Ein Blick hinter die Buchstaben… Fragen an die Schriftstellerin Elsa Rieger

Von Ralf Boscher @RalfBoscher
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Spannende Romane, faszinierende Geschichten, Figuren, die sich den Leserinnen und Lesern einprägen – ohne die Möglichkeiten des Self-Publishing wären vielleicht viele literarische Schätze nach wie vor verborgen geblieben. Aber seit einigen Jahren ist die Auswahl jenseits der Verlagswerke größer geworden – und das interessante, breit gefächerte Angebot in Eigenregie publizierender Autoren wird, wie z.B. die Bestsellerlisten bei Amazon zeigen, mit Begeisterung angenommen. Einigen dieser Autorinnen und Autoren aus der Self-Publisher-Szene habe ich einen Fragenkatalog vorlegt. Ich fragte, was mich als Leser oder als Kollege interessierte. Diese so entstandenen „Interviews“ werde ich in loser Folge auf meinem Blog veröffentlichen.

Ich danke allen, die sich meinen Fragen gestellt haben und so allen Interessierten einen Blick hinter die Buchstaben ihrer Bücher gewähren.

Ralf Boscher


Heute zu Gast auf Boschers Blog: Elsa Rieger

Elsa, was siehst Du als Deinen bisher größten schriftstellerischen Erfolg an?

Wenn es bei der Frage um ein Buch geht, dass meine Leser sehr schätzen, ist es mein Roman „LiebesWellen“, in dem es um eine junge Frau mit Persönlichkeitsspaltung geht.

Mein persönlich größter Erfolg hat jedoch damit zu tun, dass ich nach langen Übungsjahren begriffen habe, wie man Gedichte, Geschichten und Romane baut, ohne dass die Texte vor Adjektiven oder Kitsch triefen. Ich weiß, dass ist kein Kriterium dafür, dass man seine Bücher gut verkauft, ich fürchte fast, das Gegenteil ist der Fall. Aber damit kann ich leben, mir geht es um literarischen Anspruch in meinen Texten.Dafür schreibe ich, dafür übe ich, noch besser zur werden.


Wer ist Dir die liebste Figur in einem Deiner Romane oder in einer Deiner Geschichten?

Tja, eigentlich liebe ich alle Figuren, die ich entwickelt habe; die Guten und die Bösen. Im Moment liebe ich vielleicht am meisten die Claudette aus der Geschichte: Aus der Asche, die in meinem Erzählband „Die Frau, die sich nicht umdrehte“ zu lesen ist.

Wer ist Dir die liebste von Dir nicht erschaffene Figur in einem Roman oder einer Geschichte?

John Irvings „Garp“

Der für Dich gelungenste erste Satz einer Deiner Geschichten?

Nach seiner Sturzgeburt im Supermarkt war Pit fürs Leben geprägt. (aus „Die Frau, die sich nicht umdrehte“)

Wenn Du nicht Schriftstellerin, sondern Musikerin wärst – welche Musik würdest Du machen?

Rock’n‘Roll

Was macht einen Menschen zum Schriftsteller? Das Schreiben oder das Gelesen werden? Oder…?

Ich glaube, das lässt sich nicht verallgemeinern. Die einen werden dazu getrieben, weil sie etwas loswerden wollen, die anderen, weil sie wirklich etwas zu sagen haben. Wieder andere wittern Erfolg, weil sie überzeugt von ihren Ideen sind, manche bleiben dann enttäuscht zurück oder beginnen zu malen. Was mich angeht, ist es schon das Schreiben selbst; die Neugier auf meine Figuren und wie sie sich entwickeln. Klar freut man sich über Leser.

Deine Einschätzung: Ist es förderlicher für eine gute Schreibe, mit seiner schriftstellerischen Arbeit seine Brötchen zu verdienen oder einem anderen Brotberuf nachzugehen?

Der Prozentsatz jener, die vom Schreiben leben können, ist so gering, dass er nahezu nicht ins Gewicht fällt. Besser, einen Brotberuf zu haben, bevor man in seinem Schreibstübchen verhungert, denn das ist nicht gerade förderlich für Kreativität.

Von der Grundidee zur fertigen Geschichte: Ist das bei Dir ein gerade Weg oder passiert es Dir, dass Du Dich weit von der Grundidee entfernst?

Passiert mir selten. Ich bin da ziemlich pedantisch im Planen eines Plots und meiner Charaktere.

Welcher Art sind die Szenen, die für Dich die größten Herausforderungen stellen?

Liebesszenen. Da muss man schrecklich aufpassen, nicht in Klischees abzurutschen.

Was bereitet Dir die größte Freude beim Schreiben?

Wenn ich ENDE unter den Text schreiben kann, denn dann beginnt das Überarbeiten.

Der für Dich wertvollste Schreibtipp, den Du erhalten hast?

Das Buch „Story“ von Robert McKee. Meine Bibel.

Manchmal noch Papier und Stift? Oder nur noch Schreiben am Rechner?

Lyrik immer zuerst auf Papier, Plotline, Storyoutline für Romane ebenfalls.

Welches Schreibprogramm nutzt Du?

Das simple Word. Ich halte nichts von den vielen anderen Helferleins, die angeboten werden. Bin eher konservativ diesbezüglich.

Schreibzeiten: Wann schreibst Du? Schreibst Du an festgelegten Uhrzeiten oder setzt Du Dir zum Beispiel pro Tag eine Zeichenmenge?

Gerne in der Früh und am Abend, in der Nacht. Zeichenmenge setze ich mir nur, wenn ich Lektorat für Kollegen mache. Bei meinen Texten achte ich darauf, eine Szene zu vollenden, nicht mittendrin aufzuhören, denn wenn schon der Flow da ist, muss ich ihn nutzen.

Wie viel Zeit verwendest Du am Tag für das Marketing? Und welche Kanäle nutzt Du für die Werbung?

Ich werbe nicht täglich für meine Bücher. Mir fällt es immer schon schwer, anzuklopfen und mich anzubieten. Ist vielleicht, nein, sicher sogar, ein Fehler. Vielleicht würde ich mehr verkaufen, wäre ich da fleißiger. Ich nutze die social media Kanäle wie Google+, Facebook, Twitter.

Bereitet Dir das Schreiben größere Freude, seitdem es mehr Möglichkeiten der Veröffentlichung gibt (E-Books, Selfpublishing…)?

Nein, denn schreiben ist immer Freude für mich. Aber entgegen kommt mir natürlich, dass man nicht mehr auf die Gnade der Verlage angewiesen ist.

Die „Thomas Mann“-Frage: Du schreibst, Dein Mann oder Freund kommt herein oder ein guter Freund ruft an oder Dein Kind möchte etwas von Dir wissen – verbittest Du Dir die Störung, weil Du schreibst, oder lässt Du Dich auf die „Planänderung“ ein?

Anrufe lassen sich ignorieren. Menschen, die im Zimmer stehen, eher nicht. Ich lasse mich drauf ein, auch wenn ich es ärgerlich finde, aber man sollte das Leben neben dem Schreiben nicht vergessen.

Die „Charles Bukowski“-Frage: Hältst Du Alkohol für eine sinnvolle Stimulanz beim Schreiben?

Manchmal … nein, Spaß. Beim Schreiben saufen könnte ich nicht. Aber wenn ich mal was trinke, kann schon vorkommen, dass sich eine Idee für einen neuen Text manifestiert.

Du gehst schlafen, liegst bereits im Bett, das Licht ist aus – da kommt Dir eine Schreibidee in den Kopf: Stehst Du auf und notierst Dir die Idee?

Nein. Ich merke sie mir einfach für den nächsten Tag. Soweit funktioniert mein Gedächtnis gerade noch.

Hast Du mit einer Geschichte abgeschlossen, wenn Du unter sie ein „Ende“ gesetzt hast?

Aber nein! Da fängt das Spiel doch erst richtig an! Das Ringen um die besten Sätze, der Kampf um die stärksten Dialoge und das Abklopfen des Plots, ob er Hand und Fuß hat.

Vielen Dank Elsa, dass Du Dir die Zeit genommen hast, diesen „Blick hinter die Buchstaben“ zu ermöglichen!

Ich bedanke mich herzlich, Fragen, die mir Spaß gemacht haben!


“Mich fasziniert das Menschsein, Menschbleiben in unserer Welt der Polaritäten. Ist es nur möglich, ein kriegerisches ‘Entweder – Oder’ ins Leben hinauszubrüllen und darauf zu beharren, Recht zu haben? Oder haben wir die Chance, uns auf ein behutsames ‘Sowohl – als auch’ einzulassen und in die Welt zu tragen, damit sich die Akzeptanz unter uns ausbreiten kann? Die Akzeptanz, dass schwarz nicht immer einfach schwarz und weiß nicht unbedingt für jeden gleich weiß ist. Sowohl als auch. Das verbinde ich in meinen Texten.” (Quelle)

Elsa Rieger wurde 1950 in Wien als Kind eines Schauspieler-Ehepaares geboren. Für sie war schon als Vierjährige klar, dass sie ebenfalls diesen Beruf ergreifen würde. Nach Schauspielausbildung und Buchhandelslehre war sie in der Inspizienz und Abendregie des Theater der Courage beschäftigt, verliebte sich ‚unsterblich‘, gründete eine Familie und ging einem bürgerlichen Beruf nach, dem Buchhandel. 
Mitunter quälte sie sich durch das Leben. Der Beginn ihres neuen Berufswegs, der Atemsynthese, die sie erfolgreich verbreitet, eröffnete Elsa Rieger andere Sichtweisen. Sie begann wie besessen zu schreiben. Ihre Texte zeichneten sich zunächst vor allem dadurch aus, dass sie schlecht waren. Sie gab jedoch nicht auf und fand ihren Schreib- und Lebensweg. Es ist das Alltägliche, es sind die ganz normalen Merkwürdigkeiten, die  Elsa Rieger faszinieren. So geht sie durch ihre Heimatstadt und staunt und schreibt. (Quelle).

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Der (e)-Book-Salon -Elsa Rieger stellt AutorInnen vor
Elsa Rieger – Lektorat

  • Demnächst bei “Ein Blick hinter die Buchstaben”: Kay Noa, Susanne Gerdom, Lutz Schaftstädt und Matthias Matting.
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