Eingesperrt unter Bestien - Mauern der Gewalt!

Erstellt am 28. Oktober 2014 von Bandrix @cityofcinema1

©Ascot Elite


Man stelle sich das einmal vor: Mit 19 Jahren steckt dich das Gericht für 20 Jahre ins Gefängnis, ohne reelle Chance auf Rehabilitation. Du bist desillusioniert, kannst deine Wutausbrüche schwer – wenn überhaupt – kontrollieren. Hinter jeder gereichten Hand vermutest du eine Falle, jeder Mitinsasse mutiert zum Feind. Was dir übrig bleibt, ist deine Aggression, die du an allem und jedem auslässt. 
Regisseur David Mackenzie führt mitten hinein, in den Albtraum Knast. Hier ist sich jeder selbst der nächste und wer sich nicht an die Regeln hält, dem steht kein schönes Leben bevor. Hauptdarsteller Jack O’Connell mimt den aufbrausenden Eric mit einer solchen Kraft, dass sein Hass und seine Verzweiflung für den Zuschauer fast unmittelbar spürbar wird. Zwar kann sich „Mauern der Gewalt“ nicht ganz von den üblichen Klischees befreien, doch dürfte der Film ein realistisches Bild über den Alltag in einem Hochsicherheitsgefängnis geben. Zündstoff erhält Mackenzies Film durch die interessante Konstellation seiner Figuren. Eric gilt als Problemfall, doch sein ebenfalls dort inhaftierter Vater (Ben Mendelson) versucht nun das erste Mal in seinem Leben auf seinen Sohn achtzugeben. Dazu gesellt sich noch der Therapeut Oliver (Rupert Friend), der den Insassen eine Chance auf Rehabilitation einräumen möchte. Doch die Dynamik des Mikrokosmos Gefängnis zwingt alle drei, ihre Ansichten mehr oder weniger zu ändern bzw. aufzugeben. So entwickelt sich ein spannendes Drama, das auch auf emotionaler Ebene packen kann. Denn zwischen heftigen Gewalteruptionen entwickeln die Figuren tatsächlich Tiefe und wecken Interesse.

©Ascot Elite


Mit der Kamera immer dicht am Geschehen, steigert sich „Mauern der Gewalt“ von Minute zu Minute. Bis zum grandiosen Showdown ist es für Eric und seinen Vater allerdings ein steiniger Weg. Mackenzie verzichtet auf jeglichen inszenatorischen Schnickschack, sondern konzentriert sich ganz auf seine Figuren. Keine Filmmusik, dokumentarische Kameraführung – dafür aber Schauspieler, die bis an die Grenzen gehen. „Mauern der Gewalt“ ist ruppiges, teilweise heftiges Drama, das den Zuschauer mit in eine Welt voll von Gewalt und Hass zieht. Angenehm ist das nicht, aber ungemein spannend und vielschichtig. 

©Ascot Elite

BEWERTUNG: 07/10
Titel: Mauern der Gewalt
FSK: ab 16 freigegeben
Laufzeit: 106 Minuten
Genre: Knastdrama
Erscheinungsjahr: 2014
Regisseur: David Mackenzie
Darsteller: Rupert Friend, Ben Mendelsohn, Jack O'Connell, David Ajala, Gilly Gilchrist, Frederick Schmidt