Ein Iglu, du fragst, ich sage, mein Haus.

Von Kapuz

Turku08. by kapuz.

Ich streue die restliche Packung Würfelzucker auf die Terrasse.
Ein Iglu.
Ein Haus.
Eine Festung ohne Maus.

Deine Gitarre liegt noch im Garten, jemand hat sie vergessen.

Ich lasse das Iglu Iglu, den Würfelzucker Würfelzucker sein, ich frage mich Warum gerade dich, ich frage mich und ich frage mich, warum eigentlich ich.
Ich liege auf Parkett, will tanzen, du neben mir, wir liegen im Bett, kalte Decke, stickig, eine Spinne seilt sich von der Decke ab, fragst mich: „Und ?“
Ich sage, Nein.
Du fragst, Warum ?
Ich sage, Geht nicht.
Du fragst, Was ist denn ?
Ich sage, du nervst, morgens ..dasja wie ne Beziehung.
Du grinst, Ja, vielleicht will ich das doch auch.
Ich antworte, Du hörst mir nicht zu.
Die Spinne hat das Bett erreicht, ich schnippe sie davon, du bemerkst sie nicht einmal.
Du fragst, Was ist denn das jetzt für dich ?
Ich antworte, Ich ziehe Montag nach Berlin.
Du lächelst wieder, sagst, dass ich mich doch sowieso nie entscheiden kann. Du grinst. Du bleckst deine Zähne, dein kaltes Raubtiergebiss, reißt das Fleisch heraus, so leichte Beute ?
Ich winde mich, drehe mich zum Fenster.
Auf Kipp.
Die Straße schwappt herein, die Sonne krabbelt über die Dächer, unter die Wolken.
Ich drehe und drehe und sag nichts.
Du fasst mit deinem Arm nach mir, du sagst nichts.
Ich drehe mein Gesicht zu dir hin, du fragst nichts.
Gleichgültigkeit, Erwartung darin.
Ich sage, Nein, das geht nicht.
Dein Blick nicht enttäuscht.
Ich sage, Berlin oder Hildesheim.
Du lächelst, diesmal sehr stumm, die Lippen den Abend verschluckt.
Ich setze mich hin, ziehe meine Beine an mich heran und suche mein Feuerzeug.
Gardinen einen Vorwand hinauf, geöffnet und drauf, ich ziehe, ich sag nichts, du lächelst, ich ziehe und du atmest.

Und dann sagst du etwas, das ich nicht vergessen kann.
Du sagst es.
Ich taste nach Papier.
Du fragst es.
Ich balle eine Faust, nichts darin.
Du lächelst und sagst es.
Und ich drehe und drehe und frag mich, warum eigentlich hier, wer bin eigentlich ich, ich drehe und drehe und frag mich, warum du mir hier, warum du jetzt hier, was das jetzt hier, und wer wir beide eigentlich sind.
Aufgewärmte Herzscheiße.
Aufgewärmt und unsichtbar.
Scheinlos.
Scheinfrei.
Dunkelheit, die Sonne kommt rein.
Ich drehe und drehe und frag dich, Wirst du mich wieder vermissen ?
Ich drehe und drehe und sag nichts.
Du ziehst an der Decke, du setzt dich hin, ziehst eine Feder heraus, dort, wo grad die Spinne wie ein Kind, dort wo gerad die Spinne wie ein Wind, und ich drehe und drehe und sag nichts.

Wer bin ICH darin ?
„Ich vermisse dich nicht“, sage ich und es stimmt.

Das Iglu auf der Decke, der Zimt in der Ecke, das Iglu im Kreis, eine Lücke darin, das Iglu brennt weiß, brennt lichterloh unsere Träume hinaus.
Es schwemmt.
Es regnet.
Es atmet.
Zu viel Zucker, so viel Zucker, zu viel Zucker auf Papier.
Ich vermisse dich nicht, und weiß, dass es stimmt.

Ich sage, Baby, I’m off my way.
Ich zögere.
Ich sage, muss gehn.
Du liegst da, ich frage, alles okay ?
Du atmest, ich küsse dich auf die Stirn, du ziehst, ich sinke zu dir herunter, ich sage, Nein, ich meine Ja, ich will das nicht, es bedeutet mir nichts.
Du ziehst, ich frage, ist dir egal ..?
Du sagst, Du kommst sowieso zu mir zurück, ich muss gehn.

Du gähnst nicht, ich steh auf der Straße, du winkst nicht, ich frage, ich frag mich, ein Mann, ein goldfisch in der Tüte, du gähnst nicht, ich frag ihn:

Seit wann kommen Schaufensterpuppen aus ihren Käfigen heraus ?
Der Mann antwortet, ich versteh nicht, er antwortet, eine Minute, sie bewegen sich nicht.
Puppen an der Ampel.
Puppen auf Parkett.
Puppen im Mondlicht.
Puppen, kalt, zynisch, bieder, feurig, adrett.

Ich zücke mein Feuerzeug, kleine Kippe, ich steh auf der Kippe, weg von deinem Haus.
Ich steh im Dunkeln, im Mondlicht, die Sonne verdorrt nicht, Fleisch mürbe, ich kippe, ich kippe alles aus mir heraus.
Du stehst nicht, ich frage, du stehst vor dem Haus.

Ich schaue und sag nichts, du guckst nur, ich frag nichts.
Wir drehen uns.
Eine Weile.
Ich muss hier raus.

„Tschuldigung“, sagt er.
„TSCHULDIGUNG ?“
Tschuldigung, FICKEN, Tschuldigung, ficken, mein Haus.
Ich sage, Tschuldigung, BITTE !?
Ich stiere, ich frage, ich stampfe auf.

(Kiel, 10)