endlich volljährig: gatzanis verlag wird 18!

18 Jahre voller Liebe, Lust und Leben: Der Gatzanis Verlag wird volljährig

Vor 18 Jahren beschloss Jolanta Gatzanis einen Verlag zu gründen. Anstoß war ein Tabu: mentale Impotenz beim Mann. Seitdem macht sie Bücher in Sachen Liebe, Lust und Leben. Neugierig war sie selbst schon immer, mit Offenheit und Neugierde können auch ihre Leser viel Neues entdecken können und so manches Tabu überwinden.

„Fürs Verlagswesen interessiert habe ich mich schon als Jugendliche. Aus purer Neugierde auf Menschen und ihre Themen und aus Freude am Kommunizieren“, erinnert sich Jolanta Gatzanis, die später auch Verlagswesen studierte. Als ihr nach mehreren Stationen in Redaktionen, Zeitungs- und Buchverlagen in Stuttgart, Berlin und Athen 1995 auf einer Party der Autor Kurt W. Leuze begegnete, habe es dann einfach „Klick!“ gemacht – sein Sachbuch „Der Geist ist willig, doch das Fleisch macht schlapp!“ wurde der erste Titel des damit gegründeten Stuttgarter Gatzanis Verlags.

Dass es eine ganze Menge Mut erfordert, eine Verlagsgründung ausgerechnet mit einem Buch über mentale Impotenz bei Männern zu starten, dürfte außer Frage stehen. Und genau dieser Mut ist es, der Jolanta Gatzanis’ kleinen Nischenverlag 18 Jahre lang auf dem hart umkämpften Buchmarkt hat bestehen lassen.

Ihr Pioniergeist kam der 52-jährigen und viel gereisten Halb-Griechin nicht nur bei der pikanten Titelwahl zugute, sondern auch in den Bereichen Technik und neue Medien: Bereits 2010, als sich viele (kleinere) Verlage noch nicht trauten, hatte Gatzanis bereits e-books im Programm. Mit dem Relaunch der Website im Jahr 2011 mit Facebook, Twitter, Xing, Pinterest, google+ und Autoren-Blogs wurde die Social-Media-Nutzung intensiviert und seit 2012 lässt die Kurzfilmserie „G:fragt!“ auch LeserInnen zu Wort kommen. (www.youtube.com, G.fragt “Wechseljahre”).

Ab 2014 ist eine Buchreihe mit dem Titel „G:sichtet!“ geplant, die ausgewählte Künstler und Theman aus der Region vorstellt.

Entsprechend ist der ursprüngliche Claim „populäre Bücher zu provokanten Themen“ in diesem Jahr zum neuen Leitfaden „populäre Bücher zu den Bereichen Liebe, Lust & Leben“ gereift. Eine Neuerscheinung, die dazu passt und im Herbst erscheint, ist das Sachbuch „Eine Familie macht Karriere – gleichberechtigt Beruf, Kinder und die Liebe vereinen“ (2014) von Ines Witka.

Vom kleinen und jetzt erwachsen gewordenen Nischenverlag Gatzanis darf also auch weiterhin eine ganze Menge erwartet werden, denn mit 18 geht es ja bekanntlich erst richtig los. Auch wenn sich die gebürtige Stuttgarterin Jolanta Gatzanis als PR-Consultant mal den einen oder anderen Seitensprung erlaubt – unter anderem für Schauspielerin Ulrike Folkerts oder die Opernsängerin Nadja Michael tätig – wird ihr Herz immer ihrer großen Liebe gehören: dem Bücher machen.

Gatzanis

„Ich glaube an die große (Buch-)Liebe!“

(K)ein bisschen erwachsen und neugierig wie ein Kind: Nischenverlegerin Jolanta Gatzanis verrät, mit welchen Ideen sie derzeit flirtet und mit welchen Themen sie sich auch zukünftig den einen oder anderen Seitensprung erlauben wird.

Mit 18 darf man ja endlich tun und lassen, was man will. Wenn Sie einen Wunsch frei hätten, was wäre das?

Eine Zigarette in Paris mit Catherine Deneuve, um mit ihr über Liebe, Lust & Leben zu sprechen.

Warum?

Zum einen, weil ich finde, dass sie eine grandiose Schauspielerin ist. Zum anderen gefällt mir der außergewöhnliche Ausdruck, den sie mir vermittelt: eine Mischung aus Verletzlichkeit und Stärke. Und zu guter Letzt glaube ich, dass sie einige Geschichten über Liebe, Lust & Leben zu erzählen hat. Also Themen, die uns im Verlag ganz besonders interessieren.

Liebe, Lust & Leben – das ist nach 18 Jahren „populäre Bücher zu provokanten Themen“ nun auch Ihr neuer Claim. Es geht also nicht nur um das Eine?

Ging es eigentlich noch nie, aber wenn man ein Buchprogramm zum Themenbereich Liebe, Sexualität und Partnerschaft hat, wird man schnell auf das kurze Wort „Sex“ reduziert. In 2014 wird Gatzanis das thematische Spielfeld zusätzlich erweitern und sich innerhalb seiner Kernbereiche Liebe, Lust und Leben auch den Beziehungen zwischen Mensch und Kunst widmen.

Mit welchen Ideen flirten Sie sonst noch so?

Bei uns handeln die Buchthemen ja meist von den vielfältigen Aspekten der Liebe zwischen Menschen. Dieses Jahr erscheint im Herbst der Titel „Eine Familie macht Karriere – gleichberechtigt Beruf, Kinder und die Liebe vereinen“ von Ines Witka. Sie interviewte Eltern aus unterschiedlichsten Berufsgruppen, die Alternativen zum traditionellen Rollenmodell leben. Von ihnen erfahren Leserinnen und Leser wie man zum Dream Team wird, wie wichtig die Liebe ist und wie sich die Sexualität verändert. Sie erfahren auch, dass Frau und Mann doch vom selben Stern sind und den Alltag gemeinsam meistern können. Und dann liebäugeln wir mit einer Buchidee, die sich die Kernfrage stellt: Was macht das, was durch den Magen geht, mit der Liebe? Der entsprechende Titel erscheint voraussichtlich 2014. Vielleicht wird ja aus dieser Idee und dem anfänglichen Flirt unsere große (Buch-)Liebe!

Warum haben Sie sich dazu entschieden Verlegerin zu werden?

Aus purer Neugier und aus Freude am Kommunizieren. Eigentlich wollte ich Botschafterin werden. Jetzt bringe ich Geschichten von Menschen an Interessierte und Lesende … am Ende bin ich also tatsächlich eine Art Botschafterin geworden.

Wie kam es dazu?

Bereits als Jugendliche wollte ich wissen, wie die Arbeit mit Verlagsprodukten funktioniert. Wenige Jahre später und kurz vor meinem Studium bekam ich die Möglichkeit, mit einem Redaktionsteam Italien und Österreich zu bereisen. Im Auftrag des Ehapa-Verlags haben wir jeweils mehrere Tage Motorräder und Wohnmobile getestet. Das war eine spannende Sache, die mich faszinierte – von der Geschichtenentwicklung bis zur Veröffentlichung in einem Medium habe ich da alles miterleben dürfen. Ein paar Stationen in Zeitungs- und in Buchverlagen in Stuttgart, Berlin und Athen gab es dann noch, bevor ich mich mit dem eigenen Verlag 1995 selbstständig gemacht habe. Dabei war eine Autorenbekanntschaft auf einer Party der Auslöser.

Eine Partybekanntschaft war der Auslöser für Ihre Verlagsgründung? Das müssen Sie nun aber genauer erklären …

Auf einer Geburtstagsfeier lernte ich einen Unternehmer kennen, der mich fragte, ob er mir ein Manuskript geben darf, wofür ich ihm einen geeigneten Verlag empfehlen sollte. Nachdem ich es ein paar Tage später durchgelesen und recherchiert hatte, ob es zu diesem Buchthema im populärwissenschaftlichen Sachbuchgenre etwas gibt, sagte ich ihm spontan, dass ich es selbst verlegen werde. Ich war überzeugt, dass das Thema „mentale Impotenz bei Männern“ ein Tabu beleuchtet, das lohnt, veröffentlicht zu werden. Kurzerhand kündigte ich bei meinem Arbeitgeber, einem Reisebuchverlag, und gründete meinen eigenen Verlag mit nur einem Buch im Programm. Das war jedoch so erfolgreich, dass bald die nächsten Bücher folgen sollten und die Themen Liebe, Sexualität und Partnerschaft den Schwerpunkt bildeten.

Gibt es nach 18 Jahren so etwas wie einen persönlichen Lieblingstitel?

Das ist wie die Frage nach dem Lieblingskind. Ich liebe jedes unserer Bücher – jedes auf seine Art. Allein die Entstehung jedes einzelnen Buches ist so besonders und spannend wie die Menschen, die daran gearbeitet haben.

Eine persönliche Lieblingsanekdote?

Als ich das erste Mal im Restaurant von Sternekoch Vincent Klink auf der Wielandshöhe war, wurde ich von ihm mit den Worten: „Ha, Du bisch doch die, derra der Sexverlag ghört!“ begrüßt.

In jedem Leben gibt es Höhen und Tiefen. Und in den ersten 18 Jahren ganz besonders. Gab es je einen Punkt, an dem Sie unzufrieden waren? Gar alles hinschmeißen wollten?

Wenn es nur um den Reiz, wirtschaftliche Erfolge mit Büchern erzielen zu wollen, gehen würde, wäre ich wahrscheinlich immer wieder mal unzufrieden gewesen. Für mich geht es in diesem Beruf vielmehr um die Möglichkeit, viele spannende Menschen und ihre Geschichten kennen zu lernen und das inspiriert und erfreut mich in ganz besonderem Maße. Schon deshalb gibt es kaum persönliche Tiefen, sondern vielmehr Höhen.

Würden Sie es wieder tun?
Ja!

Volljährigkeit bedeutet auch: offizielle Fahrerlaubnis. Wird jetzt (noch mal) richtig Gas gegeben?

Und ob! 2012 haben wir begonnen, kurze Filme zu unseren Buchthemen zu produzieren. Unter dem Serientitel „G:fragt!“ – das G steht dabei für Gatzanis – befragen wir LeserInnen zu bestimmten Lebenssituationen, die das Buchthema darstellen. Es gab bisher den Kurzfilm „Wechseljahre“ zum Buch „Meine Wechseljahre“ und den Film „Erotik“ zum Buch „Die Nacht der Masken“. Der nächste Film, den wir im Herbst drehen wollen, handelt von Liebe und Zärtlichkeit im Alter – zu unseren Büchern „WOLKE 9“ und „Liebe bleibt jung“. Hier suchen wir noch Menschen ab 60, die sich gerne vor der Kamera dazu äußern wollen. Nun, 2014 möchten wir mit einer neuen Serie beginnen. Es wird, angelehnt an den Serientitel für die Kurzfilme „G:fragt!“, eine Buchserie mit dem Reihentitel „G:sichtet!“ geben. Gatzanis entdeckt/sichtet Kunst und die Menschen, die sich damit auseinandersetzen. Es geht also um Kunst, Künstler, Kunstschaffende, Kunstsammler und Kunstfreunde in der Region.

Auch neben der Kurzfilmreihe „G:fragt“ und der zukünftigen Buchserie „G:sichtet“ zählte Gatzanis ja immer schon zu einem der ersten und experimentierfreudigsten unter den (Klein-)Verlagen: Social Media, Website-Relaunch, E-Books … Wilde Sturm und Drang-Phase oder verlegerische Notwendigkeit?

Es ist, wie ich eingangs schon erwähnt habe, die Neugier, die mich antreibt. Es gibt so viele neue Herausforderungen in unserer Branche, die es lohnt anzunehmen und auf Entdeckungsreise zu gehen. Ich möchte mit meinem Verlag eine Reise machen – da bleibe ich doch nicht auf dem Bahnhof stehen und schau nur den Zügen nach.

Foto/Interview/PM: Gatzanis Verlag



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