Ein Konzertabend mit vielen Facetten

Ein Konzertabend mit vielen Facetten

Gautier Capucon (c) Virgin

Das letzte Symphoniekonzert im Oktober, welches das OPS in Straßburg aufführte, war zum großen Teil dem herannahenden Trauergedenktag, dem 1. November verpflichtet. Aber dennoch war es nicht die große Trauer, die bei diesem Konzert gefühlsmäßig überbracht wurde, sondern viel mehr jene Art von Traurigkeit, in die man manchesmal fast verliebt ist, ob ihrer Schönheit. Gleich zu Beginn überraschte der junge, aus Wien stammende Dirigent Christian Arming das Publikum mit einem leider viel zu selten gespielten Stück des polnischen Komponisten Witold Lutoslawski. Seine „Trauermusik für Streicher“ zeigte, wie schön sich ein gut durchdachter Kontrapunkt anhört, auch wenn sich der Komponist im 20. Jahrhundert schon weit von herkömmlichen, historischen Kompositionsschemata befunden hat. Das Bela Bartok gewidmete Stück bezauberte nicht nur aufgrund seiner kompositorischen Finessen, sondern vor allem durch die zarten, dunklen Stimmungen, die teilweise in Spannung kippten, um im Finale in einem zarten Cellosolo, schön von Alexander Somov gestaltet, mehr sinnend denn traurig zu verklingen.

Dass Arming in seiner Arbeit das Orchester mehr unterstützt als diktiert, war schon nach diesem ersten Auftritt klar. Seine feinen Gesten, die sich zur beredten Körpersprache hinzugesellen, illustrierten die Musik mehr als dass sie die Musikerinnen und Musiker ermahnten. Als Einspringer für den erkrankten Heinrich Schiff, der das OPS an diesem Abend auch vom Cello aus leiten hätte wollen, oblag ihm die nicht ganz leichte Aufgabe ein sehr breit gefächertes Repertoire zu dirigeiren.  Mit Saint-Saëns` Cellokonzert Nr. 1 op. 33 erklang nach Lutoslawski eines jener Werke, welches dem Solisten alles bietet, was er sich von einem Solokonzert nur wünschen kann. Virtuose Passagen, aber auch Lyrik pur können aufgeboten werden und einer Publikumsumgarnung steht dabei nichts im Wege. Gautier Capuçon, an diesem Abend ebenfalls für Schiff eingesprungen, wurde seinem Ruf völlig gerecht. Jung und dynamisch, mit Kraft und gleichzeitig großer Innigkeit bezauberte er auch in der anschließenden Elegie von Fauré. Das Wohlklang durchströmende Werk zeigte aber auch schön, dass Capuçon nicht nur jeden einzelnen Takt seines Partes bis in den letzten Winkel ausfüllt. Es gab keine Sekunde, in der er nicht ganz in die Musik versunken war und mitlebte, auch wenn er nicht zu spielen hatte. Seine Kraft und Ernsthaftigkeit scheinen dem tatsächlichen Alter (geb. 1981) weit voraus, man darf gespannt sein, wie sich das Ausnahmetalent in der Musik weiter entwickeln wird. Mit einem kleinen Marsch von Prokofiew für Cellosolo verabschiedete sich Capuçon vom Publikum und brachte dabei noch einmal den Klang seines wunderbaren Instrumentes voll zur Geltung. Sein Äußeres knüpft an jene Zeiterscheinung an, in welcher eine musizierende Jugend optisch abseits vom Konzertestablishment förmlich zelebriert wird. Mit seiner gewinnenden Art bringt er tatsächlich eine wohltuende Frische in den Konzertsaal und zieht damit sicherlich auch verstärkt jüngeres Publikum an.

Zum Schluss stand – quasi als Kontrastprogramm – Joseph Haydns Symphonie Nr. 82 auf dem Programm, die zu seinen Lebzeiten auch vom Pariser Publikum sehr geschätzt war. Sie war kurzfristig im Tausch gegen das vorhergesehene opus 98 auf das Programm gesetzt worden. Das zuvor gespielte französische Programm, dass dem OPS auf den Leib geschrieben ist, musste gegen die barocken Klangsensationen des österreichischen Altmeisters eingetauscht werden. Haydn mit all seinen Brüchen und Schärfen zu interpretieren bedarf jedoch einer langen Probenzeit oder eines Ensembles, das auf Barockmusik spezialisiert ist. Und so gab es, nicht verwunderlich, einen eher streichelweichen Haydn, der zwar Wohlklang verbreitete, der jedoch ein wenig mehr Biss und Witz vertragen hätte.

 

Verfasser: Michaela Preiner

 


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