Einfach nur weg

Einfach nur weg Titel: Einfach nur weg
Autor: Ute Schaeffer
Genre: Erfahrung/Sachbuch
Verlag: dtv
Format: Broschiert, 260 Seiten
ISBN:978-3423261197

Normalerweise bin ich jemand, der bei politischen Themen einen weiten Bogen macht. Viel zu oft blicke ich nicht durch oder erliege den Gedanken: „Kann man eh nix machen.“ Die Flüchtlingskrise zieht aber weite Kreise und sich nicht dafür zu interessieren, wäre schon fast ignorant, wenn nicht sogar gefährlich, spielt sie doch AFD und FPÖ in die Hände, weil sie mit Urängsten spielen. Sind Flüchtlinge prinzipiell alle kriminell? Es wird immer von Einzelfall gesprochen, jeden Tag – also doch kein Einzelfall? Nehmen sie uns unsere Arbeit, unser Geld und letztlich die Butter vom Brot? Fragen über Fragen. Ich habe für mich beschlossen, in dieses Thema einzutauchen, damit ich mir selbst eine Meinung bilde.

Erster Weg war für mich, Geschichten von Flüchtlingen zu lesen, um nachvollziehen zu können, warum sie flüchten. Bitte nicht den Kopf schütteln, warum Menschen aus Kriegsgebieten flüchten, dazu sollte der gesunde Menschenverstand kein Buch benötigen. Afghanistan hingegen wird als sicheres Herkunftsland bezeichnet und Afrika, naja, in Afrika ist nicht überwiegend schön, weiß jeder, aber letztlich, wenn man es so nimmt, sind viele Afrikaner Wirtschaftsflüchtlinge (ausgenommen Kriegsgebiete). Kriegsflüchtlinge finde alle voll okay, wenn sie kommen, aber Wirtschaftsflüchtlinge gehen ja mal überhaupt nicht (O-Ton meine Umgebung).

Im Buchhandel findet man so einige Bücher zu diesen Thema, meine Entscheidung fiel „Auf einfach nur weg“, weil da eben bunt gemischt ist, aus welchen Länder die Jugendlichen kommen, auch ihre Routen sind unterschiedlich, enden aber letztlich alle in Deutschland.
Die Geschichten sind unterschiedlich, gleichen sich aber leider viel zu oft, in der Aussichtslosigkeit, die diese Menschen verspüren. Es sind hier Jugendliche, die entweder alles verloren haben oder von ihrer Familie weggeschickt werden oder von ihr fliehen.

Zu den Geschichten kann und mag ich nicht viel erzählen. Die Worte wären zu kurz, würden den Schrecken der Taten nicht gerecht werden, nur so viel, es sind jetzt nicht nur Erfahrungen, die Autorin flechtet Informationen hinein, dass man noch mehr versteht, wie es kommt, dass jemand flüchtet. Sie liefert Hintergrundinformationen, die wichtig sind, wenn man sich jetzt in der Politik nicht so gut auskennt. Es wird erklärt, wie Regime funktionieren und wo die Gefahr für die Menschen liegt. Diese Informationen sind jeweils in die Erfahrungsberichte eingeflechtet, leicht verständlich und absolut nicht trocken. Die Mischung macht aus dem Buch ein Erfahrungsbericht/Sachbuch.

Als Bernhard über meine Schulter schaute, war ich gerade bei einer Route über Portugal und er fragte, warum ist sie nicht dort geblieben – es ist Europa, wieso die Strapaze nach Deutschland aufnehmen? Ich hab ihm versprochen, es ihm dann zu erzählen und was ich las, es hat so viel Verständnis gebracht. Es ist wie Idomeni, es ist Europa, natürlich, aber die Bedingungen sind menschenunwürdig. Könnte man sagen, naja, aber Krieg ist da zumindest nicht, Sicherheit ist Sicherheit, da darf man nicht so wählerisch sein. Darf man nicht? Wird einem durch die Flucht jedes Menschenrecht abgesprochen? Ich verstehe schon, wenn jemand sagt, dass alle aber auch nicht nach Deutschland kommen können, die Sache ist aber so, Deutschland kümmert sich um die Flüchtlinge, dass was sie hier haben, kann man Leben nennen, Idomenie, aber auch Portugal, ist eher vegetieren.
Die Flüchtlingskrise war eine Prüfung für ganz Europa, in der es kläglich versagt hat.

Und der Wirtschaftsflüchtling Ali, der durch Ebola Waise wurde und aus Afrika kam. Abschieben? Könnte man, aber ist es nicht verständlich, wenn du perspektivlos bist, alleine und ohne Halt, dass du neue Wege gehen möchtest? Was ist mit „Goodbye Deutschland“ – da wandern Deutsche irgendwohin aus, weil sie in Deutschland keine Zukunft sehen, warum regt sich niemand über diese Wirtschaftsflüchtlinge auf?

Ich verstehe jeden, der Ängste hat – die habe ich auch, da bin ich ganz ehrlich. Wer weiß, wie die Flüchtlingskrise weitergeht, wie schlimm der Rechtsruck noch wird. Österreich ist schon gespalten, links und rechts wünscht sich die Pest an den Hals. Die Medien schüren den Hass, es wird pauschal gegen Ausländer gehetzt, wobei man einfach nicht alle in einen Topf werfen darf, wir zählen über 1 Millionen Flüchtlinge, es dürfte da klar sein, dass hier auch jede Menge faule Äpfel dabei sind. Nicht wieder den Kopf schütteln und sagen: Ja, ja, faule Äpfel, aber wenn sie dir was antun, wird dein guter Wille auch gebrochen.“ Mag sein, auch ich war schockiert, als in Wien eine Putzfrau auf den Weg zur Arbeit von einem seit 2008 in Österreich lebenden Kenianer erschlagen wurde. Ich bin aber auch von Höxter und Manfred Seel schockiert, aber eines muss uns klar sein: Menschen tun schreckliche Dinge, jede Straftat ist eine zu viel, ob von In- oder Ausländer. Es geht darum, Konsequenzen zu ziehen, am wichtigsten ist, an einem Strang zu ziehen und nicht die Bevölkerung zu Spalten.

Ein Spagat und ich möchte in diesen Zeiten nicht Politiker sein, aber ich kann Mensch sein, der eine Stimme hat. Der selbst Ängste hat, aber weiß, dass jetzt Menschlichkeit gefragt ist.



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