EHRLICH, EROTISCH, MÄNNLICH, ANDERS

Von Betker

Wenn eine Zeitschrift mit großen Lettern sich so definiert, kann man schon kaum widerstehen. Wenn dann auch noch eine Boxerin auf der Titelseite zu sehen ist, muss man die Zeitschrift einfach kaufen, wenn auch nur antiquarisch für einen Euro. Die Rede ist von der Märzausgabe des Männermagazins Penthouse. Maßlos enttäuscht musste ich feststellen, dass es in der Mitte kein Bild zum Aufklappen gab. Umso mehr begeisterte mich der Artikel über Nadia Raoui, der sehr poetisch „Die Schöne und das Biest“ hieß.


Normalerweise sind Journalisten, die über Boxen schreiben, in ihrem Stil eher sachlich. Umso erfrischender ist da der Stil von dem Autor Wolfgang Schadinger. Da wird „einer hübschen, gut gebauten Dunkelhaarigen wie Raoui auf den ersten Blick kaum“ zugetraut, dass sie als Kickboxerin, „als Teenager mörderisch absahnte“. Raoui kämpft natürlich mit ihrem Auftritt in der Zeitschrift gegen das Vorurteil an, dass Frauen, die Kampfsport betreiben, unattraktiv sind. Die WIBA Weltmeisterin im Weltergewicht siegt natürlich auch hier, wie die Fotos im Heft beweisen – oder wie Schadinger feststellt: „Gratulation, Miss Raoui: Mission accomplished!“ – Ich erinnere mich dunkel, dass George Walker Bush auf dem Flugzeugträger USS Abraham Lincoln den Irakkrieg mit denselben Worten für gewonnen erklärte.


Schadinger wird fast lyrisch, wenn er sich und Raoui fragt: „Warum entscheidet sich eine aufreizende junge Frau für eine Sportart, bei der ihr mit etwas Pech die Fresse poliert wird?“ Später wird er schwärmerisch, wenn er berichtet, dass die Boxerin „mit schlappen sechs Wochen Training in den zarten Beinen“ ihr Comeback machte.
So sehr mich dieser Schreibstil in Verzückung versetzt, so sehr fühle ich mich doch durch den Artikel intellektuell überfordert. Was heißt: „Die Schöne und das Biest“? Die Schöne kann ich wohl noch identifizieren. Aber wo oder wer ist die Bestie? Wo ist der verzauberte Prinz? Wieso verstehe ich das alles nicht?
© Uwe Betker