Ein Leben für den Lehmbau: Manfred Fahnert

Manfred Fahnert in Marokko

M. Fahnert in Marokko

Lehmbau-Workshops in Marokko, interkultureller Austausch, das handwerkliche Tagesgeschäft im eigenen Betrieb und regelmäßige Fachvorträge zum Thema Denkmal-Sanierung – der gelernte Zimmermann Manfred Fahnert widmet sein Leben in vielfältiger Weise dem Erhalt historischer Bausubstanz und der Vermittlung des hierfür notwenigen Wissens.

„Nach einer Woche fallen die meisten in ein Loch. Da kommt so ein Tief, ein Durchhänger, und fast alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden dann von einer Art existenzieller Müdigkeit erfasst. Wenn die gewohnten Alltagsstrukturen nicht mehr gelten und sie merken, dass ihre übliche Herangehensweise an die Dinge hier nicht funktioniert.“ „Hier“, das ist die Kasbah Asslim am Rande der der marokkanischen Stadt Agdz. Dort kam Manfred Fahnert 1997 zum ersten Mal mit der Sippe des Caid in Kontakt, derjenigen Familie, die schon seit 450 Jahren das Gebiet südlich des Atlas-Gebirges besiedelt. Er war seinerzeit gemeinsam mit der Fotografin Stephanie Witzel dorthin gereist, um eine Fotodokumentation über den Marokkanischen Lehmbau zu machen. Es war M`Barek, ein Sohn ihres damaligen Gastgebers, der den Vorschlag machte, gemeinsam Schäden an den Arkadensäulen zu reparieren.

Ein Leben für den Lehmbau: Manfred Fahnert

"Lehmexpress"-Teilnehmer beim Workshop in Agdz 2011


Gewohntes loslassen, Neues zulassen

„Manche kommen mit der falschen Erwartungshaltung her, das sei so ein Workshop, wo sie diese und jene Technik beigebracht bekommen und das sei es dann. Dann gibt es das andere Extrem, das sind die, bei denen ich denke: ‚haben die sich die Beschreibung denn vorher gar nicht durchgelesen?‘ Die wollen am liebsten ganztägig ein Schwätzchen halten, ein wenig fachsimpeln und das schöne Wetter genießen und sind völlig baff, dass sie hier mit anpacken sollen.“ Manfred Fahnerts Aufzählung typischer Missverständnisse durch Teilnehmer am „Lehmexpress“-Projekt illustriert anschaulich ein wesentliches Charakteristikum dieser außergewöhnlichen interkulturellen Initiative. Es geht um aktiven Austausch und voneinander Lernen bei der gemeinsamen Arbeit am Projekt. Gewohntes loslassen, Neues zulassen und seine Rolle im Team offen, aufmerksam und ohne Egoismus ausfüllen.

Restauriert von den Lehmexpress-Teilnehmern: Terasse in der Kasbah Caid Ali

Restauriert von den Lehmexpress-Teilnehmern: Terasse in der Kasbah Caid Ali

„Das Ganze hat auch eine philosophische Ebene. Man verlässt die gewohnte Umgebung und taucht ein in eine neue, unbekannte Welt. Nach ein paar Tagen fangen die Menschen an, von Krankheiten und Sorgen zu erzählen. Es entstehen gruppendynamische Prozesse und die Dinge bekommen eine fast therapeutische Dimension.“ Mit jedem Wort das Manfred Fahnert wohl abwägend formuliert, komplettiert sich das Bild eines Mannes, der über das Handwerk zu tieferen Idealen gefunden hat. In den vier Wochen, die er jedes Jahr im Frühjahr in Marokko verbringt tankt er, nach eigener Aussage, die Energie für den Rest des Jahres. Die kann er auch gebrauchen. Wenn der gelernte Zimmermann nicht gerade Vorträge hält oder seine Meinung als Lehmbau-Experte gefragt ist, betreibt Fahnert daheim im Westerwald ein Lehmbau-Unternehmen, das in zahlreiche Bau- und Restaurierungsprojekte privater und öffentlicher Bauherren eingebunden ist.

Manfred Fahnert (r.), Initiator der Ersten Westerwälder Lehmbautage 2010 in Hachenburg, mit dem Theologie-Professor Klaus Otte und Tochter Eva Maria Kagermann-Otte.

Manfred Fahnert (r.), Initiator der Ersten Westerwälder Lehmbautage 2010 in Hachenburg, mit dem Theologie-Professor Klaus Otte und Tochter Eva Maria Kagermann-Otte.

Nur noch gesunde und natürliche Materialien

„Ich mache allerdings keine Kompromisse mehr und nehme nur noch Aufträge an, in denen zu 100 Prozent gesunde und natürliche Materialien verarbeitet werden“, so Manfred Fahnert. Seine langjährige Erfahrung im Bereich Fachwerksanierung hat bei ihm zu einer immer kritischeren Einstellung zu modernen, chemisch aufbereiteten Baustoffen geführt. „Immer wieder traf ich auf Situation, in denen die Verwendung moderner Baustoffe zu großen Schäden an historischen Gebäuden geführt hatte. Die enorm hohe Zahl schwer geschädigter Fachwerk-Gebäude, die ich im Laufe meines Berufslebens vorfand war eine entscheidende Motivation für mich, neben dem handwerklichen Tagesgeschäft regelmäßig Fachvorträge zu halten, in denen ich mein Wissen um den sinnvollen Einsatz natürlicher und nachhaltiger Baumaterialien weitergebe.“

Arbeiten zusammen: Vater Manfred Fahnert (l.) und Sohn Antonius Sörgel

Arbeiten zusammen: Vater Manfred Fahnert (l.) und Sohn Antonius Sörgel

Bei diesem Tagesgeschäft bekommt Manfred Fahnert mittlerweile tatkräftige Unterstützung vom eigenen Nachwuchs. Vor kurzem entschloss sich Fahnerts Sohn, nach einer erfolgreich abgeschlossenen Ausbildung zum Sanitär-Installateur und drei absolvierten Gesellenjahren, dem Beispiel des Vaters zu folgen und sich ebenfalls ganz dem Thema des nachhaltigen Bauens mit traditionellen Techniken zu widmen. „Antonius war als kleiner Junge oft mit in Marokko. Dass er sich jetzt, nach abgeschlossener Ausbildung und 3 Jahren Berufserfahrung im Installateur-Handwerk bewusst für den Lehmbau entscheidet und mit mir zusammenarbeitet, freut mich natürlich. Er lernt sehr schnell, ist künstlerisch begabt – er ist auch Graffiti-Sprayer – und bereichert unsere gemeinsame Arbeit mit gekonnten Handzeichnungen und Entwürfen. Demnächst wird er beim Dachverband Lehm e. V. die Weiterbildung zur Fachkraft Lehmbau absolvieren.“
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Der Kölner Filmemacher Norbert Dennig dokumentierte Manfred Fahnerts interkulturelle Arbeit in Marokko in Form einer sehenswerten philosophischen Meditation über Begegnung, Freundschaft und Musik:


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