Ein Tag auf den Westmänner-Inseln – Teil 2

Von Cordula Kerlikowski


Nachdem ich im ersten Teil die Überfahrt, den Hafen und die Wanderung zum Fuß des Eldfell beschrieben habe, geht es nun hinauf auf den Vulkan!

Die Route ist gut ausgeschildert und führt zunächst um den Vulkankegel herum. Informationstafeln informieren unterwegs über die Insel, den letzten Vulkanausbruch sowie über die geothermale Wärmeversorgung und zeigen auch weitere Wanderrouten auf.

Während die dem Hafen und der Stadt zugewandte Seite des Eldfell im unteren Bereich stark mit Schlacken und Gesteinsbrocken übersät war, zeigte die andere Seite kaum etwas vom Chaos des letzten Ausbruchs. Schwarze Lava-Asche bedeckte sanft geschwungene Flächen, die teilweise schon wieder mit sattem Grün bewachsen waren.

Auf dem Weg zum Krater des Eldfell (c) ReiseLeise

Grasbewachsene Flächen am Eldfell (c) ReiseLeise

Gegenüber lag der Helgafell ebenso friedlich in der Mittagssonne. Von hier aus ist es kaum nachvollziehbar, welche Zerstörung ein Vulkanausbruch anrichten kann. Auch das Ausmaß des Eldfell-Kraters war noch nicht zu ermessen. So ging es erst einmal recht entspannt auf einem schmalen Pfad nach oben. Die Aussicht war traumhaft schön:

Blick auf den Helgafell (c) ReiseLeise

Auf dem Weg zum Eldfell-Krater (c) ReiseLeise

Beinahe hätten wir dann aber den Weg auf den Gipfel verpasst, denn hier fanden sich keine Markierungen mehr – oder wir haben sie übersehen. Hier ist es aber wie bei vielen anderen Hotspots auf Island: Ganz allein ist man fast nie und so genügt es, den Spuren der anderen zu folgen.

Nun wurde es tatsächlich beschwerlich: Es ging steil nach oben, die Füße versanken in der weichen Lava-Asche und wir mussten mit unseren dick beschuhten Füße kräftig auftreten um genügend Halt zu finden. Ich dachte schon mal an den Muskelkater der nächsten Tage…

Auf dem Weg zum Eldfell-Krater (c) ReiseLeise

Schlacke und Geröll am Eldfell (c) ReiseLeise

Beeindruckend, welche Farbenvielfalt hier zu sehen ist. Ich bin weder Chemikerin noch Geologin und kann somit nichts über die Zusammensetzung der Schlacke oder die Gesteinsarten sagen. Aber die prächtigen Rottöne stammen sicher von Eisenoxid-Verbindungen. Und Bimsstein war zu finden – den kenne ich noch von früher. Damals gehörte ein zu einer Maus geschliffener leichter Stein in jedes Bad.

Oben angekommen, bot sich ein atemberaubender Anblick über den Krater, die Insel und das Meer. Obwohl viele Wanderer auf dem Eldfell unterwegs waren, fand sich doch immer eine Möglichkeit, Fotos ohne Besucher aufzunehmen. Vielleicht ist das geschummelt, aber es zeigt doch anschaulich, wie begrenzt und naturabhängig der menschliche Bewegungsradius hier oben ist:

Panoramansicht vom Eldfell (c) ReiseLeise

(c) ReiseLeise

(c) ReiseLeise

(c) ReiseLeise

Es war interessant zu beobachten, wie sich immer wieder einzelne Menschen auf einen abgelegenen Platz zurückzogen, um mit sich und den Eindrücken allein zu sein. Das habe ich an vielen Orten in Island beobachtet und mir ging es ähnlich. Ich habe noch nie eine so tiefe innere Ruhe gefühlt wie in Island. Das klingt bis heute nach.

Natürlich gibt es auch die Tempo-Touristen, die den Berg hinauf stürmen, Fotos machen und wieder nach unten laufen. Noch dazu teilweise mit Ballerina-Schuhen und Bolero-Jäckchen. Nun ja…

Auch wir mussten irgendwann wieder hinunter um die Fähre zu erreichen. Beim nächsten Mal wäre es vielleicht doch eine Überlegung Wert, den Zeltplatz auf der Insel zu nutzen und einen Sonnenuntergang am Krater zu erleben…

Also zurück in die Zivilisation und in den Ort, zumal wir nun etliche Stunden straffes Wandern in den Beinen hatten. Vorbei an alten Häusern, winzigen Vorgärten und Verwaltungsgebäuden mit interessanter Architektur kamen wir rechtzeitig im Hafen an, um noch eine leckere Fischmahlzeit und einen Milchkaffee zu nehmen.

Imbiss “Fiskibarinn” 

hausgemacht: Fish and Chips im “Fiskibarinn”

Foto: (c) ReiseLeise

Foto: (c) ReiseLeise

Rathaus Foto: (c) ReiseLeise

Lavageröll hinter den Häusern

Lavageröll hinter den Häusern

Zurück im Hafen Foto: (c) ReiseLeise

Mindestens einen Tagesausflug sind die Westmänner-Inseln also Wert. Vor Reiseantritt sollte man sich für eine der vielfältigen Möglichkeiten entscheiden. Im Frühjahr ist es sicher spannend, die Papageitaucher zu beobachten. Auch eine Inselrundfahrt oder der Besuch der Ausgrabungsstätte (“Pompeji des Nordens”), die anschaulich darstellt, was sich beim letzten Vulkanausbruch zugetragen hat, sind empfehlenswert.

Und zum Abschied grüßt die Trollfrau des Künstlers  Smundur Sveinsson…

“Trollfrau” (c) Smundur Sveinsson

Foto (c) ReiseLeise