Erfahrungsbericht: DER Wendepunkt in meinem Leben

Zugspitze

Lange dachte ich, dass es nur zwei Möglichkeiten im Leben gibt: entweder so hart zu arbeiten, wie man kann, um die Spitze zu erreichen und erfolgreich zu sein, oder sich damit abzufinden, zu den ewigen Versagern zu gehören. Doch es gibt noch mindestens eine weitere Möglichkeit: Du kannst aus diesem Hamsterrad von Siegen oder Verlieren aussteigen, Dir eine Auszeit gönnen und anfangen, der Mensch zu sein, der Du sein möchtest. Auf den Tag genau vor 15 Jahren traf ich die letzten Vorbereitungen für eine Reise, die mein Leben vollkommen verändern sollte. Gehen wir heute also einmal ein wenig zurück in der Zeit.

Irgendwann im Laufe des Jahres 1996 fing es an: das Leben verpasste mir einen “Dämpfer” nach dem anderen. Meine fordernde und energieraubende Tätigkeit als Disponent in einem mittelständischen Transportunternehmen entwickelte sich mehr und mehr zum 24-Stunden-Job, die Beziehung zu meiner damaligen langjährigen Lebensgefährtin zerbrach, weil ich “mehr mit dem Geschäft verheiratet” war als mit ihr, meine körperliche und seelische Verfassung war besorgniserregend und ich hatte trotz meines guten Einkommens einen Berg von Schulden aufgehäuft. Ich war vollkommen am Ende.

Ich stand an einem Kreuzweg in meinem Leben, und ich wusste nicht, in welche Richtung es weitergehen sollte und womit ich weitermachen wollte. Es gab sogar vereinzelte Momente, da wusste ich nicht einmal, ob ich überhaupt weitermachen wollte. Doch die waren zum Glück selten. Da fragte ich mich dann schon lieber, ob all das, was ich in mein “Leben” hineingepackt hatte, mir noch genügend Raum für das wirkliche Leben ließ. Ich wusste ganz tief in mir, dass ich eine Entscheidung treffen musste, um noch frühzeitig die Kurve zu kriegen und mich wieder lebendig zu fühlen.

Am Anfang war es nur ein Gedankenspiel gewesen. Ich hatte mir vorgestellt, wie es wohl wäre, wirklich frei zu sein. Dann wurde immer mehr ein Wunsch daraus. Immer öfter fragte ich mich, was ich mitnehmen wollte und was ich leichten Herzens zurücklassen und weggeben konnte. Aus dem Wunsch wurde ein greifbares Ziel und aus dem Ziel entwickelte sich ein Plan. Mit Rucksack und Zelt ausgestattet sollte es zu Fuß nach Italien gehen, genauer gesagt auf die Insel Ischia, von der in meinem Freundeskreis in den höchsten Tönen gesprochen wurde.

Meine Stelle kündigte ich. Doch über die genauen Gründe schwieg ich mich aus, denn ich ahnte, dass ich auf Unverständnis stoßen würde, wenn ich versuchte, mich den anderen mitzuteilen und ihnen das Freiheitsgefühl nahe zu bringen, das ich beim Gedanken an mein Vorhaben empfand. So beschloss ich, niemandem zu erzählen, was ich vorhatte und wohin ich aufbrach. Ich würde Ballingshausen still und heimlich verlassen. Und das tat ich dann auch Mitte März 1997. Nun war ich auf mich allein gestellt.

Ich hatte alles gut vorbereitet, und ein Traum schien in Erfüllung zu gehen. Ich war zufrieden mit mir, denn was auch immer geschehen sollte, ich nahm wenigstens mein Schicksal selbst in die Hand. So dachte ich damals. Und wer wusste, ob ich je wieder Gelegenheit dazu haben würde, einen neuen Anfang zu wagen und selbst zu entscheiden, was ich tun wollte und wo ich es tun wollte. Mein Ziel war es, herauszufinden, wer ich war, welche Fähigkeiten in mir schlummerten und wie ich mir mein künftiges Leben vorstellte. Und ich war sicher, dass ich den richtigen Weg eingeschlagen hatte.

“Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne”, schrieb Hermann Hesse in seinem bekannten Gedicht Stufen. So war es auch hier. Die Situation hatte etwas Magisches. Ich war voller Zuversicht. Es würde die beste Zeit meines bisherigen Lebens werden. In Wirklichkeit war ich natürlich kein bisschen auf das vorbereitet, was auf mich zukam. Doch es gab kein Zurück. Jetzt begann der harte Teil und alle meine nur schwach vorhandenen Kräfte waren gefordert: körperlich, geistig und vor allem seelisch. Ich kannte nur noch eine Richtung: vorwärts, Schritt für Schritt hinein ins Ungewisse. Der Weg war das Ziel. Und nach und nach gewann ich wieder an Stärke und Stabilität.

Ich lernte nette Menschen kennen. Ich lernte, den Tag zu genießen und verlor manchmal jedes Zeitgefühl. Ich entdeckte völlig neue Seiten an mir, sodass diese Reise immer mehr eine Reise zu mir selbst wurde. Das alles habe ich in einem kleinen Ringbuch festgehalten, in das ich eines Tages schrieb: “Ich lerne jeden Tag etwas Neues über das Leben und über mich selbst, indem ich die mich umgebende Natur als Spiegel betrachte und immer mehr Zusammenhänge begreife.”

Etwa eine Woche ging vorüber, und als ich eines Morgens zum Horizont sah, erblickte ich majestätische Berggipfel, die hoch in den Himmel aufragten und einen scharfen Kontrast zu den noch kahlen Wiesen und Wäldern bildeten, durch die ich gerade wanderte. Ich steuerte auf dieses Naturwunder zu, ohne zu ahnen, dass ich dort, am Fuße der Zugspitze, etwas erleben würde, das mein Leben verändern und mich ein für alle Mal aufrütteln sollte.

Erfahrungsbericht: DER Wendepunkt in meinem Leben

Dieses Schlüsselerlebnis fand seinen Höhepunkt am 21. April 1997. Ich kann deshalb sagen, dass ich seitdem an jedem 21. April meinen zweiten Geburtstag feiere. In der Erzählung “Zum Leben erwacht” habe ich die dramatischen Ereignisse rund um dieses für mich so wichtige Datum ausführlich beschrieben. Du kannst sie Dir gerne hier als PDF-Datei herunterladen.

 

Bildquelle: Reinhard Käfferlein


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