Ein klares NEIN zu Pegida

Von Bertrams

Ein Gespenst geht um in Deutschland, das Gespenst der sogenannten Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes, kurz PEGIDA. Dieses Gespenst unterwandert von Dresden aus die Mitte der Gesellschaft und zeigt, wie Dünn die Tünche des Humanismus und der Toleranz in Deutschland tatsächlich ist.

In Sachsen leben rund 28.000 Muslime, weit weniger als 1 % der Bevölkerung. Trotzdem haben immer mehr Dresdener Bürger Angst vor einer Überfremdung, vor einer Islamisierung des Abendlandes. Seit Monaten nehmen Montag für Montag mehr und mehr Menschen an den sogenannten Stadtspaziergängen teil. Nicht von ungefähr erinnert dies an die zunehmenden Teilnehmerzahlen der Montagsdemonstrationen im September und Oktober 1989 in vielen Städten der ehemaligen DDR. Auch heute rufen die Bürger, teilweise sogar dieselben wie damals: “Wir sind das Volk!” Aber diesmal geht es um die Verbreitung einer rechtsextremen, rassistischen Gewaltideologie. Sie soll Einzug halten in die deutsche Gesellschaft, und die berechtigten Existenzängste der Menschen sind ihre Einfallstore.

PEGIDA fordert von der Politik Dialogbereitschaft, lehnt aber selbst alle Gespräche ab, vor allem mit Journalisten. Die Medien werden als gleichgeschaltet und als Lügenpresse bezeichnet. Öffentlich verbreiten sie, ihre Meinung werde unterdrückt, doch Woche für Woche treffen sich tausende in Dresden, und die Medien verbreiten ihre kruden Thesen. Dass es auch Medien gibt, die ihre Thesen ablehnen, nennt man Meinungsfreiheit, und das müssen sich die Neonazis von PEGIDA auch gefallen lassen. Auch müssen sie sich anhören, dass es absurd wirkt, wenn die Forderung nach Null-Toleranz gegenüber straffällig gewordenen Ausländern von einem ehemaligen Knastbruder und Justizflüchtling verbreitet wird, der wegen vieler Delikte, darunter auch gewaltsame, im Gefängnis gesessen hat. Doch wie immer ist der einzig mögliche Weg, mit diesen Chaoten umzugehen, ihre Thesen sachlich zu widerlegen, auch wenn es manchmal schwer zu ertragen ist, wieder und wieder dieselben Vorurteile zu hören und widerlegen zu müssen.

Eine Überfremdung ist bei weniger als 1 % der Bevölkerung wohl nicht zu befürchten. Auch die These, dass sich alte Menschen nicht mal den Christstollen leisten können, während Flüchtlinge in saus und braus leben, ist einfach nur Propaganda. In den Flüchtlingsheimen gibt es Misshandlungen, einige Flüchtlinge schlafen unter freiem Himmel wie in Bayern, sie erhalten lediglich Nahrung, unterkunft und Kleidung, aber nur extrem wenig Bargeld. Die Unterkünfte sind dazu noch Gemeinschaftsunterkünfte. Unabhängig davon stimmt es natürlich, dass die Altersarmut zunimmt, aber daran sind nicht die Ausländer schuld, sondern das falsche Versprechen von den blühenden Landschaften und die menschenverachtende Sozialpolitik. Manche Politiker fordern, die Ängste der PEGIDA-Demonstranten ernstzunehmen, aber ich kann keine berechtigten Ängste erkennen. Wenn man nicht mal einen Ausländeranteil von weniger als 1 % der Bevölkerung ertragen kann, wie tolerant ist man dann eigentlich?

Sie wollen sich nicht in eine rechte Ecke stellen lassen, reagieren auf Kritik aber extrem aggressiv. In den Demonstrationen laufen Funktionäre der NPD und der AFD mit. Das wird stillschweigend hingenommen oder mit der Versammlungsfreiheit gerechtfertigt. So fischt man am rechten Rand.

Nein: Ich habe keine Lust mehr, Thesen mit ruhiger Stimme und sachlichem Wort zu widerlegen, die immer wieder und wieder von neuem aufgewärmt werden, ohne den Gegenargumenten auch nur zuhören zu wollen. Ich habe keine Lust mehr, gegen eine Wand aus Menschenverachtung, Intoleranz, Egoismus und dumpfer Angst anzurennen, solange nicht im Mindesten der Wunsch besteht, andere Meinungen wenigstens in Betracht zu ziehen. Es sind dieselben Thesen, die seit Jahrzehnten immer wieder als Vorwand für Menschen- und Völkerhass herhalten. Vielleicht liegt diese Menschenverachtung den Deutschen im Blut? Anders kann man das kaum noch erklären. In offeneren Weltgegenden nennt man die PEGIDA-Bewegung unappetitlich, aber ich möchte fast sagen, sie ist deutsch. Natürlich gibt es auch in anderen Ländern rechtsradikale Parteien und Gruppen. Frankreich, die Niederlande, Belgien, Österreich, Italien, Schweden, Großbritannien, die Schweiz und die Ukraine mögen als Beispiele genügen. Aber nur in Deutschland und den uns benachbarten Niederlanden scheint der Ausländerhass am größten zu sein, wo es gar keine Ausländer gibt. Und bei uns wiegt der Rechtsradikalismus schwerer, weil wir es doch nun wirklich besser wissen müssten. Aber ach: Wenn man an die dunkle Vergangenheit Deutschlands erinnert, wo Menschenhass zum Staatsziel wurde, wird einem ja heute die Nazikeule mit den Worten vorgeworfen: Mit der Vergangenheit müsse auch mal schluss sein.

Nein, verdammt noch mal! Mit der Vergangenheit istt nicht schluss, solange es Organisationen wie PEGIDA gibt, solange Menschen zu Kriminellen gestempelt werden, nur weil sie eine bestimmte Religion oder ein bestimmtes Herkunftsland haben. Da können die PEGIDA-Demonstranten noch so oft: “Wir sind das Volk” rufen. Sie sind noch nicht das Volk, sondern nur seine schlimmste Ausgeburt. Wenn sie eines Tages wieder das Volk werden, und diese Möglichkeit besteht immerhin, dann wünsche ich mir, auf Deutschland träfe das Wort zu, das einst von einem Poeten über Karthago gesagt wurde: “Es war noch mächtig nach dem ersten, noch bewohnbar nach dem zweiten, doch nicht mehr aufzufinden nach dem dritten Krieg.”

Nachtrag: Einige Wochen nachdem ich diesen Beitrag schrieb habe ich doch ein wenig Hoffnung. Es gibt Gegendemonstrationen, und dort, wo der Ausländeranteil groß ist, im Westen der Republik, kann Pegida nicht Fuß fassen. Vielleicht geht es nur dort, wo die Angst stärker ist als das tatsächliche Erleben des Miteinanders.

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