Ein wenig Optimismus kann zurzeit nicht schaden

Unterwegs auf dem Lemmenjoki 1Der Sommer hat sich bereits im Juni verabschiedet und die Hundstage haben diese Jahr ihren Einsatz verpasst. Schon hocken die ersten Herbstnebelbänke in den Tälern und die Nächte werden kühl und länger. Dafür sind die Pilze wieder da und kürzlich habe ich sogar wieder meinen Spezi Melvin im Wald getroffen.

Natürlich haben wir wieder ein wenig über Gott und die Welt philosophiert – oben auf der Bank am Waldrand. Meine Stimmung war trüb wie der Herbst und ich sagte zu Melvin:

“Die Welt steht am Abgrund. Wir werden alle sterben.”

Melvin guckte mich schräg an und entgegnete:

“Natürlich werden wir das, doch das ist normal. Aber das juckt die Welt nicht. Sie nimmt ihren gewohnten Gang. Hast du die vielen Pilze gesehen, dort drüben in der Lichtung?”

“Was nützen mir die Pilze, wenn die Ebola außer Kontrolle gerät? Was, wenn in der Ukraine der nächste Weltkrieg beginnt? Gar nicht zu reden vom IS-Kalifat, den Unruhen in den USA, dem Bardarbunga in Island, der andauernden Krise in Pleite-Europa, dem Konflikt im chinesischen Meer und anderswo.”

“Ich habe glücklicherweise weder Radio noch Fernsehen und auch Zeitung lese ich nicht. Was ich nicht weiss, macht mich nicht heiss. Doch sag mal, wer ist Bardarbunga?”

“Ein riesiger Vulkan unter dem Eis in Island. Er rumpelt und wenn er ausbricht, bricht der Luftverkehr zusammen.”

“Interessant, die Menschen fliegen sowieso zu viel in der Welt herum. Der Vulkan würde helfen Kerosin zu sparen.”

“Ja, aber die Ebola ist wirklich schlimm. In Afrika sperren sie bereits die Grenzen, Ärzte und Krankenschwestern flüchten und in den Strassen liegen Leichen.”

“Das Problem löst sich von selbst, wenn nicht mehr geflogen wird.”

“Du bist ein Zyniker, Melvin.”

“Nein, nur Realist – und ein wenig Optimist. Diese Ebola wird doch von den Zeitungen aufgebauscht. Das Sommerloch muss gefüllt werden und Angst verkauft sich immer gut.”

“Da hast du ja Recht. Aber was ist, wenn die USA als Weltpolizist ausfallen, weil ihr Land im Bürgerkrieg versinkt.”

“Mach dir keine Sorgen. Die Polizei ist dort ebenso gut gerüstet wie das Militär, und sie fackelt nicht lange. Aufstände von Schwarzen hat es dort immer wieder gegeben.”

“Das ist ja das Problem. Ein Polizeistaat mit einer militarisierten und schiesswütigen Polizei und Rassismus wie zu Sklavenzeiten. Die Polizei beschützt nicht mehr die Bürger…”

“…sondern die Mächtigen vor den Bürgern, ich weiss. Hast du etwas anderes erwartet? Die weltweite Ausspähung der Menschen war doch ein Fingerzeig, der nicht zu übersehen war. Das Volk ist der Feind.”

“Aber wenn die USA so sehr mit sich selbst beschäftigt sind, vernachlässigen sie womöglich den Kampf gegen das Kalifat. Diese Terroristen meinen es ernst und im Gegensatz zu den Soldaten haben sie keine Angst zu sterben.”

“Das habe ich auch nicht.”

“Du bist doch nicht etwa ein Sympathisant der IS? In Frankreich sollen ja bereits zweiundzwanzig Prozent mit dem Kalifat sympathisieren.”

“Mir ist das Kalifat egal und den Pilzen auch…”

“Die machen es mit den Menschen wie mit den Pilzen: Kopf ab! Das kann dir doch nicht egal sein?”

“Kopf ab ist ein bewährtes Rezept. Geschieht in Saudi-Arabien jede Woche. Abgesehen davon sind diese Terroristen ein Produkt der USA und wenn die nicht in den IRAK einmarschiert wären, gäbe es diese Probleme heute nicht.”

“Aber da war doch der Hussein, dieser fürchterliche Diktator. Da musste doch was gemacht werden. Genauso wie bei Assad und Gaddafi.”

“Aha, und jetzt ist es in diesen Ländern besser geworden? Etwa so wie in Afghanistan?”

“Leider nein, aber da sind diese Völker selber schuld. Der Westen wollte ihnen den arabischen Frühling bringen, samt Demokratie und Menschenrechten…”

“…jetzt nimmt du mich aber auf den Arm, Traumperlentaucher.”

Natürlich tat ich das. Aber wie sonst, konnte ich Melvin aus der Reserve locken. Er wollte einfach nicht verstehen, wie nahe die Welt am Abgrund entlang torkelte. Überall Krieg und Chaos.

“Du liest zuviel Nachrichten”, meinte er. “Du hast mir ja einmal selbst gesagt, dass ein Drittel davon abgeschrieben, ein Drittel frei erfunden und der Rest gelogen ist. Kümmere dich um die wirklich wichtigen Dinge und du wirst wieder ein optimistischer Mensch.”

“Danke für die Predigt”, sagte ich und verabschiedete mich.

“Woher weisst du, dass ich Pfarrer bin?”, rief er mir nach.

 



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