Emotionen von Heilbronn (1)

Meine erste Mitteldistanz, na ja sagen wir fast Mitteldistanz, denn mit 2/70/15 waren die Streckenlängen irgendwie ganz anders. Was soll man sich als Ziel vornehmen, wenn man so einen Wettkampf zum ersten mal bestreitet? Ankommen, na klar, aber in welcher Zeit und wenn nicht warum. Lauter solche Gedanken schwirrten am Vorabend durch meinen Kopf und ich fand nicht die passenden Antworten dazu.

Somit ging ich denn auch relativ unbelastet an den Start, da ich außerdem bis Donnerstag noch relativ hart trainiert habe. Hört sich irgenwie paradox an und ist es auch., denn die Radeinheit vom Mittwoch und die Laufeinheit vom Donnerstag waren kein Pappenstiel und somit hatte ich ja doch noch meine Belastung. Aber dieser Wettkampf war eh nicht eingeplant gewesen und kam somit aus heiterem Himme.

Die Startzeit um 9:35 Uhr kling sehr verlockend, aber wenn man die 150km Anreise bedenkt, mussten Bischi und ich trotzdem um 5:00 Uhr aus dem Bettchen. Mit dem Kombi eine feine und einfache Sache, Ladeklappe auf, alles rein was mit muss und dann ab auf die Autobahn und wissen wo man lang muss. Dank der neuen Technik – das I Phone lässt grüßen – hatte ich meinen persönlichen Navigator und wir kamen recht zügig über Würzburg nach Heilbronn.

Der Nachteil von einem Kombi – wenn man Chaos liebt – man findet schon nach kürzester Zeit die einfachsten Dinge nicht mehr, da sich in dem Saustall keiner mehr auskennt. Egal, wir kamen rechtzeitig zur Ausgabe der Startunterlagen und zum Einchecken der Räder,das wichtigste war geschafft. Toll dass wir nur 5m von „Hölle“ entfernt geparkt hatten, so klein ist die Welt.

Marcel hatte den Bikepart für die Ultra Sports Staffel übernommen und hatte quasi Ferien. Keinerlei Hektik für die Wechselzone kam bei ihm auf, alles „easy going“ und ich wusste gar nicht wo mir der Kopf stand. Wie und was brauchte ich wann und wo und dann hatte man doch das wichtigste vergessen. Irgenwann fand ich doch den Absprung und hatte alles notwendige an Ort und Stelle.

Wieder dem Prinzip folgend – weniger ist mehr – hatte ich nur eine Flasche an meinem Rad, aber mehr Platz habe ich eh nicht. Aerohelm, noch die normalen Radschuhe – wird Zeit dass ich endlich meine Tria-Treter einfahre – meine schnellen Sauconys (orange) Startnummer, Brille, Tria Cap und Socken, mehr brauchts nicht in der Wechselzone. Ach ja, fast hätt ichs vergessen, zwei Gels in Schluckbereitschaft warteten günstig postitioniert auf ihren Verzehr.

Somit konnte ja nichts mehr schief gehen – wobei so ein Wettkampf ist lang und manchmal passieren die verücktesten Sachen, man glaubt es kaum. Es kam schon vor, dass sich ein Athlet mit Neopren aufs Rad gesetzt hat und er sich gewundert hat, warum ihm so warm um die Hüften wurde. Aber keine Angst, so schlimme Dinge sind nicht passiert. Die Tücken lagen eher im kleineren Bereich.

Die Profis durften schon um 9:35 Uhr starten, meine Gruppe war die letzte auf der Mitteldistanz und startete um 9:47 Uhr. Dazwischen kam noch eine andere Startgruppe, so dass wir – die mit den roten und blauen Badekappen - erst kurz vor unserem Start ins Wasser durften. Keine Möglichkeit also, sich irgenwie einzuschwimmen, aber bei mir „macht das Jacke wie Hose“, oder heißt der Spruch „ist Jacke wie Hose“.

Egal, ich wollte mich auf jedenfall - clever wie ich bin - ins linke Mittelfeld einreihen, da die ersten 1100m mit einer leichten Linkskurve geschwommen wurden. Netter Gedanke, aber aus dem Mittelfeld wurde eher Abwehr bzw. Position des Torhüters, denn die nachfolgenden Teilnehmer drückten mich immer weiter in den Hintergrund. Bin halt doch nur ein kleiner Triathlet. Aber meine Zeit sollte ja noch kommen.

Den Startschuss hätte ich dann beinahe überhört, aber man spürt es ja, wenn alle anderen um einen herum los schwimmen. Das Starterfeld war eigentlich recht überschaubar und trotzdem war ich auf den ersten 500m Gefangener wie auf Alcatraz. Kein Armzug, ohne dass ich nicht irgenwie Kontak mit einem anderen Körper gehabt hätte. Ich kam mir vor wie in einer Herde wild gewordener Flusspferde. Nicht dass die Körper objektiv gesehen solche Dimensionen gehabt hätten, aber subjektiv gesehen schon.

Nachdem ich mich dann weiter nach links orientierte, um dem größeren Schlachtgetümmel zu entkommen, verfingen sich meine Arme immer wieder in den tief ins Wasser hängenden Weidenruten und ich hatte so auch meine Schwierigkeiten. Nachdem wir die Wendeboje umrundet hatten – das ging überaschender Weise ohne Stau und Zeitverlust – hatte ich plötzlich mehr Platz und konnte endlich so etwas wie einen Rhythmus finden, aber da war es wohl schon etwas spät, denn nach kurzer Zeit kam recht unvermittelt der Ausstieg an der linken Uferböschung.

Zum Glück streckten sich helfende Hände entgegen und so blieb es nur bei einem leichten Straucheln auf der klitschigen Uferböschung. In der Wechselzone ging alles sehr schnell. Ich hatte mich fürs Bike ohne Socken entschieden, also nur den Gummi abstreifen – ziemlich sexistisch – rein in die Puschen, Helm auf, Brille darunter, Startnummer nicht vergessen und schon lief ich zum Ausgang.

Nach einigen Metern ging mein Blick auf meine rechte Fussfessel und was sah ich – nichts. Aber das war nicht gut, denn da sollte mein Chip für die Zeitnahme sein. Scheiße dachte ich – im Wasser verloren – alles aus und vorbei – denn ohne Zeit wollte ich nicht weiter machen. Doch dann ein Lichblitz – er könnte ja noch im Neopren stecken.

Also einen der Helfer gefragt, ob ich noch einmal zurück an meinen Stellplatz laufen könnte und eine sehr freundliche Dame hielt sogar mein Rad und wünschte mir viel Glück bei meiner Suche. Nach einigem umher irren fand ich meinen Radplatz und begann fieberhaft die Box und meinen Neopren zu durchwühlen. Nach einigem blinden abtasten spürten meine Fingerspitzen etwas hartes am unteren Ende des rechten Beinabschnitts von meinem Neo und schon hatte ich das Teil meiner Sehnsucht in den Händen  und kurze Zeit später wieder an meiner rechten Fußfessel, da wo es eigentlich auch hingehörte.

Morgen folgt Emotionen von Heilbronn (2)

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