Ein Wulff im Schafspelz?

13.12.2011 – Seit dem Rücktritt von Horst Köhler im Mai 2010 ist die Amtszeit eines deutschen Bundespräsidenten nicht mehr in Stein gemeißelt. Vielleicht müssen wir uns schon bald auf einen weiteren Personalwechsel im Schloss Bellevue einstellen.

Ein Wulff im Schafspelz?

Christian Wulff droht eine unangenehme Affäre um seine finanzielle Verbindung zu dem Unternehmer Egon Geerkens.

 

Ein Wulff im Schafspelz?

Upgrade to Resign?

Am 21. Dezember 2009 flog Christian Wulff mit seiner Ehefrau und zwei Kindern mit Air-Berlin von Düsseldorf nach Miami. Gebucht hatten die Wulffs „Economy-Class“ und hierfür 2.759 Euro gezahlt. Geflogen war die Familie dann allerdings „Business-Class“. Zunächst ohne hierfür einen Aufpreis zu zahlen.

Möglich wurde dieses kostenlose Upgrade wohl durch ein Gespräch zwischen Bettina Wulff und Air-Berlin-Chef Joachim Hunold:

Herr Hunold hat dabei angeregt, aus Sicherheitsgründen für die ganze Familie ein Upgrade vorzunehmen, sofern freie Plätze in der Business-Class zu Verfügung stehen“.

So äußerte sich Christian Wulff nach seiner Rückkehr auf eine „dringliche Anfrage“ der SPD und zahlte nachträglich den zu Unrecht in Anspruch genommenen Vorteil an Air-Berlin zurück. Der reguläre Aufpreis für das Upgrade betrug weitere 3.056 Euro.

Im Rahmen der damaligen „Flugaffäre“ stellte sich auch heraus, dass die Wulffs ihren zweiwöchigen Florida-Urlaub in der Villa des befreundeten Unternehmers Egon Geerkens verbracht hatten. Die Grünen im niedersächsischen Landtag wollten es genau wissen und stellten eine parlamentarische Anfrage über die „geschäftlichen Beziehungen“ zwischen Wulff und Geerkens.

Christian Wulff ließ daraufhin vor dem Landtag erklären:

„Zwischen Ministerpräsident Wulff und den in der Anfrage genannten Personen und Gesellschaften hat es in den letzten zehn Jahren keine geschäftlichen Beziehungen gegeben.“

Der „Bild-Zeitung“ liegen nun angeblich Dokumente vor, die das Gegenteil belegen könnten. Demnach erhielt das Ehepaar Wulff im Oktober 2008 von der Ehefrau Geerkens nämlich ein Darlehen über 500.000 Euro, das zum größten Teil zum Kauf eines Hauses verwandt worden sei. Ursprünglich soll der Kreditvertrag bis zum Jahr 2013 laufen.

Kurz nach der Anfrage im Landtag hat Wulff das private Darlehen angeblich mit einem Kredit der Stuttgarter Bank abgelöst. Wenn sich die Informationen bestätigen, dann hätte Christian Wulff den Landtag nur wenige Monate vor seiner Wahl zum Bundespräsidenten getäuscht und auf die entsprechende Anfrage hin bewusst die Unwahrheit gesagt.

Horst Köhler war im Mai 2010 von seinem Amt zurückgetreten, nachdem er in einem Radio-Interview gesagt hatte, die Gesellschaft müsse verstehen, dass militärische Einsätze künftig notwendig sein können, um für freie Handelswege zu sorgen.

Wenn sich Köhler bereits infolge des Aussprechens einer Wahrheit zum Rücktritt entschied, dann stellt sich die Frage, wie Wulff mit dem Amt des Bundespräsidenten umgehen wird, wenn ihm nun eine politische Lüge vor dem Landtag nachgewiesen wird.


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