Egoismus im Sport – Sind Sportler EGOmanen?

Egoismus im Sport – Sind Sportler EGOmanen?Egoismus und Sport - für viele Menschen gehört das irgendwie zusammen. Warum? Wir Ausdauersportler*innen verbringen viel Zeit mit unserem Sport. Neben der Arbeit ist unser Alltag vom Training bestimmt. Als ambitionierte, vollzeitarbeitende Sportler*innen bedeutet das, dass der Tag komplett durchgetaktet ist. Vor der Arbeit ein Morgenläufchen oder eine Krafteinheit, nach der Arbeit das sportartenspezifische Training. So geht das von Montag bis Freitag. Die Wochenenden sind auch vom Sport bestimmt. Entweder sind wieder on Tour für Wettkämpfe, oder wir nutzen die Zeit, die wir am Wochenende haben, für längere Trainingseinheiten.

Bei so viel Zeit, die man sich für sich nimmt, trifft man häufig auf Unverständnis im Familien-/Bekanntenkreis. Dass wir unseren Sport ab einem bestimmten Niveau nur mit absoluter Konsequenz betreiben können, dafür haben die Menschen in unserem Umfeld nicht immer Verständnis. Ein spontanes gemeinsames Abendessen? Ja, sehr gerne, aber ich muss erst trainieren. Würde Dir 21 Uhr passen? Wie, so spät?

Die Tatsache, dass wir unseren Sport mit großer Leidenschaft betreiben und dies entsprechend zeitintensiv ist, wird uns häufig als Egoismus ausgelegt. Aber sind wir wirklich egoistisch? Nur weil wir eine Passion haben und diese mit viel Herzblut betreiben? Weil wir uns mit unserem Sport einfach viel wohler fühlen, als ohne? Weil es uns bessergeht als Marathonläufer*in/Triathlet*in und uns Erfüllung oder gar Selbstverwirklichung schafft?

Dies ist gar keine so einfache Frage. Denn wie bereits erwähnt, ab einem bestimmten Level müssen wir unseren Sport konsequent betreiben. Das heißt dann auch, dass spontane Treffen mit Freunden oder Familie eher selten umsetzbar sind. Aber sind wir dadurch egoistisch?

Vielleicht ja. Die Frage, die sich mir stellt, ist, ob diese Art von Egoismus etwas Schlechtes ist. Denn dadurch, dass es mir durch meinen Sport bessergeht, bin ich viel ausgeglichener und umgänglicher. Ich bin weniger gereizt und habe gute Laune, wenn ich von einer guten morgendlichen Trainingseinheit ins Büro fahre. Sind wir Ausdauersportler*innen egoistisch, wenn wir alles dafür tun, dass es uns gut geht? Sind es nicht eher die anderen, die egoistisch sind, wenn sie von uns verlangen, dass wir uns in unserem Sport einschränken? Denn dann ist es ihnen ja nicht so wichtig, ob wir glücklich sind, oder?

Wie bei vielem im Leben ist sicherlich der gesunde Mittelweg die Lösung. Wichtig ist, dass die Menschen, die uns wichtig sind, unseren Sport und das, was wir dafür machen, akzeptieren. Wenn das der Fall ist, dann findet man auch Kompromisse. Eine Radausfahrt kann man z.B. mit dem Treffen zu Kaffee und Kuchen bei den Eltern verbinden. Wenn die Distanz zu weit ist, kann man sich auch in der Region der Familie/von Freunden Wettkämpfe raussuchen, die man dort absolviert und das Ganze mit einem Besuchswochenende verbinden. Einen langen Lauf am Sonntag kann man auch mal mit dem weniger sportlichen Partner verbringen, wenn dieser die Radbegleitung übernimmt. Dann kann ein 3-Stundenlauf für beide Parteien wunderbar sein, denn man verbringt Zeit zusammen und kann mal in Ruhe quatschen.

Wie seht Ihr das? Sind wir Ausdauersportler*innen Egoisten? Wie managed Ihr den Spagat zwischen eigenem Training und gemeinsamen Aktivitäten mit Familie und Freunden? Sucht Ihr Kompromisse? Und wenn ja, wie sehen diese Kompromisse aus?

Ich freue mich auf Eure Kommentare!


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