Efeu von Mimi Rhine

Von Ute Schierwagen @Kabelljau

Manche Menschen gehen aus deinem Leben, aber nie aus deinem Herzen. Denn selbst nach Jahren wachsen ihre Spuren weiter, leise, schmerzhaft und wunderschön zugleich.

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" aperture="aperture" />Cover von Efeu

Du kannst versuchen, die Liebe loszulassen, aber manche Gefühle wachsen tiefer als jede Vernunft.

Wenn Liebe nicht vergeht, sondern weiterwächst – Es gibt Bücher, die begleiten einen ein paar Stunden lang und verschwinden danach langsam wieder aus den Gedanken. Und dann gibt es Geschichten wie „Efeu“ von Mimi Rhine, die sich nicht einfach lesen lassen, sondern sich Stück für Stück um das eigene Herz legen, bis man irgendwann merkt, dass man die Gefühle dieser Figuren längst mit sich herumträgt, obwohl die letzte Seite bereits beendet ist. Diese Geschichte fühlt sich an wie ein alter Schmerz, den man eigentlich längst verarbeitet haben wollte und der plötzlich wieder auftaucht, sobald ein bestimmter Blick, ein bestimmtes Lied oder eine einzige Erinnerung alles zurückholt. Genau diese emotionale Schwere zieht sich durch das gesamte Buch und macht die Geschichte so intensiv, so greifbar und gleichzeitig so unfassbar traurig. Wenn Du jetzt neugierig geworden bist, dann komm mit auf eine sehr intensive Lesereise. Auf geht’s…

Wenn Liebe sich festwächst wie Efeu – Schon die ersten Worte haben etwas Verzweifeltes in sich, das sofort unter die Haut geht. Dieses Flehen, dieses „Bitte, wenn du mich liebst, lass mich los“, klingt nicht nach mangelnder Liebe, sondern nach einem Menschen, der genau deshalb gehen will, weil die Gefühle längst zu groß geworden sind, um sie noch auszuhalten. Mimi Rhine gelingt es bereits auf den ersten Seiten, eine Atmosphäre zu erschaffen, die von Sehnsucht, Verlust und innerer Zerrissenheit lebt, ohne jemals künstlich dramatisch zu wirken. Vielmehr fühlt sich alles erschreckend echt an, weil die Emotionen nicht überladen wirken, sondern leise und ehrlich erzählt werden.

Liebe, die nicht vergeht – egal, wie sehr man es versucht – Im Mittelpunkt stehen Louis und David, deren Geschichte nicht nur von Liebe erzählt, sondern vor allem von Angst, Unsicherheit und den tiefen Spuren, die Menschen hinterlassen können, wenn sie einander verlieren, obwohl sie sich eigentlich nie aufhören wollten zu lieben. Louis wächst in einer Familie auf, die ihn trägt, die ihn auffängt und ihm zeigt, dass Liebe nichts ist, wofür man sich verstecken muss. Seine beiden Väter und sein familiäres Umfeld geben ihm einen Halt, der während der gesamten Geschichte spürbar bleibt und der gleichzeitig noch deutlicher macht, wie einsam David mit seinen Ängsten eigentlich ist.

David dagegen lebt in einem Umfeld, das ihn geprägt hat, lange bevor er überhaupt verstanden hat, wer er wirklich ist. Seine Angst vor dem eigenen Vater, vor Ablehnung, vor Verlust und davor, alles zu verlieren, was ihm Sicherheit gibt, sitzt so tief in ihm, dass sie irgendwann stärker wird als seine Liebe zu Louis. Gerade das macht seine Figur so tragisch, weil Mimi Rhine ihn niemals als kalten oder herzlosen Menschen darstellt. Stattdessen zeigt sie einen jungen Mann, der permanent zwischen seinen Gefühlen und seiner Angst zerbricht und irgendwann Entscheidungen trifft, die nicht aus fehlender Liebe entstehen, sondern aus purer Überforderung.

Zwei Jungen, die eigentlich nur geliebt werden wollten – Genau darin liegt für mich die größte Stärke dieser Geschichte, denn „Efeu“ erzählt keine einfache Liebesgeschichte, in der Missverständnisse schnell aus dem Weg geräumt werden und am Ende alles leicht wirkt. Dieses Buch zeigt, wie tief Verletzungen gehen können, wenn Menschen sich voneinander entfernen, obwohl sie sich innerlich noch immer festhalten. Die Trennung zwischen Louis und David fühlt sich deshalb nicht wie ein dramatischer Handlungspunkt an, sondern wie etwas, das langsam alles in ihnen zerstört hat.

Fünf Jahre später und nichts ist vorbei – Besonders intensiv empfand ich die Zeit nach den fünf Jahren der Trennung, weil Mimi Rhine die Wiederannäherung der beiden unglaublich vorsichtig und emotional erzählt. Zwischen ihnen steht zu viel Vergangenheit, zu viele unausgesprochene Gedanken und zu viele Erinnerungen, die niemals aufgehört haben weh zu tun. Man merkt in jeder Begegnung, dass diese Liebe nie verschwunden ist, sondern lediglich unter Schmerz, Wut und Enttäuschung begraben wurde. Gerade dieses langsame Annähern hat mich emotional vollkommen abgeholt, weil nichts überstürzt wirkt und jede kleine Geste plötzlich eine enorme Bedeutung bekommt.

Die stillen Momente sind die lautesten – Es sind vor allem die stillen Momente, die dieses Buch so besonders machen. Ein Blick, der zu lange anhält. Eine Berührung, die alte Erinnerungen zurückholt. Dieses ständige Schwanken zwischen Nähe und dem verzweifelten Versuch, sich selbst zu schützen. Mimi Rhine schreibt diese Zwischentöne mit einer solchen emotionalen Feinfühligkeit, dass viele Szenen lange nachhallen, obwohl oft gar nicht viel gesagt wird. Vielleicht liegt genau darin die wahre Stärke ihres Schreibstils, denn sie erschafft Emotionen nicht durch große Dramen, sondern durch die leisen Dinge zwischen den Worten.

Dabei passt der Titel „Efeu“ auf beinahe schmerzhafte Weise perfekt zu dieser Geschichte. Die Liebe zwischen Louis und David fühlt sich tatsächlich wie Efeuranken an, die sich immer weiter um das Herz legen, egal wie sehr man versucht, sie abzureißen. Und jedes Mal, wenn man glaubt, endlich Abstand gewonnen zu haben, merkt man, dass die Wurzeln längst viel tiefer sitzen, als man jemals zugeben wollte. Diese Metapher zieht sich wie ein melancholischer Schatten durch die gesamte Geschichte und macht die Gefühle der Figuren noch greifbarer.

Menschen, die Licht in dunkle Gedanken bringen – Auch die Nebenfiguren verleihen dem Buch unglaublich viel Wärme. Freunde wie Paul, Finn, Jannis und Luca sorgen dafür, dass die Geschichte trotz all ihres Schmerzes niemals hoffnungslos wirkt. Besonders Louis’ Familie hat mein Herz immer wieder berührt, weil sie zeigt, wie wichtig Menschen sein können, die einen auffangen, wenn alles andere auseinanderfällt. Gerade dadurch wird Davids innerer Kampf noch trauriger, weil man spürt, wie sehr er sich eigentlich genau nach diesem Gefühl von Sicherheit sehnt.

Ein kleiner Wunsch nach noch mehr Tiefe – Trotz all der emotionalen Stärke gab es einen kleinen Punkt, an dem ich mir noch etwas mehr Tiefe gewünscht hätte. Vor allem die Auseinandersetzung rund um Davids Vater und die spätere Auflösung bestimmter Missverständnisse hätte für mich noch intensiver ausgearbeitet werden dürfen. Gerade weil dieser Konflikt so zentral für Davids Entscheidungen ist, hätte ich mir dort noch mehr emotionale Konfrontation und mehr Raum für Verarbeitung gewünscht. Dennoch verliert die Geschichte dadurch niemals ihre Wirkung, weil die Beziehung zwischen Louis und David jederzeit das emotionale Herzstück bleibt.

Schreibstil, der mitten ins Herz trifftMimi Rhine schreibt flüssig, gefühlvoll und unglaublich nahbar. Ihr Schreibstil liest sich leicht, trägt aber gleichzeitig eine emotionale Schwere in sich, die viele Szenen tief unter die Haut gehen lässt. Besonders schön fand ich, dass sie ihren Figuren Raum gibt, verletzlich zu sein. Niemand muss hier perfekt oder stark wirken. Die Charaktere dürfen zweifeln, Fehler machen, weglaufen und trotzdem geliebt werden. Genau das macht die Geschichte so menschlich.

FAZIT: Wenn Liebe nie aufgehört hat zu wachsen – Dieses Buch bekommt von mir eine absolute Leseempfehlung. „Efeu“ von Mimi Rhine ist eine zutiefst emotionale Second-Chance-Romance, die nicht von perfekten Momenten lebt, sondern von den Narben, die Liebe hinterlassen kann. Diese Geschichte erzählt von zwei Menschen, die sich nie wirklich vergessen konnten und deren Gefühle selbst nach Jahren noch immer so lebendig sind, dass jede Begegnung alte Wunden wieder aufreißt. Louis und David wirken dabei nicht wie typische Romanfiguren, sondern wie echte Menschen, die versuchen, mit ihrer Vergangenheit, ihren Ängsten und ihren verletzten Herzen umzugehen.

Gerade deshalb fühlt sich ihre Geschichte so intensiv an. Man leidet mit ihnen, weil ihre Emotionen glaubwürdig sind. Man versteht ihre Fehler, selbst wenn sie weh tun. Und man hofft die ganze Zeit darauf, dass zwei Menschen, die sich einst verloren haben, vielleicht doch noch einen Weg zurück zueinander finden können. Besonders die melancholische Atmosphäre, die tief sitzende Sehnsucht und die emotionale Ehrlichkeit machen „Efeu“ zu einem Buch, das nicht laut sein muss, um mitten ins Herz zu treffen. Diese Geschichte schreit ihre Gefühle nicht heraus. Sie flüstert sie leise zwischen den Zeilen und genau deshalb berühren sie manchmal umso mehr.

Persönliches Schlusswort – Manche Geschichten lesen sich wunderschön, während man sie in den Händen hält. Andere schaffen es darüber hinaus und hinterlassen etwas im Inneren, das man selbst Tage später noch spürt. „Efeu“ gehört für mich ganz eindeutig zu diesen Büchern. Diese Geschichte hat mich nicht mit großen Dramen oder künstlicher Schwere berührt, sondern mit ihrer Ehrlichkeit. Mit diesem schmerzhaften Gefühl, jemanden nie ganz loslassen zu können, obwohl man weiß, dass genau diese Liebe einen gleichzeitig glücklich und kaputt macht. Vor allem die stille Sehnsucht zwischen Louis und David hat mich immer wieder getroffen, weil sie sich so echt angefühlt hat. Nicht wie eine perfekte Romanliebe, sondern wie zwei Menschen, die einander verloren haben und trotzdem niemals wirklich voneinander weggekommen sind. Vielleicht ist genau das die traurigste und gleichzeitig schönste Erkenntnis dieses Buches: Manche Menschen wachsen nicht einfach aus dem Herzen heraus. Manche bleiben dort wie Efeu zurück, ziehen ihre Wurzeln durch Erinnerungen, Gedanken und Gefühle und erinnern einen selbst Jahre später noch daran, wie sehr man einmal geliebt hat. Mir bleibt jetzt nur noch dir eine schöne Lesereise zu wünschen und vielleicht ist Liebe manchmal wirklich wie „Efeu“. Nicht immer schön. Nicht immer leicht. Aber tief verwurzelt. Hartnäckig. Und unmöglich vollständig zu entfernen, ohne ein Stück von sich selbst zurückzulassen.

Wieder lege ich ein sehr sehr gutes Buch beiseite und bin jetzt schon auf die folgenden Teile gespannt, denn bald geht es mit Louis‘ Brüdern weiter. Aber bis dahin warten noch viele tolle Bücher auf meinem Reader. Bleibt also neugierig und bis bald