Enthüllung der Geschichte: Mousavis Rücktritt 1988

Von Nima Chehreh @IranBlogger
1988: Mousavi war Ministerpräsident, Chamenei Präsident. Es heißt, dass es bereits damals große Auseinandersetzungen zwischen den beiden gab. 
In der vergangenen Woche beschäftigten sich zahlreiche persischsprachige Webseiten und Medien intensivst mit der Geschichte Irans:
Zum dreißigsten Jahrestag des Schah hat unter anderem BBC-Persia viele interessante Berichte und Interviews über ihn veröffentlicht. Das Massaker von 1988 wurde von verschiedenen Webseiten, unter anderem von Boroumand Foundation, unter die Lupe genommen. Und Mousavis Rücktritt 1988, mit dem ich mich heute befassen werde:
Mousavi droht, Bani-Sadr veröffentlicht
Bani-Sadr war der erste Präsident Irans. Seine Amtszeit dauerte aber nicht lange an. Ihm wurde unter anderem die Zusammenarbeit mit der MKO vorgeworfen. Daraufhin floh er ins Ausland und lebt seitdem in Paris im Exil. Er veröffentlicht seither die Zeitung Islamische Revolution im Exil.
Neulich drohte Mousavi an, die Gründe für seinen Rücktritt als Premierminister 1988 zu veröffentlichen. Bani-Sadrs Zeitung veröffentlichte eigentlich bereits damals den Brief Mousavis an Chamenei, veröffentlichte ihn nach 22 Jahren aber nochmal um "die heutige Generation zu informieren." Die Zeitung erinnert den Leser daran, dass damals Rafsanjani Parlamentschef war.
Mousavis Brief zu seinem Rücktritt als Ministerpräsident
(übernommen aus Julias Blog)
Im Namen Gottes,
sehr geehrter Herr Präsident [Ali Khamenei],
ich bin in meinem öffentlichen Rücktrittsgesuch nicht auf die Gründe eingegangen, die mich zu diesem Schritt bewogen haben, weil die Feinde des Landes diese Gründe missbrauchen könnten. Deshalb möchte ich meine Beweggründe hier darlegen für den Fall, dass dies in Zukunft von Nutzen sein kann.
1) Die Regierung hat keinen Einfluss auf die Außenpolitik. Heute liegen Afghanistan, Libanon und Irak in Ihren Händen. Briefe werden an verschiedene Länder geschrieben, ohne dass die Regierung davon weiß. Ich als Premierminister habe nur zufällig von diesen Briefen und ihren Inhalten erfahren. Der japanischer Premierminister und unser Parlamentschef tauschen Briefe aus, und ich erfahre davon bei einer Veranstaltung!
Herr [Javad] Larijani *) sagt, dass die Regierung über fünf verschiedene Kanäle mit der US-Regierung in Kontakt steht. Ich habe überhaupt keine Kenntnis darüber, was für Verbindungen das sind. Überall wird von der Außenpolitik der iranischen Regierung gesprochen, aber die Regierung selbst hat keinerlei Einfluss auf sie.
2) Die Operationen in Ausland geschehen, ohne dass die Regierung etwas davon mitbekommt. Sie wissen, welche verheerenden Auswirkungen diese Operationen auf unser Land hatten. Flugzeuge werden entführt, im Libanon wird Blut vergossen, und von all dem erfährt die Regierung erst zum Schluss. Als bei iranischen Pilgern in Jeddah C4-Sprengstoff entdeckt wurde, habe ich das erst [von der saudischen Botschaft in Teheran] erfahren. **)
So etwas hat sehr schädliche Folgen für unser Land, und leider wird es auch in Zukunft solche Aktionen im Namen der Regierung geben.
3) Der Ausschuss für Finanzplanung wurde aus politischen Gründen aus der Zuständigkeit des Ministerpräsidenten entfernt, was bereits katastrophale Auswirkungen auf das Land hatte. Leider ist im Schlichtungsrat kein Problem für dieses Problem gefunden worden, ebensowenig wie für das Problem der Ratgeber-Minister. ***)
4) Die gesetzliche Macht der Regierung und ihrer Minister wird durch die ungesetzmäßig installierten Räte geschwächt.
5) Ich habe keine Macht, um für die Aktionen, die im Namen der Regierung erfolgen und von denen wir keine Kenntnis haben, vor dem Parlament und der Regierung die Verantwortung zu übernehmen.
6) Abschließend erinnere ich nochmals daran, dass Gott weiß, dass mein Rücktritt nicht bedeutet, dass ich einen Groll hege. Die Islamische Revolution wird ihren Weg auch ohne mich finden. Ich trete aus dem Gefühl der Machtlosigkeit zurück.
14. Shahrivar 1367 (September 1988)

Bani-Sadrs Zeitung veröffentlichte den Brief Mousavis vor 22 Jahren
Mögliche Quelle
Bani-Sadr sagte der Deutschen Welle, dass der Brief wahrscheinlich durch Chomeinis Büro durchgesickert ist. Oder Ahmad Chomeini (Chomeinis Sohn) wollte mit diesen Herren eine Rechnung begleichen. Es ist noch zu erwähnen, dass dieser Rücktritt von Chamenei abgelehnt wurde. Grund: es koste die Islamische Republik zu viel (Quelle: Khodnevis).
Schlusswort
Ich las den Brief noch einmal. Dabei wurde mir klarer, warum Chamenei nicht wollte, dass Mousavi Irans Präsident wird. Ich bin aber auch der Meinung, dass Mousavi endlich die Geheimnisse seiner Zeit aussprechen soll. Letztes Jahr, kurz nach den manipulierten Wahlen, nachdem Irans Jugend auf der Suche nach ihrer wahren Stimme auf den Straßen erschossen wurde, war es die beste Zeit mit der Nation die Geheimnisse zu teilen. Ein Jahr ist bereits vergangen. Irans Jugend ist immer noch durstig nach Wahrheiten. Warum Mousavi bis heute geschwiegen hat, diese gute Gründe zu veröffentlichen ist mir immer noch ein Rätsel.