Ein kleiner Stern, der uns Hoffnung macht

Von Wernerbremen

"Für mich ist das Leben kein kurzer Kerzenstummel. Es ist eine Art wunderbarer Fackel, die ich für einen Moment halten darf."
George Bernard Shaw

Ihr Lieben,
ich möchte Euch heute die Geschichte eines unbekannten Autors erzählen:
„Der kleine Stern“

„Wieder war er allein und traurig. So fand ihn der Mond auf seiner nächsten Reise.
„Warum bist Du so traurig, kleiner Stern?“ fragte er.
Erschrocken blickte der kleine Stern zur Seite. Er war es nicht gewohnt, dass sich jemand Zeit für ihn nahm. Doch der Mond schaute ihn so freundlich an, dass er beschloss, seinen Kummer zu erzählen.

Er sprach von seinen Sorgen, seinen quälenden Gedanken und seinen heimlichen Wünschen. Während der ganzen Zeit hatte ihn der Mond nicht ein einziges Mal unterbrochen.

Und auch jetzt — der kleine Stern schwieg schon lange — zeigte der Mond keine Reaktion.
Es schien, als lauschte er auch dem Schweigen. Dann endlich begann er zu reden:
„Sieh mal, kleiner Stern, bei uns am Himmel ist es wie bei den Menschenkindern dort unten auf der Erde — auch sie leuchten alle verschieden. Manche siehst Du schon von weitem, doch wenn Du neben ihnen stehst, wird Dir plötzlich kalt. Und dann gibt es welche, da musst Du schon genau hinsehen, damit Du nicht an ihnen vorübergehst. Wieder andere leuchten auf ganz sonderbare Art und Weise. Es ist nicht das Licht, sondern die Wärme, die leuchtet. Und so verschieden sie auch sind, eines haben sie alle gemeinsam — sie brauchen einander!
Der große Mensch den kleinen, der Kühle den, der Wärme gibt.

Unser Sternenhimmel wäre nicht vollkommen, wenn es Dich nicht gäbe."

Plötzlich verstand der kleine Stern. Entschlossen wischte er sich die Tränen ab, reckte sich und fühlte sich auf einmal unendlich wichtig. Und er strahlte.
Er strahlte zwar immer noch nicht heller als vorher, aber was machte das schon. Er war glücklich.“
Ihr Lieben,
diese kleine Geschichte ist eigentlich eine Geschichte für Kinder, aber ich gebe zu, sie berührt mich tief in meinem Herzen, denn sie trägt so feine wichtige Wahrheiten in sich:
Auch wir fühlen uns oft wie dieser kleine Stern, auch wir werden manchmal von unseren Sorgen, Nöten und Schwierigkeiten niedergedrückt und andererseits schlummern in unserem Herzen tiefe Wünsche und Sehnsüchte.
Die Lage in Japan verdeutlicht uns ins aller Klarheit, worauf es wirklich ankommt:
Es kommt nicht, wie uns die Werbung einreden will, an auf MEIN HAUS, MEINE JACHT, MEIN BANKKONTO, MEIN AUTO.
Wichtig ist, wie wir Menschen miteinander umgehen, dass wir anfangen, in unserer eigenen persönlichen Umgebung menschliche Wärme zu verbreiten.
Und das beginnt damit, dass wir, wie in der Geschichte, einander zuhören, offen sind für das Leid und die Sehnsüchte des Anderen.
Und das Zweite, was uns diese Geschichte lehren möchte, ist dies:
Auch wenn wir nur ganz kleine Sterne sind – und als solchen sehe ich auch mich – dann darf uns das nicht mutlos machen nach dem Motto: Ich kann ja doch nichts ausrichten.
Nein, genau die andere Haltung ist gefragt:
Jeder Einzelne von uns ist etwas Besonderes, jeder Einzelne von uns hat Eigen-schaften, die kein Anderer hat und diese wunderbaren Eigenschaften können wir in diese Welt einbringen.
Wenn ich jetzt z.B. Euch anbieten würde, Euch persönlich zu helfen, wenn Ihr einen Handwerker braucht, dann wäre das nicht gut, der Schaden wäre hinterher sicher noch größer als vorher. Meine Stärke liegt nicht im Handwerklichen, dafür kann ich aber Geschichten erzählen, weil ich selbst viel Schweres erlebt habe.
Ihr Lieben,lasst uns jeden Tag wie ein kleiner Stern leuchten in der Finsternis dieser Welt, lasst uns niemals aufgeben, sondern lasst uns mutig weiter strahlen in dem Wissen, dass die Finsternis dieser Welt unser Licht nicht auslöschen kann.
Wenn ein Unglück wie das in Japan überhaupt einen Sinn haben kann, dann den, dass die Menschen endlich erkennen, dass das Wichtigste im Leben die menschliche Zuwendung, die menschliche Liebe, das Zueinanderstehen, das Füreinanderdasein, die gegenseitige Ermutigung sind und nicht Besitz und Reichtum.
Ich wünsche Euch, dass Ihr Euch nicht zu viel sorgt, sondern Euren Blick nach vorne richtet und mithelft, diese Welt für unsere Kinder und Enkelkinder zu bewahren und zu retten.
Euer sehr nachdenklicher, aber dennoch zuversichtlicher Werner 

Das Foto wurde von Karin Heringshausen zur Verfügung gestellt