Eitelkeit pflegt die Qual wie ein Gärtner seine Lieblingsrosen

„Sind wir jung und lieben jung, dann ist unser Herz noch beweglich. Es hüpft vor Freude. Es springt uns aus dem Leibe. Die erste Liebe verzaubert uns selbst und die ganze Welt. Werden wir älter, bilden sich Kristalle im Herzen. Trauer, Schmerz, Verletzungen, all die ungeweinten Tränen erstarren zu Kristallen und lagern sich im Herzen ab. Erst sind es nur Ecken und Kanten, die starr und unbeweglich werden. Bald ist es das ganze Herz, das erstarrt zu Eis, wird kalt, eiskalt. Leichenkalt.“
„Brrh. Das erinnert mich an ein Märchen, was du erzählst. Aber bleiben nicht nach jeder Liebesbeziehung Spuren von Schmerz und Trauer in uns?“, fragte S. ungläubig.
„Dann, wenn wir nach dem Trauern nicht verzeihen. Dem, den wir einmal geliebt haben und vor allem uns selbst. Das ist das Schwerste. Das Verzeihen. Die alten Wunden werden zu Schutzschildern, die wir hochheben, sobald ein Herz uns näher kommt. Wir heben die Wunde ganz hoch, als ob wir rufen wollten: „Hey, komme mir nicht zu nah. Schau, was die vor dir mir angetan haben. Meine Wunde ist die schrecklichste der ganzen Welt!“

Eitelkeit pflegt die Qual wie ein Gärtner seine Lieblingsrosen

By DreamerGirlLAC177

„Zu verzeihen ist wirklich schwer. Ich kann das überhaupt nicht. Ich vergesse nicht. Denn mein ist die Rache. Wie geht das, Verzeihen? Der Gedanke allein hilft ja wohl nicht.“
„Verzeihen heisst loslassen, sich hingeben. Hingabe an die Wirklichkeit, wie sie ist, nicht wie der Stolz sie haben will. Der Stolz, die Eitelkeit, das Ego, dieser Großinquisitor der Seele, schreit Rache, Vergeltung. Ist der, der nie verzeihen kann. Es ist die Eitelkeit, die nicht verzeiht. Es ist das Ego, und es glaubt gerecht zu sein. - Sie pflegt die eigene Qual wie ein Gärtner seine Lieblingsrosen.“