Ein Mann mit Stärken und Schwächen - "Selma" präsentiert Martin Luther King nahe an der Wirklichkeit

Erstellt am 30. Juni 2015 von Bandrix @cityofcinema1

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„Selma“ – das ist ein Quell der Hoffnung für Afroamerikaner. Es ist der Ort, an dem sie sich über Rassisten in der Bevölkerung als auch in hohen Regierungskreisen hinwegsetzen konnten. Die Selma-Nach-Montgomery-Märsche gingen in die Geschichte ein, als Schwarz und Weiß nebeneinander standen und für Gleichheit einstanden. In Zeiten von Rassenaufständen und Rassenmorden in Charleston fünfzig Jahre später zeigt sich: Die USA haben den Traum Martin Luther Kings immer noch nicht erreicht. Sie kratzen – wenn überhaupt – lediglich an seiner Pforte.
Regisseurin Ava DuVernay zeichnet ein vielschichtiges Bild jener Zeit und rückt die Machtkämpfe zwischen Martin Luther King und dem damaligen Präsidenten Lyndon B. Johnson in den Vordergrund. Nun mag der Zweifler folgendes denken: Dem Amerikaner ist ein Film über die Rassentrennung das, was den Deutschen der Zweite-Weltkriegsfilm ist. Diese Themen finden immer ihre Geldgeber und sind meist von identischem Aufbau. DuVernay findet jedoch frische Ansätze. 

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Ihr Martin Luther King ist kein Mann mit weißer Weste. Er weiß genau um der Wirkung seiner Selbst und seiner Demonstranten in der Öffentlichkeit. Er nimmt Opfer in Kauf um für seine Sache zu instrumentalisieren, denn Erfolg wird er nur haben, wenn die Fernsehkameras auf Selma gerichtet sind. Auch Gerechtigkeit benötigt eben Publicity. Im Gegenzug wird deutlich, wie schwierig es für Johnson gewesen sein muss, die politischen Kräfte im Gleichgewicht zu halten. Vorsichtiges Taktieren, Zugeständnisse hier, Zugeständnisse dort. Es gibt kein Schwarz und Weiß, jedenfalls nicht in der Politik. 
So entsteht ein faszinierendes Biopic, das sogar – als erster Film über Martin Luther King – seine außerehelichen Affären erwähnt. Bislang verhinderten die Erben Kings solche Szenen im Film. Ein Widerstand, an dem sogar schon renommierte Regisseure wie beispielsweise Paul Greengrass („Bourne Ultimatum“) oder Oliver Stone („Platoon“) scheiterten. King ist kein Heiliger gewesen und war deshalb so erfolgreich. Er war ein Mensch mit Stärken und Schwächen, kein Gott. 
Da verzeiht man Schwächen im Drehbuch. Die Gefolgsleute Kings sind zwar häufig zugegen, werden aber kaum thematisiert. Ein Gesicht reiht sich an das Nächste, ohne das eine Geschichte dazu erzählt wird. Weder bleiben Namen hängen, noch lässt sich Sympathie für sie entwickeln. Da helfen auch keine bekannten Gesichter in den Nebenrollen. Hier wäre mehr Konzentration auf entweder King, oder seine Organisation vonnöten gewesen. Beides gleichzeitig schadet der emotionalen Durchschlagskraft des Films. Allerdings versöhnt der oscarprämierte Titelsong von John Legend und Common doch wieder. „Selma“ ist ein Film, wie er aktueller nicht sein könnte und war deshalb in den USA so erfolgreich. 

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BEWERTUNG: 07/10Titel: SelmaFSK: ab 12 freigegebenLaufzeit: 125 MinutenGenre: Biopic, DramaErscheinungsjahr: 2015Regisseurin: Ava DuVernay Darsteller: David Oyelowo, Tom Wilkinson, Eric Roth, Wendell Pierce, Common, Giovanni Ribisi, Tessa Thompson, Carmen Ejogo, Cuba Gooding Jr.Oprah Winfrey