Ein Sommertag am Tegernsee: die volle Dosis Oberbayernidylle

Von Eva Grossert @HiddenGemReise

Der Tegernsee ist schon so eine Nummer. Zugegebenermaßen er erfüllt wirklich jedes Klischee und trägt nicht ganz zu Unrecht den Titel „Bonzensee“. Glasklares Wasser, türkisgrüner Schimmer, Berge, saftige Wiesen, blauer Himmel und weiße Schäfchenwolken.

Die Dichte an schwarzen SUVs und aufpolierten Cabrio Oldtimern sowie Trachtenjanker-Träger ist hoch. An jedem noch so winzigen Balkon bunte Geranien und ein ungepflegtes Eckchen muss man schon mit der Lupe suchen.

Fast könnte man meinen, die Welt ist hier noch in Ordnung. Ist sie nicht, doch als Besucher am Tegernsee darf man alles Unheil kurzzeitig vergessen.

Nicht umsonst lieben wir Münchner und vermutlich die gesamte arabische Halbinsel ihn so innig. Ich bin auch nur so ein Schaf, ein Herdentier, bilde da keine Ausnahme.

Doch am Wochenende meide ich ihn wie die Pest. Wer es dennoch nicht lassen kann, dem sei geraten, frühzeitig aus den Federn zu springen. Vor 8.00 Uhr solltet Ihr Holzkirchen passiert haben, sonst rollt Ihr gnadenlos mit der Blechlawine.

Der perfekter Tag am Tegensee

Ein Patentrezept habe ich nicht, für den perfekten Sommertag am See, aber Vorlieben. Ich starte mit leeren Magen, weil ich, respektive wir, wenn wir als Familie Schlafeule unterwegs sind, wie immer nicht aus dem Bett kommen. Das Frühstück schmeckt aber in Rottach Egern im Café Sissi ohnehin am besten. Kaiserlich lässt es sich dort speisen. Gar nicht plüschig sondern „zünftig industrial“. Oder wie soll man den Stil im Alpenvorland sonst nennen?

Eigentlich schon zu spät, die ersten Bergfexe kommen uns schon wieder entgegen, aber eine kleine Bergtour geht allemal. Wenigstens einmal den Wahnsinnsblick vom Gipfel auf den See genießen. Die meisten Wege sind schattig, da lässt sich auch die Hitze ertragen. Ich empfehle den Aufstieg zum Wallberg (okay, ich berichtige meine Aussage, hier müsst Ihr das letzte Stück in der Sonne verharren) oder zur Neureuther Hütte.

Beides äußert beliebt, da auch von Orientierungslosen, mit viel Ballast um die Hüften oder gar fußkranken Kindern (wozu auch meines gehört) zu bewältigen.

Baden am Tegernsee

Am frühen Nachmittag sind wir zurück. Ab in den See. Wer rund um den Tegernsee keine geeignete Badestelle findet, ist selbst schuld. In Rottach Egern den öffentlichen, kostenlosen Badestrand nutzen. Mit großem Spielplatz, Kiosk und Liegewiese. Das Strandbad Seeglas in Gmund, das urige Strandbad Griegblinger mit frisch gebrautem Filterkaffee, hausgemachtem Kuchen und Omambiente oder ein bisschen versteckter das Kaltenbrunner Strandbad, bzw. die folgende Badebuchten auf dem Spazierweg.

Sehr gerne empfehle ich die Badewiese „Popperwiese“ am Ringsee. Warum die so heißt, müsst ihr bitte einen waschechten Tegernseer fragen und mir dann auch verraten. Der Ringsee ist kein eigener See, aber er ist vom Hauptteil des Tegernsees durch die unbewohnte Ringseeinsel ein wenig abgetrennt.

Wer’s exklusiver mag, mietet eine Liege im Beachclub am Bistro “Fährhütte 14″ in Rottach Egern – ja, auch das gibt’s am Tegernsee. Man muss dafür zwar ein paar Euro locker machen, dafür geht es in diesem Naturbad deutlich ruhiger zu. Wenn alle Liegen belegt sind, ist die Hütte dicht.

Einkehren am Tegernsee

Am Abend, wenn der kleine Hunger kommt und die Lust auf ein ungezwungenes Biergartenerlebnis steigt, wird es meiner Meinung nach schwierig. Denn wer nach Tegernsee kommt, geht ins Bräustüberl. Und genau das ist der springende Punkt. Da geht jeder hin, also ist da immer voll. Weiterhin mag es im Bräustüberl zwar hervorragendes Bier geben, was mir jedoch ziemlich wurscht ist, denn ich nippe maximal einmal an einem Radler. Ansonsten hat es für mich eher mit den Jahren an Qualität und Urigkeit verloren. So nun Ihr, Ihr Bräustüberl-Jünger geht auf mich los.

Mit großem Bedauern musste ich auch feststellen dass es den Sappl Keller Biergarten in Abwinkel nicht mehr gibt. Was ist da los?

Wohin also, wenn es möglichst unkompliziert sein soll? Herr Käfer, die Münchner Größe, hat sich da was überlegt und alles richtig gemacht. Er hat dem wunderschönen, seit Jahren brachliegenden Gut Kaltenbrunn neues Leben eingehaucht. Umgebaut, angebaut und aufwendig saniert wurde es und beherbergt nun eine Gaststätte und einen (Familien-)Biergarten mit phänomenalem Weitblick über den gesamten Tegernsee. Hier war wirklich jemand mit Liebe und Feingefühl am Werk.

Es gibt Obazdn und Aufstriche in Weckgläsern, statt Plastik rustikale Ofentabletts aus Emaille und frischen Wildkräutersalat statt Kartoffelsalat aus dem Kübel. Und das alles unter saftigen Apfelbäumen. Schafe grasen gemächlich auf der Wiese, Kinder toben auf den Klettergerüsten in Hanglange und wir lehnen uns entspannt zurück, relaxen und genießen die Aussicht.

Mehr Idylle geht nicht, sonst schmerzt es!

Besser kann man einen Wander- oder Badetag am Tegernsee kaum ausklingen lassen.

Dann fahrt aber bitte alle auch schön wieder nach Hause, damit die Tegernseer die Kulissen endlich wieder abbauen und durchschnaufen können.

Satt, zufrieden pleite seid Ihr jetzt sowieso.

Da geht´s lang (Adressen):


Essen/Biergarten

Café Sissi: Nördliche Hauptstraße 35, 83700 Rottach-Egern www.cafe-sissi.de

Gut Kaltenbrunn: Kaltenbrunn 1 , 83703 Gmund www.kaefer-gut-kaltenbrunn.de

Bräustüberl: Schloßpl. 1, 83684 Tegernsee www.braustuberl.de


Baden

Badestrand Rottach Egern: Weißachdamm 33, 83700 Rottach-Egern

Strandbad Seeglas: Seeglas 1, 83703 Gmund – www.strandbad-seeglas.de

Strandbad Grieblinger: Am Strandbad 12, 83707 Bad Wiessee – www.grieblinger.de

Strandbad Kaltenbrunn: Zum Seeblick 9, 83703 Gmund

Beachclub Fährhütte 14: Weißachdamm 50, 83700 Rottach-Egern – www.faehrhuette.de