Ein gefühltes 2:1 gegen Hertha BSC

Ein gefühltes 2:1 gegen Hertha BSC

„Nein, Papa, ich will nicht Fußball gucken, ich will Fußball spielen“, erklärte mir mein Sohn vor der Partie gegen Hertha BSC Berlin. Es war 12 Uhr mittags und wir hatten den ganzen Vormittag auf dem Campus der Universidad de Concepción verbracht. Die streikenden Studenten hatten ein Familienfest organisiert, auf dem sich Diego pudelwohl fühlte. Die Sonne schien, es war sommerlich warm im chilenischen Winter. Ein idealer Tag, um mit einem anderen Jungen über den Rasen hinter einem Ball herzurennen. Sein Spielpartner wunderte sich, was ihm mein Sohn auf Deutsch-Spanisch stolz erzählte: „Eso es la camiseta von Sechsundneunzig“ Wie immer an Spieltagen trug er sein zu großes Trikot. Dass er als Fan Verpflichtungen hat, wollte er nicht einsehen, daher störte ich, als kurz vor Spielbeginn den Heimweg ankündigte. Ich vertröstete Diego, indem ich ihm verprach sofort nach dem Ende zurückzukehren.

Vor dem Fernseher angekommen, verschwand sein Zorn in sekundenschnelle. „Oh, sechundneunzig olé“, erkannte er und ich durfte mich 90 Minuten auf etwas anderes als ihn konzentrieren. Längst hat der kleine Jungen gelernt, wie heilig die Roten für seinen Vater sind und macht in der Regel alles mit. Mit Fahne, Mütze, Schal etc. ausgestattet setzte er sich mit aufs Sofa und sang „Alte Liebe“, jedoch sooft, dass man es ohne väterlicher Liebe als nervend bezeichnend könnte. Sein gutgemeinter Gesang endete mit dem Torjubel nach Pintos Treffer zum 1:0, ging dann in einen „Oh, 96 allez“-Dauersupport über und wurde durch Puddingkonsum gestoppt. „Sechsundneunzigpudding“, wie er festgestellt hat. Der Pudding schmeckte fast meisterhaft, was an der Blitztabelle lag.

So fühlt sich das also an, wenn man zwischendurch Spitzenreiter der ersten Bundesliga ist. Leider wehrte der Augenblick nicht bis zum Abpfiff. Am dritten Spieltag wurde den Roten ihr Standardergebnisder jungen Saison nicht gegönnt. Nach den 2:1-Siegen gegen Hoffenheim, Nürnberg und Sevilla gab es nur ein 1:1. Warum das Tor aberkannt wurde, war in der Wiederholung nicht zu erkennen. Der perfekte Start blieb ein unerfüllter Wunsch, doch 96 scheint sich erneut oben einzureihen. Der Mannschaft ist es gelungen sich zwischen den Europapokalabenden auf die Liga zu konzentrieren. Das Tempo war zwar nicht so hoch wie gegen Sevilla, aber zumindest eine Halbzeit lang bestimmte 96 das Spiel eindeutig. Im zweiten Durchgang schwanden die Energiereserven, die Folgen der Gala vom Donnerstag waren sichtbar.

Ich selbst war letztlich froh nach zwei Stunden Pause wieder raus ins Grüne zu dürfen. Der Tag war zu schön, um ihn vor dem Fernseher zu verschwenden und das Fest hatte sich inzwischen gut gefüllt. Diego verschwand in einer Hüpfburg. Ein einfacher Nachmittag für mich. Es war die bunte Seite des andauernden Studentenprotestes. Das nächste Spiel ist wieder Donnerstag und donnerstags knallt es am selben Ort, das erleichtert den Fußballfernsehkonsum. Für Straßenschlachten ist der bald Dreijährige noch zu klein.


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