hielt mich die ganze Zeit im Arm und redete mir gut zu.
Aber da ich einfach nicht mehr konnte, brachte man mir etwas sehr in Vergessenheit geratenes.
Lachgas.
Ja toll, was soll ich denn damit?
Erst wollte ich es nicht, dann versuchte ich 2 Atemzüge und fand das es nix brachte.
Viele Wehen später, drückte die Hebamme mir die Atemmaske wieder in die Hand.
Nun war ich so verzweifelt, das ich es nochmal ausprobierte....ich nahm gleich so viel, das meine Augen ein Eigenleben entwickelten und lustig umherkreisten.
Wahnsinn dieses Zeug! Ich war plötzlich super entspannt und gut drauf. Ich riss Witze, lachte, sah bunte Farben und konnte mich zwischen den Wehen gut entspannen.
Das Gefühl "auf Lachgas zu sein" ist exakt das gleiche, wie ordentlich betrunken zu sein...genial! denn das war ich ja schon eeeeeewig nicht mehr :D
Ich wollte gar nicht mehr aufhören, dieses Zeug einzuatmen, obwohl es die Schmerzen absolut NICHT linderte (dafür war es ja auch nicht gedacht), aber es entspannte mich so toll.
Das Gefühl, während der letzten Phase einer Geburt ist nämlich (m.E.) furchtbar. Ich war einfach nicht mehr anwesend vor betäubenden, kaum auszuhaltenden Schmerzen.
Immer wieder sagte mir die Hebamme, das es nun nicht mehr lange dauert, sie die Kleinen schon sehen könnte...bla bla blaaaa...heute weiß ich, das sie das nur zur Motivation gesagt hatte, sie ihn definitiv noch nicht sehen konnte und sich der Kleine irgendwo im Becken verkeilt hatte und somit diese Pressphase ewig lang dauerte.
Sie wollte den Kleinen aber noch vor Schichtwechsel (19Uhr) in Empfang nehmen und ich sollte mich nun nochmal richtig anstrengen.
Ähm? was glaubten die denn, was ich da die ganze Zeit getan habe?
Mittlerweile, war ich weder Herr meiner Sinne noch meiner Kräfte und fing an die Wehen unterdrücken zu wollen (was natürlich nicht möglich war), da die Angst vor den Schmerzen mittlerweile so furchtbar groß war.
Hebamme und nun auch anwesende Ärztin, falteten mich dann nochmal ordentlich zusammen, das ich nun an mein Kind denken und mich auf die Geburt konzentrieren soll.
Ich hatte das Gefühl, das diese ganze Geburt einfach keine Ende nehmen würde und teilweise beschimpfte ich Hebamme und Ärztin ganz gemein (sie hatten es in dem Augenblick einfach verdient :D :D ), denn sie verlangten teilweise für mich unmachbare Dinge.
Nun, etliche furchtbare Wehen später war es soweit...
18:46Uhr erblickte unser Sohn das Licht der Welt.
Leider kann ich mich nicht an seinen ersten Schrei erinnern, noch immer war ich einfach komplett abwesend vor Schmerzen.
Die Hebamme legte mir unseren Schatz auf meinen Bauch...mein Freund hielt mich im Arm und wir konnten unser Glück kaum fassen...
Wie er da lag und uns ansah...unfassbar! Ich zitterte am ganzen Körper.
Wir durften knapp eine dreiviertel Stunde kuscheln und uns kennenlernen, bis man uns kurz trennte um in zu untersuchen und zu vermessen.
Da ich recht schnell wieder fit war, verließen wir nach knapp 24h wieder das Krankenhaus. Zu Hause ist es eben einfach am schönsten.
Dort wartete dann auch schon ein groooßer Strauß Rosen und Mettbrötchen - yammie! :)
Ich muss ehrlich sagen das diese Geburt das Schlimmste war, was ich je erlebt habe, ABER
dieses Gefühl, dieses unendliche Glück, diese bedingungslose Liebe das Schönste überhaupt!
Er ist einfach die Liebe meines Leben's.
Den größten Dank richte ich an meinen Schatz - ohne dich hätte ich das nie im Leben durch gestanden !und natürlich an die super kompetente und einfühlsame Hebamme sowie die Ärztin!