Ein i-Phone um sie alle zu finden …

… ins Dunkel zu treiben und ewig zu binden“ – so könnte man Tolkins Motto im Herrn der Ringe abwandeln, um Apples Produkt- und Datenschutzpolitik zu beschreiben. OK – das ins Dunkle zu treiben dürfte wohl entfallen. Aber finden und binden sind klar gesetzte Ziele von Apples Geschäftspolitik (und ein Grund dafür, warum mir Ei-Fon und Ei-Päd nicht ins Haus kommen).

So enthält Apples Datenschutzerklärung zum i-Phone einen Passus, der sich in etwa so übersetzen lässt:

„Um standortbezogene Dienste auf Apple-Produkten anzubieten, können Apple und unsere Partner und Lizenznehmer präzise Standortdaten erheben, nutzen und weitergeben, einschließlich des geografischen Standorts Ihres Apple-Computers oder Geräts in Echtzeit. Diese Standortdaten werden in anonymisierter Weise erhoben, durch die Sie nicht persönlich identifiziert werden.“

Offen bleibt allerdings, welche Daten Apple erfasst, in welchen Abständen sie abgegriffen und wie lange sie wo gespeichert werden, an wen Apple sie in welchem Umfang weitergibt und womit man die Daten verknüpft. Und wie diese Anonymisierung genau abläuft (security by obscurity).

Thomas Hoeren, Richter und Professor für Informations-, Telekommunikations- und Medienrecht in Münster, hierzu: „Apple erklärt nicht klar, welche Daten sie eigentlich speichern. Der Nutzer weiß nicht, was wie lange in Verbindung mit welchen anderen Informationen gespeichert wird und wie er widersprechen kann“.

Die Vorgehensweise von Apple kollidiert mit etlichen Vorgaben des deutschen Datenschutzrechts, wie Konrad Lischka auf Spiegel Online erläutert. Da scheint sich gerade ein neuer größerer Datenschutzskandal aufzubauen. Und wieder mal steht ein US-Unternehmen im Zentrum des Geschehens. Apples Methoden erinnern an die umstrittene WLAN-Datenerfassung von Google, mit der sich der Suchmaschinengigant speziell in Deutschland viel Ärger eingehandelt hat. Nur dass es bei Google wohl weniger geplante Absicht als vielmehr Schlamperei bei der Qualitätssicherung in der eigenen Softwareentwicklung war.

Entsprechende Anfragen deutscher Medien an Apple blieben zunächst unbeantwortet. Sich mit der niederen Journaille abzugeben, haben Steve Jobs Hofschranzen schließlich nicht nötig. Als dann aber der US-Kongress nachfasste, kam man nicht mehr aus. So musste man neben etlichen anderen Dingen pikante technische Details einräumen:

•    Ein i-Phone schickt seine per GPS festgestellten Standortdaten an Apple.
•    Es übermittelt zusätzlich die Signalstärken von WLAN-Hotspots und Mobilfunkmasten in der Nähe, so dass sich die Entfernung hierzu und damit die Position des Nutzers genau berechnen lässt.
•    Das wird mit vielen i-Phones wiederholt, so dass sich Crowd-Daten sammeln und Bewegungsprofile über die Zeitachse erstellen lassen.

Quasi die „digitale Fußfessel“ im Handy für den offenen Vollzug des konsumierenden Freigängers.

Konrad Lischka auf Spiegel Online weiter:

Nun informiert Apple mehr als zwei Jahre nach Beginn der W-Lan-Kartografie nicht etwa die eigenen Kunden darüber, wofür ihre Geräte da benutzt wurden. Diese Details erfahren zwei US-Abgeordnete nach einer konkreten Anfrage. Und erst zwei Wochen nach Eingang des Schreibens spielte jemand es dem Internetdienst Cnet  zu. Apple hielt es bisher nicht für notwendig, die eigenen Kunden über die Kartografiefunktion ihrer Telefone zu informieren.

Auch sind neben Apples Mobiltelefonen auch Mac-Rechner mit integriertem WLAN betroffen. Auch sie „telefonieren regelmäßig nach Hause“ und übertragen Nutzerdaten ohne Zutun und Wissen der Anwender. Zwar abschaltbar – aber wer schaltet schon eine Funktion ab, von deren Existenz er gar nichts weiß und mit der er sachlich nicht rechnet?

Dabei wäre gegen solche Datenübertragungen an sich nichts einzuwenden. Wenn sie im Wissen und mit Zustimmung der Nutzer ablaufen würde (bewusst und im Einzelfall – nicht auf Seite 278 irgendwelcher AGBs und Lizenzen) und dem Nutzer einen erkennbaren Zusatznutzen bieten würde. Etwa für Telematikdienste wie Stauwarnungen in Echtzeit anhand von Handykonzentrationen auf Autobahnen. Aber so erscheint es schlicht wie Trickserei. Und dass gerade US-Konzerne oftmals ähnlich vertrauenswürdig sind, wie verurteilte Gauner und Betrüger, dürfte sich immer mehr herumsprechen.

In Anbetracht der Tatsache, dass in immer kürzeren Abständen immer neue mobile Endgeräte auf den Markt geworfen werden, gilt es das Verhalten von Geräteherstellern, Software- und Diensteanbietern und Netzprovidern sorgfältig und mit gebotener Skepsis im Auge zu behalten.  Allzu oft entwickeln die Geräte ein unerwünschtes Eigenleben, mit dem die Nutzer nicht rechnen.



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