Eine Weihnachtsgeschichte mitten im Sommer? Hast Du noch alle Tassen im Schrank, Werner?

Von Wernerbremen

Das Foto wurde von Karin Heringshausen zur Verfügung gestellt


Ihr Lieben,

ich möchte Euch heute die Geschichte eines unbekannten Autors erzählen, die ich so inhaltsreich und wunderbar finde, dass ich mit dem Erzählen nicht bis Weihnachten warten möchte:
Die Puppe

Am Morgen des 24. Dezember eilte ich durch die Geschäfte, um noch die letzten Geschenke zu besorgen.

Als ich das Gewühl von Menschen sah, dachte ich, das wird wohl ewig dauern, bis ich hier alles besorgt habe und ich muss noch in andere Geschäfte… Weihnachten wird jedes Jahr stressiger.
Ich wünschte, ich könnte einfach einschlafen und erst nach Weihnachten wieder aufwachen.

Trotz allem drängte ich mich zur Spielzeugabteilung durch. Dort habe ich mich dann über die enormen Preise der Spielsachen gewundert.

Auf der Suche nach einem geeigneten Spielzeug bemerkte ich einen etwa fünf Jahre alten Jungen, der eine Puppe gedankenverloren anschaute. Der Junge machte einen sehr traurigen Eindruck. Ich fragte mich, für wen er wohl die Puppe ausgesucht hatte. In diesem Moment drehte sich der kleine Junge zu einer älteren Dame um und fragte sie: "Oma, bist Du sicher, dass ich nicht genug Geld habe?"

Die ältere Dame antwortete: "Mein Lieber, du weißt ganz genau, dass Du nicht genug Geld hast, um die Puppe zu kaufen." Danach bat sie ihn in der Spielzeugabteilung zu warten, bis sie ihre Einkäufe erledigt habe.

Der Junge hatte noch immer die Puppe gegen seine Brust gepresst. Ich lief zu ihm hin und fragte ihn, für wen er denn die hübsche Puppe ausgesucht hätte. "Es ist die Puppe, die sich meine Schwester zu Weihnachten gewünscht hat. Sie war überzeugt, dass der Weihnachtsmann ihr diese Puppe bringen würde."

Ich versicherte ihm, dass der Weihnachtsmann bestimmt weiß, was sich seine Schwester zu Weihnachten wünscht. Und dass er sich darüber keine Sorgen machen sollte. Doch der Junge antwortete traurig: "Der Weihnachtsmann kann ihr die Puppe nicht dorthin bringen, wo sie sich befindet. Ich muss die Puppe meiner Mutter geben und sie kann sie mitnehmen, wenn sie geht“.

Seine Augen waren mit Tränen gefüllt, als er das sagte.

"Meine Schwester ist im Himmel. Mein Vater sagt, dass meine Mutter auch bald in den Himmel geht. Deswegen dachte ich mir, dass sie die Puppe für meine Schwester mitnehmen kann."

Als ich dem Jungen zuhörte, habe ich meinen Weihnachtsstress ganz vergessen.

Der Junge fuhr fort: "Ich sagte meinem Vater, er soll meiner Mutter ausrichten, dass sie noch warten soll, um in den Himmel zu gehen, bis ich aus dem Laden zurück bin."

Dann zeigte mir der Junge ein Foto von sich, auf dem er ein unbekümmertes, fröhliches Gesicht hat. "Ich möchte, dass meine Mutter dieses Bild mitnimmt, damit sie mich nicht vergisst. Ich liebe meine Mutter sehr und ich möchte, dass sie bei uns bleibt. Doch mein Vater sagt, dass sie zu meiner kleinen Schwester gehen muss."

Wieder schaute er gedankenverloren die Puppe an.

Ich suchte meinen Geldbeutel, sagte ihm, er soll doch das Geld nochmals nachzählen. Es könnte sein, dass er nun genug habe, um die Puppe zu kaufen.

"Gut, ich hoffe, dass es nun reicht…" Ich half ihm mit dem Zählen und steckte ihm etwas Geld zu, ohne dass er es gemerkt hat.

Er sagte: "Danke Gott, dass Du mir genug Geld gegeben hast!"

Danach schaute er mich an und meinte, "Ich habe gestern gebetet, dass ich genug Geld für eine Puppe für meine Schwester habe. Und ich hoffe auch, dass es für eine weiße Rose für meine Mutter reicht. Meine Mutter liebt weiße Rosen."

Einige Minuten später kam die ältere Dame zurück und ich verabschiedete mich von dem Jungen.

Ich erledigte alle meine Einkäufe mit einer ganz anderen Einstellung als am Morgen. Ich konnte den kleinen Jungen nicht vergessen.

Dann erinnerte ich mich an einen Zeitungsartikel, den ich vor zwei Tagen gelesen hatte. Es handelte sich um einen betrunkenen Autofahrer, der ein Auto angefahren hat, in dem eine junge Frau und ein kleines Mädchen saßen. Das kleine Mädchen war noch am Unfallort gestorben und die Mutter wurde in kritischem Zustand ins Krankenhaus eingeliefert. Die Frau liegt seither im Koma.

War das die Familie des kleinen Jungen?

Zwei Tage, nachdem ich den Jungen im Geschäft getroffen hatte, las ich in der Zeitung, dass die Autofahrerin, die vor vier Tagen den Unfall hatte, ihren Verletzungen erlag. Ich konnte es nicht lassen und kaufte einen Strauss weißer Rosen und ging zur Kirche, wo die Frau aufgebahrt war.

Sie lag dort. In ihrer Hand hielt sie eine weiße Rose, eine Puppe und ein Foto des kleinen Jungen aus dem Kaufhaus.

Als ich nach Hause lief, dachte ich darüber nach, wie groß die Liebe des kleinen Jungen für seine Schwester und seine Mutter ist. In einer Sekunde kann sich das Leben so gewaltig ändern, dass nichts mehr ist wie es einmal war.“
Ihr Lieben,

mir gefällt diese Geschichte deshalb so gut, weil sie so deutlich und klar zeigt, worauf es wirklich ankommt im Leben:
Auf die Liebe, auf die Liebe, auf die Liebe!

Ich las in einer Untersuchung, dass wir durchschnittlich, bezogen auf ein Jahr, etwa 10 Mal pro Tag „Hallo“, „Guten Tag“, „Auf Wiedersehen“, „Tschüss“ oder Ähnliches zu unserer Partnerin, unserem Partner und unseren Kindern sagen, dass wir aber nur etwa 25 Mal insgesamt innerhalb eines Jahres, unsere Partnerin, unseren Partner und unsere Kinder zusammengenommen, sagen: „Ich liebe Dich!“, Ich habe Dich lieb!“
Ich finde das todtraurig.
Vielleicht sollten wir uns angewöhnen, zur Begrüßung zu sagen:
„Du bist mir viel wert!“
und zu sagen, wenn wir gehen:
„Ich liebe Dich, ich habe Dich lieb, auch wenn ich nicht zuhause bin!“
Lasst uns gemeinsam dazu beitragen, dass der Strom der Liebe durch die kleinen alltäglichen Taten der Liebe immer größer wird, damit die Sehnsucht der Menschen nach Liebe gestillt wird.
Ich grüße Euch alle ganz herzlich und wünsche Euch einen fröhlichen Nachmittag
Euer fröhlicher Werner

Das Foto wurde von Karin Heringshausen zur Verfügung gestellt