Ehrliche Arbeit

Ehrliche ArbeitBob Mould
“Silver Age” (Merge)
Als Einstieg zum neuen Album von Bob Mould kommt einem das Video zum Song “The Descent” gerade recht. Dort mimt er einen ausgemusterten Mitfünfziger, der seinen angestammten Büroarbeitsplatz mit dem handelsüblichen Pappkarton für die letzten, persönlichen Dinge räumen muss. Starren Blickes fährt er mit dem Aufzug nach unten, erträgt die peinlich berührten Blicke jüngerer Kollegen und macht sich auf in die Wildnis. Dort angekommen, baut er sich ein wackliges Tippi in’s Gestrüpp und verbrennt alles, was ihn an seine Vergangenheit erinnern könnte. Soweit, so realistisch, so deprimierend.
Dass allerdings auch seine Gitarre ein Opfer der Flammen wird, will man dem Mann dann aber doch nicht recht glauben – schließlich ist das hier, fiktive Identität hin oder her, nicht irgendwer, sondern eine Ikone des Alternative Rock, ein Mann, der auch das wahre Leben mit einer Vielzahl von Gesichtern, von Aliasen füllen kann: Sänger bei Hüsker Dü, ebenso beim Trio Sugar, zusammen mit Richard Morell als DJ und Remixer unter dem Pseudonym Blowoff unterwegs, solo ohnehin, Buchautor (“
See a Little Light: The Trail of Rage and Melody“) – fehlende Umtriebigkeit kann man Bob Mould nicht vorwerfen.

Was einen bei „Silver Age“, seiner mutmaßlich neunten Studioplatte, erwartet, läßt sich schnell zusammenfassen: beinharter, ehrlicher Rock – gern fällt hier auch mal die Bezeichnung „heavy pop“ – trockene, gut abgehangene Riffs, kompromißlos begleitet vom Superchunk-Drummer Jon Wurster. Alles nicht zu kompliziert, nicht übertrieben variiert, Mould wollte einen simplen, geraden und zupackenden Sound, nichts anderes ist es geworden. Dass in dem Mann mit dem schütteren Haupthaar noch genügend Mumm und Wut steckt, man kann es jedem der zehn Stücke mühelos anhören. Und auch wenn er nie jemand war, der seine Ansichten wie ein Banner vor sich hergetragen hat – obwohl er als Gay-Aktivist vor Ort allen Grund zu Groll gehabt hätte – und nach eigener Auskunft erst durch Obamas Präsidentschaft politisiert worden ist, ein Leisetreter droht aus Bob Mould nicht zu werden.
Ansonsten: „More than any other record I’ve made, this one gives a real glimpse into how much making music means to me as a means of expression, as well as what music means to me as a fan.“ Soweit, so gut. http://bobmould.com/
Komplettstream des Albums: Rolling Stone.


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