Ein Essay: Roman Policier Français – Film Policier Allemand

Vom “Roman Policier Français” zum “Film Policier Allemand”
- Hinweise auf Zusammenhänge und Entwicklungen

Krimi_Rainer Sturm_pixelio.de

Ein Essay über Kriminalromane und Kriminalfilme: von Richard Albrecht – Foto: © Rainer Sturm / pixelio.de

Inhaltsübersicht:
1. Begriffliches
2. Film policier Français
2.1. „Der eiskalte Engel“
2.2. „Die Abenteurer“
3. Film policier Allemand
3.1. „Im Schatten“
3.2. „Lösegeld“
4. Schluß

“Wir müssen freilich, wenn wir die Popularität des Kriminalromans besprechen, dem Hunger des Lesers nach abenteuerlichen Geschehnissen, einfacher Spannung und so weiter, den er befriedigt, einen breiten Raum gewähren. Es bereitet schon Genuss, Menschen handelnd zu sehen, Handlungen mit faktischen, ohne weiteres feststellbaren Folgen mitzuerleben. Die Menschen des Kriminalromans hinterlassen nicht nur Spuren in den Seelen ihrer Mitmenschen, sondern auch in ihren Körpern und auch in der Gartenerde vor dem Bibliothekszimmer. Der literarische Roman und das wirkliche Leben stehen hier auf der einen Seite, der Kriminalroman, ein besonderer Ausschnitt des wirklichen Lebens, auf der andern. Der Mensch im wirklichen Leben findet selten, daß er Spuren hinterlässt, zumindest solange er nicht kriminell wird und die Polizei diese Spuren aufstöbert. Das Lebe der atomisierten Masse und des kollektivisierten Individuums unserer Zeit verläuft spurenlos. Hier bietet der Kriminalroman gewisse Surrogate.”
Bertolt Brecht, Über die Popularität des Kriminalromans (1935)

In diesem Kurztext geht es nach allgemeiner Abklärung von Begrifflichkeiten um Kriminalroman und Kriminalfilm um die Vorstellung jeweils zweier genregeschichtlich bekannter französischer Filme aus dem Polizei- und Gangster-Milieu (von Jean-Pierre Melville und José Giovanni) und vergleichbarer aktueller deutscher Filme von (bisher jedenfalls noch) weniger bekannten Regisseuren, die jeweils ihre eigenen Drehbücher verfilmten (Thomas Arslan und Stephan Wagner).

1. Begriffliches
Üblicherweise gilt, etwa beim weitverbreiteten Netzlexikon wikipedia, roman policier als Kriminalroman oder kurz Krimi. Und entsprechend wird film policier als Kriminalfilm oder kurz Krimi eingedeutscht (1). Gegenüber diesem weiten Verständnis meine ich hier, und ohne mich auf definitorische Spitzfindigkeiten einzulassen, etwas Spezielles, das auch auf historische Ausgangslage und Tradition (in) der modernen französischen Gesellschaft des 19. Jahrhunderts verweist und das die „Karriere“ des Eugène François Vidocq (1775-1857), des französischen Kriminellen und Kriminalisten, Begründer der Sûreté Nationale und Doyen aller moderner Kriminalistik und der französischen Polizei sowie später auch ersten Privatdetektiv überhaupt (2) veranschaulichen mag – wobei Polizei in Deutschland seit Beginn des 19. Jahrhunderts ein „mit besonderen Vollmachten und Plichten ausgestattetes staatliches Organ“ meint, „das die öffentliche Ordnung und Sicherheit, gegebenenfalls auch zwangsweise, zu gewähren hat und damit der Aufrechterhaltung der bestehenden Gesellschaftsordnung dient“ (3), insofern auch als Hauptträger jedes offen „repressiven Staatsapparats“ (Louis Althusser) wirkt.

Weiters verbinde ich den französischen roman policier und den hier besonders interessierenden französischen film policier (4) in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhundert mit Verbrechen und Polizei, mit Polizeiarbeit und/als Aufklärung, mit Polizei und Verbrechern und ihrem Verhältnis als Handlungszusammenhang und (gelegentlich auch nur scheinbare) Antipoden. Insofern verweist roman policier als Subgenre oder Unterkategorie und film policier als eigenständiges Genre oder Kategorie auf Besonderes und damit auf etwas, was der allgemeine Gattungsbegriff roman policier oder Kriminalroman (5) entsprechend der hier eben angewandten Methode definitio per genus proximum et differentiam specificam gar nicht ausdrücken kann.

2. Film policier Français
Hier interessieren Filme der beiden französischen Filmemacher und Drehbuchautoren Jean-Pierre Melville (1917-1973) und José Giovanni (1923-2004) (6).

Melvilles erster Film entstand 1945: 24 Stunden im Leben eines Clowns (Vingt-quatre heures de la vie d’un clown). Es folgten 1947 Das Schweigen des Meeres (Le silence de la mer), 1950 Die schrecklichen Kinder (Les enfants terribles), 1953 Und keine blieb verschont (Quand tu liras cette lettre), 1955: Drei Uhr nachts (Bob le flambeur), 1959 Zwei Männer in Manhattan (Deux hommes dans Manhattan), 1961 Eva und der Priester (Léon Morin, prêtre), 1962: Der Teufel mit der weißen Weste (Le doulos), 1963 Die Millionen eines Gehetzten (L’aîné des Ferchaux), 1966 Der zweite Atem (Le deuxième souffle), 1967: Der eiskalte Engel (Le samouraï), 1969 Armee im Schatten (L’armée des ombres), 1970 Vier im roten Kreis (Le Cercle Rouge). Melvilles letzter Film war Der Chef (Un flic) 1972.

Giovanni war vor allem Romancier, Krimiautor, und führte erst später selbst Regie: 1972 bei Der Mann aus Marseille (La Scoumoune), 1973 bei Endstation Schafott (Deux hommes dans la ville), 1980 bei Verdammt zum Schafott) (Une robe noire pour un tueur), 1984 bei Der Weekend-Killer (Le Tueur De Dimanche, Fernsehfilm), 1986 bei Unter Wölfen (Les Loups entre eux), 1988 bei Mein Freund, der Verräter (Mon ami le traitre) und zuletzt 1969 bei Der Clan der Sizilianer (Le clan des Siciliens). Früher, in den 1960er Jahren, schrieb Giovanni die Filmdrehbücher der Filme Sie nannten ihn Rocca (Un nommé la Rocca) 1961, Mädchen im Schaufenster (La ragazza in vetrina) 1961, Sieben Tote hat die Woche (Symphonie pour un massacre) 1963, Die großen Schnauzen (Les grandes gueules) 1965, Der große Coup von Casablanca (L’homme de Marrakech) 1966, Die Haut des Anderen (Avec la peau des autres) 1966, Der zweite Atem (Le deuxieme souffle) 1967, Die Abenteurer (Les Aventuriers) 1967 und zuletzt Der Clan der Sizilianer (Le clan des Siciliens) 1969.

Es wäre reizvoll (gewesen), den Film, in dem Melville und Giovanni zusammenarbeiteten, Der zweite Atem (1966, mit Lino Ventura in der Hauptrolle als alternder ´moralischer´ Gangster Gu[stave], Drehbuch Giovanni nach einem seiner Romane) (7) ebenso vorzustellen wie Melvilles letzten Film Der Chef (1966, mit Alain Delon als kühlem Polizeikommissar Coleman) (8). Das wäre aber in diesem Zusammenhang zu weitergehend, weshalb es hier denn auch „nur“ um Melvilles 1967 entstandenen Film Der eiskalte Engel (1967) (9) geht. Im gleichen Jahr kam auch Die Abenteurer (Regie Robert Enrico, Drehbuch José Giovanni, Robert Enric, Pierre Pelegri) (10) in die Kinos. Dies war der vorletzte Film, an dem Giovannis als Drehbuchautor (mit)arbeitete. Der Film wird hier als zweites Beispiel des französischen film policier der 1960er Jahre vorgestellt.

2.1. „Der eiskalte Engel“
„Ein professioneller Killer erkennt, daß er in eine Sackgasse geraten ist, und geht mit der Konsequenz, mit der er andere tötete, selber in den Tod. Ein in Regie und Darstellung perfekt gestalteter Gangsterfilm, der sich bewußt nicht an der Wirklichkeit orientiert. Kino von hohem ästhetischem Reiz.“ – Soweit das Zweitausendeins Filmlexikon (das sich seiner Filmkritiken, „verfasst von der Crème der deutschen Filmkritik und Filmpublizistik“ (11), rühmt) über Melvilles Genrefilm Der Eiskalte Engel (1967, 98´). Präziser ist die Handlung im deutschsprachige Netzlexikon wikipedia beschrieben:(12)

„Es gibt keine größere Einsamkeit als die eines Samurai, außer vielleicht die eines Tigers im Dschungel.“ Mit diesem fiktiven Zitat aus den Büchern des Bushidō begegnet der Zuschauer Jef Costello, der einsam in seinem spärlich möblierten Apartment liegt. Fast mechanisch kleidet er sich an und verabschiedet sich von seinem Zimmergenossen, einem Kanarienvogel. Auf der Straße entwendet er routiniert eine unverschlossen geparkte Citroën DS und fährt zu einer abgelegenen Garage, wo jemand wortlos seine Nummernschilder austauscht und ihm eine Pistole aushändigt.

Nachdem er sich bei seiner Freundin ein Alibi verschafft hat, geht er in einen Nachtklub und erschießt den Barbesitzer. Dabei wird er von der Pianistin Valérie überrascht, die ihn wortlos flüchten lässt. Er wird jedoch von mehreren Gästen gesehen, und so kommt es zu einer polizeilichen Gegenüberstellung. Da sich aber nicht alle Zeugen sicher sind, in ihm den Mörder zu erkennen, die Pianistin Valérie leugnet, ihn zu erkennen, und das Alibi seiner Freundin stichhaltig scheint, kann der Kommissar ihn nicht festhalten. Da er Costello nicht glaubt, lässt er ihn auf Schritt und Tritt überwachen. Costello hingegen ahnt das offenbar und kann seine Verfolger wiederholt abschütteln.

Des Verhörs bei der Polizei wegen verlieren Costellos Auftraggeber ihr Vertrauen und versuchen, ihn zu ermorden: Costello gerät zwischen die Fronten. Da ihm die Motivation der Pianistin, ihn zu verleugnen, unklar bleibt, sucht er diese auf und stellt sie zur Rede. In seinem Apartment wird er von einem Killer seiner Auftraggeber überrascht; diese wollen ihm eine weitere Chance geben und bezahlen ihn für einen weiteren Mord, wobei die Identität des Opfers für das Publikum im Unklaren bleibt. Costello überwältigt den Killer und erfährt von diesem den Namen des Auftraggebers. Diesen erschießt er in dessen Wohnung. Wohl wissend, dass er von der Polizei überwacht wird, sucht er den Nachtklub auf. Anders als bei zwei vorherigen Besuchen richtet er sich diesmal nicht auf einen schnellen Abgang ein: Draußen stellt er den Motor seines Wagens ab und gibt an der Garderobe seinen Hut ab, ohne indes die Garderobenmarke mitzunehmen. Mit ungeladener Pistole nähert sich Costello in dem gut besuchten Raum der Bühne. Als er die Waffe auf die Pianistin richtet, erschießt ihn die Polizei.“

Ob dieser Melville-Film „ein perfekt gestalteter Gangsterfilm“ ist, mag hier offenbleiben; eine Dimension seiner genreästhetishen Faszination und nachhaltigen Wirksamkeit liegt freilich im Farewell jeder Melodramatik einerseits und in der durchgängigen und konsequenten „Kühle der Parabel“(13) andererseits.

2.2. „Die Abenteurer“
„Drei abenteuerlustige Franzosen, zwei Männer und eine Frau, starten zu einer Schatzsuche in den Kongo, die für zwei tödlich endet. Lebendig inszenierter Abenteuerfilm, dem es nicht so sehr um vordergründige Spannung als um die Zeichnung verschiedener Charaktere unter extremen Bedingungen geht. Gleichzeitig demonstriert der Film die Unmöglichkeit romantischen Abenteuertums in unserer Zeit.“(14) – Wäre dies, wie im Filmlexikon von Zweitausendeins, alles, dann könnte der Film Die Abenteurer (1967, 113´) draußen rechts verbleiben. Auch hier ist das deutsch(sprachig)e Netzlexikon ausführlicher und informativer in der Narration dieses französischen film policier(15):

„Manu und Roland sind Freunde fürs Leben und hegen beide eine Leidenschaft für abenteuerliche Projekte. Der Sportpilot Manu macht spektakuläre Kunststücke mit seinem Flugzeug, während der Mechaniker Roland wie besessen an einem Dragster arbeitet, mit dem er Geschwindigkeitsrekorde brechen will.
Eines Tages taucht die junge Künstlerin Laetitia in Rolands Werkstatt auf, wo sie ihm Schrottteile abkaufen will, die sie für ihre Kunst benötigt. Roland weist sie zunächst ab, aber Laetitia bietet ihm spontan ihre Hilfe an, die er gerne annimmt. Sie begeben sich auf ein brachliegendes Gelände und errichten zusammen eine Metallkonstruktion, durch die dann ein kleines Flugzeug fliegt. Der Flug ist die Generalprobe für Manus nächsten Coup: Er will durch den Triumphbogen fliegen und dabei Fotos machen, für die ihm jemand viel Geld angeboten hat. Nach dem Manöver machen sich die drei förmlich miteinander bekannt. Manu, Roland und Laetitia schließen schnell Freundschaft. Sie mietet sich in Rolands Werkstatt ein, wo sie ihre Skulpturen schweißen kann, Manu bereitet sich auf den Flug vor und Roland arbeitet am Motor seines Dragsters. Die Geschichte erfährt eine Wende, als Manu zu seinem waghalsigen Flug ansetzt. Das Kunststück wird verhindert und er darüber hinaus seine Pilotenlizenz los. Für Roland läuft es nicht besser, sein mit Methylalkohol betriebener Rennwagen geht in Flammen auf. Laetitia schweißt aus den Teilen des Wracks Skulpturen, aber die Ausstellung mit diesen wird zum Flop. Zu allem Überfluss erfährt Manu, dass er bei den Fotos einem Spaßvogel aufgesessen ist. Wütend lauern Manu und Roland dem Schwindler (ein Angestellter einer Versicherung) auf und verpassen ihm eine Tracht Prügel. Aus Angst vor weiteren Schlägen vertraut er den beiden ein Geheimnis an: Im Wrack eines kleinen Flugzeugs, das vor der Küste des Kongo abgestürzt ist, soll sich ein Schatz befinden. Da die beiden finanziell am Ende sind, wollen sie, obwohl sie die Geschichte zunächst für einen weiteren Schwindel halten, der Sache nachgehen. Sie begeben sich zusammen mit Laetitia nach Afrika.
Das Trio hat sich für die Suche nach dem verlorenen Schatz auf einem Boot eingerichtet. Sie suchen die Küste ab, tauchen zu Wracks hinunter, machen Späße und sind in ausgelassener Abenteuerlust. Manu hat sich in Laetitia verliebt, doch die fühlt sich augenscheinlich mehr zu Roland hingezogen. Roland bemerkt die Gefühle seines Freundes und fühlt sich unbehaglich, aber bevor es zu einer Aussprache kommt, eskaliert die Situation. Die drei finden tatsächlich das Flugzeug und heben den Schatz, aber sie werden von Söldnern angegriffen, die ebenfalls hinter der Beute her sind. Bei dem folgenden Kampf trifft eine verirrte Kugel Laetitia und verwundet sie tödlich. Manu und Roland sind voller Trauer und bestatten ihre Freundin bei einem letzten Tauchgang in der tiefen, blauen See.
Anschließend kehren sie mit dem Schatz, den sie vor dem Zugriff der Söldner retten konnten, nach Frankreich zurück. Sie beschließen, Laetitias Anteil ihrer Familie zukommen zu lassen. Auf der Île-d’Aix finden sie dann den einzigen noch lebenden Verwandten, einen kleinen Jungen (sie haben ihn bereits als Museumsführer kennengelernt), und übergeben den Eltern das Geld treuhänderisch.
Die Gangster sind derweil immer noch auf ihrer Spur. Im Fort Boyard (das Laetitia sich von ihrem Anteil der Beute hat kaufen wollen) vor der Küste kommt es schließlich zum endgültigen Showdown.
Eingekesselt verteidigen sich Manu und Roland mit Waffen, die noch von den deutschen Besatzern stammen. Zunächst können sie einen der Söldner töten, dann aber wird Manu getroffen, er kann nicht weiterkämpfen. Roland rennt zu ihm, aber er sieht, dass er nichts tun kann, und weil die Söldner weiter auf ihn schießen, zieht er sich in das alte Arsenal zurück. Von dort kommt er zurück mit einem Arm voller alter Stielhandgranaten, mit denen er den Kampf alleine weiterführt. In dieser letzten, von sakraler Orgelmusik getragenen Szene bringt er alle Eindringlinge zur Strecke. Nachdem auch der Anführer den Tod gefunden hat, kehrt er zu dem schwerverletzten Manu zurück. Roland beugt sich über seinen Freund und erkennt seine Hilflosigkeit im Angesicht des Todes. Er erzählt ihm, dass Laetitia gesagt habe, sie wolle für immer mit Manu zusammen sein. Kurz vor seinem Ende zeigt Manu noch ein Lächeln und erwidert: Du bist ein lieber, alter Lügner.“

3. Film policier Allemand
Was den “film policier Allemand” der ganzdeutschen Nullerjahre betrifft, mögen stets in Großstädten spielende und auch Korruption ansprechende, insofern teilambitionierte, Fernsehserien (16) erwähnt werden: der auf Polizeialltags abhebende Kriminaldauerdienst (Berlin: 2007-10), die bisher noch nicht eingestellte Serie Nachtschicht (Hamburg: seit 2003), die auf Bayernamigos zielende Unter Verdacht-Serie (München: seit 2002) und der inhaltlich, formal und genreästhetisch wenig gelungene Verbrechens-Zehnteiler von Dominik Graf (Berlin: 2010); hier interessieren jedoch speziell zwei so erzählerisch ambitionierte wie ästhetisch ansprechende Filmgeschichten: Im Schatten (2010) von Thomas Arslan (Buch & Regie, spielt in Berlin) und der oberflächlich als bloßer „routinierter (Fernseh-) Kriminalfilm“(17) erscheinende Fernsehfilm Lösegeld (2012) von Stephan Wagner (Buch & Regie, spielt nicht im auch filmisch überdehnten Berlin, sondern im NRW-rheinischen Düsseldorf). Diese werden als zwei eigenständige deutsche Varianten des Genres und seiner Möglichkeiten der frühen 2010er Jahre vorgestellt.

3.1. „Im Schatten“
Der Film Im Schatten (3sat-Sendung: 12. 2. 2013, Länge 85´) des deutsch-türkischen Filmregisseurs und Drehbuchautors Thomas Arslan(18) (*1962) gilt als „starker, konsequent durchgestylter und ungemein spannender moderner deutscher Film Noir in der Tradition von Jean-Pierre Melville.“(19)


Trailer zum Spielfilm – youtube.de – uplaoder: vipmagazin

Auch diese Filmhandlung erzählt Wikipedia präziser als das zitierte Fachportal: „Trojan kommt aus dem Gefängnis und will von seinem ehemaligen Komplizen Richard Bauer, den er nicht verraten hat, seinen Anteil an dem Coup, den sie damals gemacht haben. Richard Bauer speist ihn mit lächerlichen 10.000 Euro ab und schickt ihm zudem noch zwei Killer auf den Hals.
Da Trojan Geld benötigt, sucht er den Planer auf, um zu erfahren, ob dieser einen Job für ihn hat. Der Planer schlägt ihm einen Überfall auf einen Juwelier vor, aber als Trojan die beiden Komplizen (einen Alkoholiker und einen Heroinsüchtigen) trifft, die für diesen Coup vorgesehen sind, steigt er aus diesem Geschäft aus. Über die Rechtsanwältin Dora Hillmann erfährt er von der Möglichkeit einen Geldtransport auszurauben. Martin Krüger, ein flüchtiger Bekannter von ihr, arbeitet bei dem Unternehmen und kann ihr wichtige Hinweise geben. Trojan besucht seinen alten Kumpel Nico und kann ihn überreden, bei diesem Überfall mitzumachen.

Unterdessen hat der Polizist René Meyer, der nebenbei im Drogenhandel tätig ist, von einem seiner Verkäufer erfahren, dass Trojan wieder im Geschäft ist. Durch die Überwachung von Trojan und Dora Hillmann kommt er dem Coup auf die Spur. Nach dem geglückten Überfall holt er sich den Anteil von Martin Krüger und tötet ihn. Als er in die Wohnung von Dora Hillmann einbricht, um sich auch von ihr das Geld aus der Beute zu holen, wird er von Trojan erschossen.

Dora Hillmann und Trojan trennen sich. Er wirft die Leiche von René Meyer in einen Fluss und versteckt sich in seiner Waldhütte. Unterdessen foltern und töten die beiden Killer, die Richard Bauer losgeschickt hat, Trojans Kumpel Nico. Am nächsten Morgen schleichen sie sich zur Waldhütte. Trojan bemerkt sie und kann sie töten. Nachdem er die Leichen beseitigt hat, kehrt er zu seiner Hütte zurück und entdeckt dort die Polizei. Er muss ohne seine Beute fliehen. An einer Tankstelle stiehlt er einen Wagen und fährt in die Nacht.“(20)

Sowohl die Frankfurter Rundschau (6. 10. 2012) als auch Die Zeit (14. 10. 2012) akzentuieren was sie als film noir ausgeben: „Thomas Arslan hat einen stimmungsvollen „film noir“ im modernen Berlin gedreht: „Im Schatten“. Der Film funktioniert auf allen Ebenen, als Thriller wie als Kunstfilm und als Städteporträt. Und das ist eine ganze Menge.“ – „Warum ist Im Schatten trotz seiner Nüchternheit so spannend? Weil Thomas Arslan das Genre des Gangsterfilms zu sich selbst zurückführt. Weil er zeigt, dass die von ihm mit aller Sorgfalt freigelegte Mechanik des Genres genügt, um jene rätselhafte Mischung aus Düsternis, Verlorenheit und Vergeblichkeit zu erzeugen, die den Film noir ausmacht.“ (21)

3.2. „Lösegeld“

Der Film Lösegeld des Regisseurs und Drehbuchautors Stephan Wagner(22) (*1968) ist der aktuellste film policier Allemand. Er wurde von der ARD am 11.04. 2012 20:15 erstgesendet (Länge 88´):

„Die in Düsseldorf spielende Handlung setzt dort ein, wo ein Verbrechen fast aufgeklärt ist – im konkreten Fall eine Kindesentführung. Ein gekidnappter Junge wird aus seinem Versteck befreit. Den ermittelnden Kriminalbeamten um das Duo Diethard Lysewski (Mišel Matičević) und Lutz Weber (Simon Licht) fehlt für den Abschluss des Falls nur noch die Ergreifung des Täters sowie die Sicherstellung der Beute – ein Set Rohdiamanten im Wert von mehreren Millionen Euro. Durch einen Zufall befinden sich diese nunmehr im Besitz der Escortagentur-Leiterin Nina Hausen. Mit ihrem Hund war Nina Hausen unbeabsichtigt in der Nähe des Übergabeorts, wurde von dem flüchtenden Täter überfallen, konnte sich aus der gefährlichen Situation jedoch befreien und mit den Diamanten flüchten.

Aus dieser Ausgangssituation heraus entwickelt sich der weitere Ablauf der Handlung. Nina Hausen steckt aufgrund einer geplatzten Bürgschaft finanziell in der Klemme. Auch die Kommissare stehen unter Erfolgsdruck. Der Täter wiederum hat aufgrund des beim nächtlichen Zusammenstoß entwendeten Geldbeutels Kenntnis von Nina Hausen, ahnt, dass diese nunmehr im Besitz der Diamanten ist und setzt sich auf ihre Fährte. Im weiteren Verlauf der Handlung kommen sich Lysewski und Nina Hausen persönlich näher. Lysewski ahnt, dass seine neue Geliebte die Diamanten unterschlagen hat. Als sich die Fahndung, vorangetrieben durch Lysewskis Partner Weber sowie ihren erfolgssüchtigen Chef Lahn, mehr und mehr auf die Escortservice-Chefin konzentriert, die ihre Flucht ins Ausland vorberei-tet, muss Lysewski eine folgenschwere Entscheidung treffen zwischen Job und Liebe.“(23)

Zur Anlage und Wirkung von Lösegeld meinte Jens Szameit(24): „Vermutlich wären nicht wenige Zuschauer darüber verstört, dass der Film mit der Handlung dort einsetzt, wo sie im Krimi normalerweise wieder aufhört. Eine Geiselnahme ist zu Ende gegangen. Das entführte Kind ist zum Glück wohlauf. Nur der Täter ist mit dem “Lösegeld” – Diamanten im Wert von zwei Millionen Euro – entwischt. Da kommt es nachts im Wald zu einer schicksalhaften Begegnung.
Nina Hausen (Tscharre), Chefin einer Escort-Service-Agentur, führt gerade ihren Hund Gassi, als sie dem gesuchten Kidnapper in die Quere kommt. Sie kann dem skrupellosen Kerl mit Mut und Geschick entkommen, indem sie ihn mit dem Wagen über den Haufen fährt. Während der Gangster verletzt zurückbleibt, hat er seine Beute in ihrem Auto gelassen. Nina wird den Vorfall der Polizei melden, die Sache mit den Diamanten wird sie aber verschweigen. Schließlich bietet sich die Chance ihres Lebens: Die attraktive Lady träumt schon lange davon, nach Costa Rica auszuwandern.

Die Unbeteiligte, der der Zufall ein gefährliches Vermögen zuspielt: Natürlich ist das eine klassische Thriller-Konstellation. Und es bleibt klassisch. Der ermittelnde Kommissar Lysewski (Maticevic) verfällt den Reizen der alleinstehenden Geschäftsfrau, die sein Kollege Weber (Simon Licht) verdächtigt, in der Entführungssache mit drinzustecken. Weber, ein offenherziger Kumpeltyp, der Nina aus ihrer Zeit im horizontalen Gewerbe “näher” kennt, will dringend die Karriereleiter hinauf. Lysewski, der sich mit dem Polizeipräsidenten einen persönlich motivierten Kleinkrieg liefert, hat sich jedoch verliebt. Und so steuert der ruppige Bulle von Frühlingsgefühlen beflügelt mitten rein ins vorgezeichnete Dilemma.“

4. Schluß
Als Studie habe ich Ende der 1960er Jahre beide französischen Filme im Kino gesehen. Und seitdem beide nochmal und mehr als nur einmal in deutschen Fernsehprogrammen. Beide ganzdeutsche Filme habe ich im eigenen Fernsehzimmer gesehen. Dort steht inzwischen ein Philips Smart LED Fernseher mit einem Bildschirmdurchmesser von 81 cm: nicht jeder, der´n Flachbildschirm benützt, muß´n Flachdenker oder´n Flachkopf sein.

ein Essay von Richard Albrecht


Jean-Pierre Melville – interview (1970) (youtube.com – uploader francoisXIV)

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Großes Kino: Ein morbider Tanz um den Heiligen Gral der Börse – “The Wolf Of Wall Street”
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Quellen – weiterführende Links

– Foto: ©


1 http://fr.wikipedia.org/wiki/Roman_policier
http://de.wikipedia.org/wiki/Kriminalroman
http://de.wikipedia.org/wiki/Krimi
2 http://fr.wikipedia.org/wiki/Eugène_François_Vidocq
http://de.wikipedia.org/wiki/Eugène_François_Vidocq
3 Etymologisches Wörterbuch. Hg. Wolfgang Pfeifer. München ³1995: 1025.
4 http://fr.wikipedia.org/wiki/Film_policier
Etymologisches Wörterbuch. Hg. Wolfgang Pfeifer. München ³1995: 1025.
5 Richard Albrecht; Wilma Ruth Albrecht, Krimi – und Literaturwissenschaft, in: Literatur in Wissenschaft und Unterricht, 13 (1980) 2: 124-142; Richard Albrecht, Literarische Unterhaltung als politische Aufklärung; in: Recherches Germaniques, 4/1984: 119-143; ders., Le ´nouveau roman policier Allemand´, in: Allemagne d´Aujourdhui, 97/1986: 133-146.
6 http://fr.wikipedia.org/wiki/Jean-Pierre_Melville
http://de.wikipedia.org/wiki/Jean-Pierre_Melville
7 http://fr.wikipedia.org/wiki/José_Giovanni
http://de.wikipedia.org/wiki/Jean-Pierre_Melville
8 http://fr.wikipedia.org/wiki/Le_Deuxième_Souffle_(film,_1966)
http://de.wikipedia.org/wiki/Der_zweite_Atem
9 http://fr.wikipedia.org/wiki/Un_flic_(film,_1972)
http://de.wikipedia.org/wiki/Der_Chef_(1972)
10 http://fr.wikipedia.org/wiki/Les_Aventuriers_(film,_1967)
http://de.wikipedia.org/wiki/Die_Abenteurer_(Film)
11 http://www.zweitausendeins.de/filmlexikon/?sucheNach=titel&wert=2403
12 http://de.wikipedia.org/wiki/Der_eiskalte_Engel [mit Filmdaten]
13 Die Zeit: 2. 4. 1968; hier nach http://de.wikipedia.org/wiki/Der_eiskalte_Engel
14 http://www.zweitausendeins.de/filmlexikon/?sucheNach=titel&wert=7357
16 Erwähnt werden sollte hier die (altbundes-) deutsche ARD-Vorabendserie (jeweils 50´) Der Fahnder (mit der von Klaus Wennemann von 1984-1993 verkörperten Faber-Figur in 91 Folgen) als ambitionierter Versuch, einen deutschen Polizeifilm in einer fiktiven NRW-Großstadt G. zu begründen; vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Der_Fahnder
17 Zweitausendeins Filmlexikon: http://www.zweitausendeins.de/filmlexikon/?sucheNach=titel&wert=539432 – wodurch sich dieses Lexikon erneut als informatorisch selektiv, begrifflich unklar und problematisch wertend zeigt.
18 http://de.wikipedia.org/wiki/Thomas_Arslan
19 http://www.filmportal.de/film/im-schatten_6c3b4d8ee2aa45f88b3afde9d17432fb [mit Filmdaten]
20 http://de.wikipedia.org/wiki/Im_Schatten [mit Filmdaten]
21 Zitiert nach http://de.wikipedia.org/wiki/Im_Schatten
22 http://de.wikipedia.org/wiki/Stephan_Wagner_(Regisseur)
23 http://de.wikipedia.org/wiki/Lösegeld_(2012) [mit Filmdaten]
24 http://www.viva.de/film.php?op=tv-hot&what=show&Artikel_ID=132866


Richard Albrecht ist “gelernter” Journalist, Sozialwissenschaftler, seit 1989 Privatdozent und unabhängiger Wissenschaftsjournalist, Editor und Autor in Bad Münstereifel.


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