Ein Jahr alternatives Suchen

Von Florianmenzinger
Eine Websuche benötigt so viel Energie, wie man braucht um eine Tasse Tee zu erhitzen

Damit hätte ich nun gar nicht gerechnet. Natürlich braucht mein Computer Strom, wenn ich ihn nutze und auch die Serveranlagen der Suchmaschinen haben ihren Energieverbrauch. Aber dass der Verbrauch so enorm sein kann?

Die Ähnlichkeit zur Suchmaschine Bing ist nicht zu übersehen

Zwischen 200 und 400 Gramm CO2 verbraucht somit ein durchschnittlicher Nutzer jährlich, nur durch Suchanfragen bei Google, Bing und Co. Um diese Auswirkungen von Suchanfragen auf die Umwelt etwas zu neutralisieren, wurde vor genau einem Jahr, am 7. Dezember 2009, die Suchmaschine Ecosia ins Leben gerufen. Ecosia selbst ist jedoch keine eigenständige Suchmaschine: Der eigentliche Suchvorgang wird von Bing und Yahoo bearbeitet.
Aber was macht Ecosia besser? Ecosia verwendet zunächst einmal Ökostrom von Greenpeace Energy, um ihre eigenen Server zu betreiben. Der größte Vorteil liegt allerdings darin, dass durch die Suchanfragen Regenwaldflächen geschützt werden. Das Unternehmen selbst wirbt mit 2m² pro Suchanfrage, was allerdings werbefreundlich vereinfacht dargestellt ist, da die Funktionsweise zu komplex ist, um eine solche Aussage treffen zu können.
Wie funktioniert Ecosia? Die Suchanfragen werden wie bereits erwähnt von Bing und Yahoo bearbeitet. Wie von allen großen Suchmaschinen gewohnt, gibt es auch bei Ecosia sogenannte "gesponserte Links", also Werbung. Genau das sind die Einnahmequellen der Betreiber. Die Einnahmen dieser Werbe-Links werden dann zu 80% an den WWF zur Aufrechterhaltung bereits bestehender Regenwaldschutzgebiete gespendet. Die übrigen 20% werden nach Aussage des Gründers, Christian Kroll, für die Gehälter der MitarbeiterInnen, Server und Domains, sowie für Werbung und Marketing verwendet.
Nach Angaben von Ecosia bringt eine Suchanfrage aufgrund der gesponserten Links im Durchschnitt 0,13 Cent ein. Hochgerechnet bedeutet das, dass pro Suchanfrage durchschnittlich 0,1 Cent zum Schutz des Regenwaldes erwirtschaftet werden. Mit einer ähnlichen Hochrechnung kommt Ecosia auf die 2m² geschützten Wald pro Suche. Etwa fünf Euro werden demnach benötigt, um einen Hektar Regenwald zu schützen.

Transparenz

Den Einblick, den Ecosia in die genauen Zahlen und Statistiken bietet, halte ich jedoch für zu gering. Sie veröffentlichen zwar stets die Quittungen der Überweisungen an den WWF, legen jedoch nicht offen, welchen Anteil des Umsatzes die Anbieter Bing und Yahoo bekommen und wie deren Klimaverträglichkeit ist, bzw. woher diese ihren Strom beziehen.

Kritik

Es wurden in den letzten zwölf Monaten auch einige Kritikpunkte an Ecosia herangetragen, die leider teilweise unbeantwortet blieben: So stellt sich zum einen die Frage, ob es nicht nachhaltiger und umweltschonender wäre, herkömmliche Suchmaschinen zu verwenden, da man dadurch weniger Energie benötigt, als bei der "Doppelsuche" über Ecosia und den Anbietern Bing und Yahoo. Dies wird jedoch nach Angaben der Betreiber durch die geschützte Fläche Regenwald locker neutralisiert, sodass man durchaus von einer positiven Klimabilanz sprechen kann.

Werbung von Ecosia steht
im Mittelpunkt der Kritik

Darüber hinaus bemängeln Kritiker, dass falsche Versprechungen gegeben werden. Es sei falsch, dass Ecosia 2m² Regenwald pro Suche rettet; lediglich bereits geschützter Wald werde weiterhin geschützt. Nun, das Argument ist richtig, aber meiner Ansicht nach zu kleinlich: Denn Ecosia verwendet eben einfache Marketing-Tricks um die User schnell überzeugen zu können - das ist legitim. In den Informationsseiten der Suchmaschine ist dann die Funktionsweise genau beschrieben. Und der weitere Schutz bereits geschützter Gebiete ist nun mal mindestens genauso wichtig, wie das Schützen Neuer. Ein ebenso offensichtlicher Werbetrick ist aber auch die Aussage, dass Ecosia keine Daten über das Suchverhalten der Nutzer speichert. Wie vertraulich Bing und Yahoo mit den Daten umgehen wird nämlich nicht weiter erörtert, sodass man davon ausgehen muss, dass diese wie gewohnt verfahren und die Daten speichern und auswerten. Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass nicht wie behauptet mit jeder Websuche, sondern nur mit Klicks auf gesponserte Links, Geld für die Rettung des Regenwaldes erwirtschaftet wird.

Meine Maschine

Ich selbst benutze Ecosia nun seit der Einführung im Dezember letzten Jahres und habe damit als Verbraucher ausschließlich gute Erfahrungen gemacht: Die Suchergebnisse sind mit denen Googles nahezu identisch - lediglich die Beantwortung der Anfrage dauert ein kleines bisschen länger. Darüber hinaus bietet Ecosia auch Ergebnisse des Branchenführers Google an und leitet bei Bilder- oder Kartensuchen auf Google um. Es handelt sich also um eine sehr alltagstaugliche Suchmaschine. Man kann sie übrigens auch als Add-On neben der Browserzeile installieren!

Und das Beste: In den letzten zwölf Monaten habe ich selbst nach Informationen der Statistik meines Add-Ons 3,605.6m² Regenwald gerettet. Natürlich hochgerechnet.


Happy Birthday Ecosia!